Keine Rezeptfreiheit für die „Pille danach“

Union und FDP haben vergangene Woche gegen eine rezeptfreie „Pille danach“ gestimmt. Damit ist der Antrag von SPD und Linken, die Rezeptpflicht für das Medikament aufzuheben, abgelehnt worden.

Der Gesundheitsausschuss des Bundestages hat beschlossen, dass die „Pille danach“ verschreibungspflichtig bleiben soll. Die SPD und die Linke hatten eine Aufhebung der Rezeptpflicht gefordert. Union und FDP lehnten den Antrag allerdings ab.

Die Union begründet ihre Entscheidung damit, dass grundsätzlich eine ärztliche Beratung bei der Verwendung solcher Präparate nötig sei. Außerdem habe die Aufhebung der Rezeptpflicht in Großbritannien und Frankreich zu einem Anstieg der Schwangerschaftsabbrüche geführt. Die FDP argumentierte, dass man das Medikament nicht mit Kopfschmerztabletten gleichsetzen dürfe. Eine ausreichende Beratung in der Apotheke sei schwer vorstellbar.

Pille wird nicht rezeptfrei (© Fuse)

Pille wird nicht rezeptfrei (© Fuse)

Der Ausschuss stellt sich mit dieser Entscheidung gegen die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese rät dazu, das Medikament rezeptfrei zur Verfügung zu stellen, da die Verträglichkeit gut und eine ärztliche Untersuchung vor der Einnahme aus medizinischer Sicht nicht nötig sei. Auch der zuständige Ausschuss des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sprach sich bereits 2003 dafür aus, die Rezeptpflicht aufzuheben.

Über den Online-Versand kann die „Pille danach“ bereits per Express ohne vorherigen Arztbesuch bestellt werden, das Beratungsgespräch wird hierbei durch einen Online-Fragebogen ersetzt. Der Berufsverband der Frauenärzte steht dem Online-Angebot allerdings kritisch gegenüber. Beratungsgespräche könne man nicht mit einem Fragebogen abdecken.

In 79 Ländern ist die „Pille danach“ bereits rezeptfrei erhältlich. In der EU besteht nur in Deutschland, Italien und Polen eine Rezeptpflicht.