Grippe ist für Schwangere besonders gefährlich

Grippe ist für Schwangere und ihr Ungeborenes oft lebensgefährlich. Experten fanden nun heraus, dass das gar nicht am Immunsystem der werdender Mütter liegt. Wie können Schwangere sich und ihr Kind vor den Grippeviren schützen?

Erkranken Schwangere an einer Grippe, ist der Krankheitsverlauf oft sehr viel ernster, als bei anderen Erwachsenen. Werdende Mütter reagieren heftiger auf die Infektion, Risiken wie eine Lungenentzündung sind besonders hoch, oft können auch Früh- oder Fehlgeburten eine Folge der Erkrankung sein. Dies gilt für eine „richtige“ Grippe, nicht für einen grippalen Infekt.

Bisher geht man davon aus, dass das Immunsystem der werdendem Mütter besonders sensibel sei. Doch eine neue Studie der kalifornischen Stanford Universität, die jetzt  in Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Annahme wohl so nicht stimmt. Die Forscher untersuchten die Immunzellen von rund 50 Frauen, etwa die Hälfte der Frauen war schwanger. Die Untersuchung zeigt, dass die Körperabwehr besonders heftig auf Grippeviren reagiert.

Untersucht wurde das Blut der Studienteilnehmerinnen mehrmals: vor einer Impfung mit inaktiven Grippeviren, sieben Tage später und sechs Wochen später. Zellen, die die Wissenschaftler aus diesem Blut gewannen, wurden dann im Labor verschiedenen Grippeviren ausgesetzt. Unter anderem der saisonalen Grippe H3N2 und der so genannten Schweinegrippe H1N1. Das Ergebnis dieser Untersuchung: die Zellen der schwangeren Frauen reagierten deutlich heftiger auf die Infektion. Ihre T-Zellen stellten verstärkt Zytokine und Chemokine her. Dies sind Signalstoffe, die dafür sorgen, dass Entzündungsreaktionen heftiger ausfallen. “Wenn die Chemokin-Werte zu hoch sind, kann das zu viele Immunzellen herbeilocken”, so die Leiterin der amerikanischen Studie Catherine Blish  “In einer Lunge, wo man Raum für Luft braucht, ist das schlecht.” Dies sei wahrscheinlich auch eine Erklärung, warum Schwangere bei Grippeerkrankungen verstärkt zu Lungenentzündung neigten.

Werbung

Grippe ist für Schwangere besonders gefährlich

Der beste Schutz für Mutter und Kind gegen Grippe ist die Impfung (© Thinkstock)

“Das Gesamtergebnis hat uns überrascht”, erklärt Blish. “Wir wissen jetzt, dass eine schwere Grippe während der Schwangerschaft eine hyperentzündliche Erkrankung ist und kein Zustand der Immunschwäche. Das bedeutet, dass die Therapie für Schwangere mehr darauf abzielen sollte, die Immunantwort zu regulieren, als sich um die Vermehrung des Virus zu sorgen.” Die Expertin rät also klar dazu, dass mehr geimpft werden sollte.

Doch das ist nach wie vor ein Problem.  Obwohl  das Gesundheitsrisiko durch eine Grippe schon länger bekannt ist, zeigt eine Befragung von Schwangeren, die vom Bundesministerium für Gesundheit finanziert wurde, dass in der Saison 2012/2013 nur 23,2  Prozent der Schwangeren geimpft waren. Dreißig Prozent der Schwangeren wussten nicht, dass sie sich gegen Influenza impfen lassen sollten. Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mitteilt, waren die am häufigsten genannten Gründe gegen eine Impfung  fehlendes Vertrauen in die Impfung und eine niedrige Risikowahrnehmung.

„Die Grippeimpfung der werdenden Mutter schützt auch das Kind nach der Geburt“, so Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA. Der Herbst, also im Oktober und November, gilt als bester Zeitraum für die Grippeschutzimpfung. Die genaue Zusammensetzung der  saisonalen Impfstoffe wird jedes Jahr aktualisiert.

Schwangere sollten sich mit ihrem Frauenarzt beraten, wann und wie sie sich am besten impfen lassen oder ob der vorhandene Schutz noch ausreicht. Mehr Informationen und die Broschüre  „Sicherheit und Wirksamkeit der Grippeschutzimpfung“ auf der BZgA-Webseite www.impfen-info.de.

, , , ,

Jetzt kommentieren.

Schreibe einen Kommentar