Gentechnisch verändertes Gemüse in Bio-Babynahrung?

Bio-Babynahrung kann tatsächlich gentechnisch verändertes Gemüse enthalten. Zu diesem Ergebnis kommen Untersuchungen des ZDF-Verbrauchermagazins WISO.

Man sollte meinen, dass Bio-Lebensmittel frei von Gentechnik seien, aber wie sich nun herausstellt, ist das offenbar nicht so. Das ZDF-Verbrauchermagazin „WISO“ hat Bio-Babynahrung untersuchen lassen und wurde bei Hipp und Demeter fündig: in Proben aus Babygläschen beider Firmen konnte laut WISO-Bericht gentechnisch verändertes Gemüse nachgewiesen werden.

(© Thinkstock)

Bio-Babynahrung mit gentechnisch verändertem Gemüse (Symbolfoto: © Thinkstock)

Bei der WISO-Sendung von Montag präsentierte das ZDF seine neuen Befunde zu gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln in Bio-Babynahrung. WISO ließ insgesamt 37 Proben von Bio-Babynahrung der Marken Hipp, Demeter, Alnatura und Bioland durch Labore untersuchen. Die Proben von Alnatura und Bioland waren negativ, aber in allen anderen Proben der Demeter-Holle Babynahrung „Brokkoli mit Vollkornreis“ konnte gentechnisch verändertes Gemüse nachgewiesen werden. Auch bei knapp einem Viertel der untersuchten Proben der Hipp-Produkte fand WISO umstrittene Zutaten.

Demeter nahm zu den aktuellen Testergebnissen bei Babynahrung Stellung und erklärte, dass man vorerst eigene Untersuchungen in Auftrag geben wolle, um „rechtsbelastbare Analyseergebnisse“ zu erhalten. „Sollte sich herausstellen, dass in den von „WISO“ getesteten Babygläschen kein Demeter-Brokkoli war, werden wir diese Ware vom Markt nehmen“, sagte Demeter-Vorstand Alexander Gerber.

Hipp erklärte, man wolle ebenfalls das „WISO“-Testergebnis nachprüfen und sicherstellen, dass in Zukunft „keine Spuren“ mehr von gentechnisch verändertem Gemüse zu finden sein werden. „Wir werden die Analysen verschärfen“, so der Geschäftsführer Johannes Doms, denn laut Unternehmensphilosophie dürften nur Gemüsesorten eingesetzt werden, die nicht gentechnisch verändert seien.

Die von WISO als „gentechnisch verändertes Gemüse“ enttarnten Bestandteile in der Bionahrung stammen von Gemüsesorten, die als sogenannte CMS-Hybride bezeichnet werden. CMS steht für „Cytoplasmatische Männliche Sterilität“ und bedeutet, dass entsprechende gentechnisch-veränderte Pflanzen sich nicht mehr selbst bestäuben müssen. Viele Züchter übertragen CMS mittels Zellfusion auf Gemüsesorten wie Blumenkohl oder Brokkoli. Zellfusion gilt laut EU-Freisetzungsrichtlinie zwar als Gentechnik und ist verboten, jedoch dürfen konventionelle Landwirte sowie Bio-Bauern CMS-Hybride anbauen und vermarkten. Diese Ausnahme bezüglich CMS-Hybriden wird allerdings von deutschen Bio-Verbänden und der Firma Hipp strikt abgelehnt.

Hipp-Pressesprecherin Sandra Hohenlohe hält die Ergebnisse der WISO-Untersuchung für falsch und irreführend: „Die EU-Freisetzungsrichtlinie (2001/18) sowie das Deutsche Gentechnikgesetz bestimmen eindeutig, welche Züchtungstechniken der Gentechnik zuzuordnen sind. Die durch Zellfusionstechnik übertragene Eigenschaft CMS ist danach nicht als Gentechnik definiert. Daher werden Produkte, die damit erzeugt wurden, auch nicht gekennzeichnet. Diese Position vertreten unter anderem auch der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft wie auch Greenpeace. Wären gentechnisch veränderte Organismen in unseren Produkten gefunden worden, würden sie schon wegen der bestehenden gesetzlichen Vorschriften sofort ihren Bio-Status verlieren.“

Der Anbau von gentechnisch verändertem Gemüse ist letztendlich verboten: „Wenn wir ein Verbot aussprechen, müssen wir auch dafür sorgen, dass es durchgesetzt wird“, äußerte sich der Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und fordert daher eine Saatgut-Kennzeichnung.

Die ausführlichen Testergebnisse können sich Interessierte im ZDF-Beitrag der „WISO-Sendung“ vom 7. Oktober 2013 noch einmal anschauen.

  • BaldMami

    Liebe liliput-lounge, als Expertin für Kinderernährung und werdende Mama, finde auch ich den Beitrag der Wiso-Redaktion irreführend. Das als Gentechnik identifizierte Verfahren kann auch über konventionelle Kreuzungen erzeugt werden. Deshalb zählt dieses Verfahren laut Gesetz nicht zur Gentechnik im gemeinen Sinne. Sicher ist es schwierig, wenn die genannten Firmen das Verfahren ablehnen und es dennoch nachgewiesen wird. Ob dies allerdings tatsächlich einen Einfluss auf die kindliche Gesundheit hat, vage ich in Frage zu stellen. Werden hier junge Eltern absichtlich mit einem Problem konfrontiert, bei dem noch nicht klar ist, ob es tatsächlich eines ist?

    • Chris Schulz

      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich gebe Ihnen recht, dass Eltern durch Beiträge zur Kinderernährung oft auch verunsichert werden. Ob das Verfahren zur Gentechnik zählt oder nicht, ist letztlich ein terminologischer Streit und das Argument „laut Gesetz ist es erlaubt“ ist für Hersteller immer sehr bequem. Ob solche Verfahren einen Einfluss auf die Ernährung und Gesundheit haben, müssen wir der Wissenschaft zur Klärung überlassen. Bis dahin halte ich es für aufgeklärte Verbraucher zumindest für hilfreich, wenn darüber diskutiert wird und Hersteller gerade bei Lebensmitteln möglichst transparent die Herkunft der Inhaltsstoffe kennzeichnen – damit sich Eltern selbst ein informiertes Urteil bilden können.

      • BaldMami

        Lieber Herr Schulz,
        danke für Ihre Antwort. Erlauben Sie mir noch einen abschließenden Kommentar: Damit sich Eltern ein eigenes Urteil bilden können, ist eine transparente Darstellung von allen Seiten hilfreich – denn nur so können auch gute Entscheidungen getroffen werden. Meist fehlt mir bei der öffentlichen Berichterstattung allerdings eine Seite.