Gerichtsurteil verbietet religiöse Beschneidung

Das Urteil des LG Köln zur religiösen Beschneidung löste eine heftige Diskussion in Deutschland aus. Wie soll das Recht auf körperliche Unversehrtheit mit dem Recht auf Religionsfreiheit künftig vereinbart werden?

Das Kölner Landgericht urteilte, dass die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen strafbar sei. Noch vor der Religionsfreiheit stehe das Recht auf Selbstbestimmung eines Menschen.

Anlass für das Verfahren war der Fall eines vierjährigen Jungen, der auf Wunsch seiner muslimischen Eltern von einem Arzt beschnitten wurde. Das Kölner Landgericht nahm das Verfahren auf, aus dem der behandelnde Allgemeinmediziner ohne Strafe hervorging. Zum Zeitpunkt der Beschneidung konnte er von der Strafbarkeit dieser religiösen Praktik nichts wissen, urteilten die Richter. Trotzdem seien religiöse Beschneidungen, so das Landgericht weiter, eine „rechtswidrige Körperverletzung“.

Die Entscheidung löste eine heftige Diskussion in Deutschland aus. Wie soll das Recht auf körperliche Unversehrtheit mit dem Recht auf Religionsfreiheit künftig vereinbart werden? Gegner des Urteils sehen vor allem eine religiöse Praxis in Gefahr, die seit Jahrhunderten zur Religionsausübung von Juden und Muslimen dazu gehört.

Streit um Beschneidung und Religion

Diskussion um Urteil zu religiöser Beschneidung (Foto: Thinkstock)

Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, äußerte sich gegenüber der Zeitung Morgenpost Online kritisch. Das Kölner Urteil würde das Vertrauen in die Religionsfreiheit erschüttern. Die Debatte spitze sich soweit zu, dass die Konferenz Europäischer Rabbiner Paralellen zwischen dem Gerichtsurteil und dem Holocaust zogen. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden, kündigte an, dass einige jüdische Gemeinden auswandern müssten, sollte es bei diesem Verbot bleiben. Das Urteil sei ein „fundamentales Problem für die weitere Existenz der jüdischen Gemeinden“ in Deutschland, so Goldschmidt.

Steffen Seibert, Sprecher der Bundesregierung, versuchte Klarheit in die Situation zu bringen: „Für alle in der Bundesregierung ist es völlig klar: Wir wollen jüdisches, und wir wollen muslimisches religiöses Leben in Deutschland“.

Bis aus der Einzelfallentscheidung in Köln ein Allgemeines Gesetz wird, können noch Monate ins Land gehen. Einige Ärzte befürchten nun, dass Eltern bis dahin ihre Kinder von unseriösen Anbietern beschneiden lassen. „Durch das Urteil haben wir eine Rückentwicklung“, befürchtet der Kinderchirurg Dr. Hikmet Ulus in der Ärzte Zeitung Online. Wird die Vorhaut eines Jungen unprofessionell beschnitten, könne es beispielsweise  zu schmerzhaften Vernarbungen kommen, so der Mediziner weiter.

Ob Beschneidungen in Deutschland künftig strafrechtlich verfolgt werden oder ob die Religionsfreiheit schwerer wiegt, wird die Bundesregierung bald entscheiden müssen.

Quellen:

LG Köln, Pressemitteilung vom 26.6.2012
Bundesregierung: Beschneidung von Jungen
Zeit: Der Weg zum legalen Schnitt
Berliner Morgenpost: Kölner Urteil erschüttert Vertrauen in Religionsfreiheit
Ärztezeitung: Beschneidungsverbot: Ärzte sehen Gefahr für Jungen

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