Modellhaft: Fremdsprache bereits im Kindergarten

Zum Thema biliguales Lernen veranstaltete die Universität Hildesheim vergangene Woche eine Fachtagung, in der die neuesten Ergebnisse zum Fremdsprachenerwerb im Kindergarten vorgestellt wurden.

Wie viel Fremdsprachenunterricht verträgt ein Kind? Bei den zahlreichen Angeboten zum Sprachenlernen schon im Kindergarten, aber auch später in der Schule, fragen sich das viele Eltern.

Auf einer Fachtagung diskutierten Wissenschaftler, Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte und Studierende vergangene Woche die Forschungsergebnisse und ihre praktische Umsetzung im Bereich bilinguales Lernen. 220 Fachvertreter fanden sich dazu auf der Tagung „Bilinguales Lehren und Lernen“ an der Universität Hildesheim ein.

Prof. Dr. Kristin Kersten ist Juniorprofessorin für Fremdsprachenunterricht und Zweitspracherwerb an der Universität Hildesheim. Sie weist darauf hin, dass in Deutschland das Erlernen einer Fremdsprache sehr uneinheitlich abläuft. Manche Kinder lernen bereits im Kindergarten Englisch. Andere werden seit der Grundschule bilingual unterrichtet, sitzen aber in den weiterführenden Schulen mit Kindern in einer Klasse, die gerade ihre erste Englischstunde haben.

Fremdsprachen-Unterricht im Kindergarten

Fremdsprachen schon im Kindergarten (© Thinkstock)

Besonders auf die Grundschulzeit müsse man sich fokussieren, wenn man einheitliche Grundlagen schaffen wolle. Aber auch im Kindergarten können Grundlagen geschaffen werden. Kersten erklärt ein mögliches Modell: „Das Team ist zweisprachig, unter den pädagogischen Fachkräften sind Muttersprachler beider Sprachen. Beim Englischsprechen nehmen die Erzieher_innen Bezug zur Umwelt, setzen Mimik und Gestik, Bilder und Gegenstände gekonnt ein, um das Vokabular verständlich zu machen, und verwenden eine reichhaltige Sprache, mit wiederkehrenden Phrasen, Synonymen, Erklärungen und vielen Wiederholungen.“

Dass Kinder bereits in der KiTa in der Lage sind, mehrsprachig aufzuwachsen, ohne dass ihre Muttersprache darunter leidet, beweist Kersten in einem Forschungsprojekt. Entscheidend sei beim Sprachenlernen die Intensität, Dauer des Kontakts und das handlungsbegleitende Erlernen der Fremdsprache an Objekten, Bildern und der Umwelt, meint Kersten. Wie häufig die neue Sprache pro Woche gelehrt wird und wie viele Kinder auf eine Erzieherin kommen, sind weitere entscheidende Faktoren. Ob die Kinder Jungen oder Mädchen sind, ob sie einen Migrationshintergrund hatten oder nicht, wirkte sich in Kerstens Studie dagegen nicht auf ihren Fremdsprachenerwerb aus.