Immer jüngere Kinder leiden unter Kopfschmerzen

Wie die Stiftung Kindergesundheit nun berichtet, zählen Kopfschmerzen mittlerweile zu den häufigsten Kinderkrankheiten. Demnach leidet bereits im Vorschulalter jedes fünfte Kind ab und zu daran.

Früher einmal galten Kopfschmerzen als typisches Leiden gestresster Erwachsener. Doch mittlerweile gehört Kopfweh zu den häufigsten Kinderkrankheiten, berichtet nun die Stiftung Kindergesundheit in ihrer neuesten Stellungnahme. So leidet bereits im Vorschulalter jedes fünfte Kind gelegentlich an Kopfweh. Am Ende der Grundschulzeit haben bereits mehr als die Hälfte aller Kinder Erfahrungen damit gesammelt, wobei Mädchen häufiger als Jungen Kopfschmerzen haben.

Wenn Kinder über Kopfschmerzen klagen

Kopfschmerzen bei Kindern können viele Ursachen haben (© panthermedia.net, Cathy Yeulet)

Neueste Studienergebnisse lieferte unter anderem die MUKIS-Studie* („Münchner Untersuchung zu Kopfschmerzen bei Gymnasiasten“). Insgesamt 1.675 Schüler von zwölf Gymnasien in München und Umgebung wurden befragt. Nach der Auswertung der Daten zeigte sich, dass vier von fünf der 12 bis 19 Jahre alten Kinder und Jugendlichen (83,7 %) innerhalb der letzten sechs Monate mindestens einmal Kopfschmerzen hatten, jeder zehnte Gymnasiast (11,4 %) im letzten Jahr wegen Kopfschmerzen zum Arzt musste, ein Viertel der Schüler regelmäßig Medikamente einnehmen muss und Mädchen-Gymnasien besonders hohe Kopfschmerz-Häufigkeit aufweisen.

Auch die Studie „Kinder, Jugendliche und Kopfschmerz“ („KiJuKo“) der Universitätsinstitut für Psychologie Göttingen lieferte ähnlich hohe Werte. Das Team um Prof. Dr. Birgit Kröner-Herwig befragte für die Studie insgesamt 8.800 Familien mit einem Kind zwischen sieben und 14 Jahren. Man dokumentierte die „Kopfschmerz-Karriere“ von 2.025 Kindern im jährlichen Abstand von über vier Jahren hinweg.

Nach der Auswertung offenbarte sich, dass jedes zehnte Kind (10,9 %) bereits im Alter von acht Jahren mindestens einmal im Monat über Kopfschmerzen klagte und bei 3,8 Prozent der Zweitklässler die Kopfschmerzen sogar mindestens einmal pro Woche aufgetreten sind. Mit zwölf Jahren hatten bereits 54 Prozent der Befragten Erfahrungen mit Kopfschmerzen, 6,9 Prozent litten jede Woche darunter und 18,5 Prozent mindestens einmal im Monat. Viele Eltern nannten in der Befragung der „KiJuKo“-Studie Hektik, Zeitdruck, Überforderung in der Schule, Familienstreit und zu langes Sitzen vor dem PC oder Fernsehgerät als mögliche Auslöser.

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Kopfschmerzen diagnostizieren

Kinder- und Jugendarzt Professor Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit, betont, dass die Diagnose von Kopfschmerzen bei Kindern nicht einfach sei: „Bei kleinen Kindern, die noch nicht sprechen können, sind Kopfschmerzen nur schwer zu erkennen. Häufige Anzeichen bei Babys sind Reizbarkeit, Unruhe und Überempfindlichkeit gegen Berührungen. Etwas größere Kinder drücken die Hände an den Kopf oder vor die Augen, runzeln auffällig die Augenbrauen oder zausen sich immer wieder die Haare. Einigermaßen verlässliche Angaben sind von den Kindern erst etwa vom fünften Lebensjahr an zu erwarten“, sagt Koletzko.

Weitere Ursachen

Gelegentlich können sich auch organische Störungen hinter dem Kopfweh verbergen. Fieberhafte Krankheiten gehen häufig mit Kopfschmerzen einher. Auch Kieferhöhlenentzündungen, entzündliche Krankheiten der Ohren, Halsentzündungen, Mandelentzündungen oder eine Hirnhautentzündung (Meningitis) sowie ein Hirntumor machen sich durch Kopfschmerzen bemerkbar. Weitere organische Ursachen könnten Kreislaufstörungen, eine Gehirnerschütterung oder auch zuviel Sonne sein.

Deshalb sei es eine wichtige Aufgabe des Kinder- und Jugendarztes, mit Hilfe einer exakten Befragung der Eltern verdächtige Fälle herauszufinden und weitere Untersuchungen einzuleiten, betont Professor Koletzko weiterhin.

Schmerzlinderung

Die Stiftung empfiehlt, dass Kinder, die unter Kopfschmerzen leiden, sich mehr im Freien bewegen, regelmäßig Sport treiben und viel Wasser trinken sollten.

Weitere Informationen finden Interessierte bei der Stiftung Kindergesundheit sowie im Artikel „Migräne & Kopfweh“.

*MUKIS – An der Studie beteiligten sich drei Institutionen der Universität München: Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin (Prof. Dr. Rüdiger von Kries), Abteilung für Pädiatrische Neurologie, Entwicklungsneurologie und Sozialpädiatrie des Dr. von Haunerschen Kinderspitals (Prof. Dr. Florian Heinen) und Neurologische Klinik am Klinikum Großhadern (Prof. Dr. Andreas Straube).

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