Zu wenig Aufklärung bei Kaiserschnitt-Geburten

Mittlerweile kommt jedes dritte Kind in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt, damit hat sich die Zahl der Kaiserschnittentbindungen in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Vor diesem Hintergrund führte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen eine Umfrage zur Thematik Kaiserschnitt durch. Wie sich herausstellte, tun Kliniken mit Entbindungsstationen nur wenig, um Ratsuchende gezielt zu diesem Thema zu beraten.

Die Umfrage „Aufklärung und Information zum Kaiserschnitt“ der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW) bestätigt nun, dass Kliniken mit Entbindungsstationen in NRW nur sehr wenig tun, um Ratsuchende über die Problematik im Vorfeld vertraut zu machen und gezielt zu beraten.

Mangelnde Information und Aufklärung ist laut Bericht bei 44 befragten Geburtsstationen in Nordrhein-Westfalen gegeben. Zudem nutzen viele Krankenhäuser auch das Internet zu wenig, um Schwangere bereits bei der Suche nach einer geeigneten Geburtsklinik über die Risiken einer Kaiserschnittentbindung und mögliche Alternativen zu informieren. Demnach erläutern gerade einmal 23 Kliniken (38 Prozent) auf ihrer Internetseite in drei bis fünf Sätzen den Ablauf eines Kaiserschnitts. Auf Nutzen und Risiken weisen lediglich drei Krankenhäuser hin.

„Aufklärung zu einer Geburt mit Bauchschnitt erfolgt meist erst, nachdem sich werdende Mütter in der Klinik angemeldet haben oder aufgenommen wurden – und häufig auch erst dann, wenn Risiken erkennbar sind“, erklärt Klaus Müller, Vorstand der VZ NRW.

Umfrage in Geburtskliniken in NRW (© VZ NRW)

Umfrage: „Informieren Sie schwangere Frauen ausführlich zum Thema Kaiserschnitt?“ (Angaben in Prozent) (© VZ NRW)

Die Verbraucherzentrale NRW befragte insgesamt 61 Geburtsstationen in Nordrhein-Westfalen darüber, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Form Schwangere über die jeweilige Kaiserschnittpraxis informiert werden. Von 48 Reaktionen lieferten 44 Rückläufe aussagekräftige Daten: 32 Kliniken geben an, über keinen bestimmten Zeitpunkt – etwa bereits bei der Kliniksuche – für eine umfassende Aufklärung zu verfügen. Nur wenn sich Komplikationen abzeichnen, kommt der Kaiserschnitt in 38 Geburtskliniken (86 Prozent) ausführlich zwischen Arzt und der Schwangeren zur Sprache. In diesem Fall informieren fast alle Kliniken (43 bzw. 98 Prozent) werdende Mütter und Väter über die Risiken und zeigen alternative Entbindungsformen auf (40 bzw. 91 Prozent).

Hintergrund: Natürliche Geburten sind seit Jahren rückläufig. Mittlerweile entbindet jede dritte Frau in Deutschland per Kaiserschnitt. Jedoch benötigen Schwangere sehr gute Informationen über dessen Vor- und Nachteile sowie über den Umgang der Kliniken mit dieser Geburtsform. Häufigkeit und Routine bei Kaiserschnitten sind von Klinik zu Klinik stark unterschiedlich, und ein Kaiserschnitt wird nur bei medizinischer Indikation (diese kann auch durch seelische Belastung oder Trauma bei vorhergegangenen Geburten gegeben sein) durchgeführt.

Fazit: Die NRW-Verbraucherzentrale fordert daher ein stärkeres Engagement von den Kliniken, d.h. generell zugängliche Informationen zum Thema, eine frühzeitige Aufklärung rund um den Kaiserschnitt, inkl. relevanter Informationen über Schmerzen nach der Operation, Komplikationen bei späteren Schwangerschaften und mögliche seelische Belastungen.

Der Bericht kann als pdf-Datei kostenlos bei der Verbraucherzentrale NRW bezogen werden.