Frauenärzte: Untersuchungen in der Schwangerschaft wichtig

Sind Untersuchungen in der Schwangerschaft nicht nur Geschäftemacherei? Eine Studie der Bertelmanns-Stiftung hat eine Diskussion um die Schwangerschaftsvorsorge entfacht. Die Berufsverbände der Frauenärzte erklären nun, dass die Ergebnisse so nicht stimmen und die Vorsorge sehr sinnvoll sei.

Eine am 27. Juli 2015 veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung stellt die Frage nach der Notwendigkeit vieler Untersuchungen in der Schwangerschaft. „Zusatzangebote in der Schwangerschaft: Sichere Rundumversorgung oder Geschäft mit der Unsicherheit?“ lautet die Frage. Fazit der Studie: die meisten schwangeren Frauen lassen mehr Untersuchungen durchführen, als von den Richtlinien vorgesehen sind. Die Autoren der Studie werten dies eher als ein Zeichen der Verunsicherung der Frauen aus.

Igel Leistungen in der Schwangerschaft im Überblick

IGel Leistungen in der Schwangerschaft – wirklich sinnoll? (© Thinkstock)

Nun widersprechen die Frauenärzte. Die vermeintlich überhöhte Zahl von Untersuchungen diene der Senkung von Risiken und erleichtere zudem die Arbeit von Frauenärzten und Hebammen, erklärteN der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in einer gemeinsamen Presseerklärung. Die Untersuchungen seien nicht überflüssig, sie würden nur aus wirtschaftlichen Gründen nicht von den Kassen übernommen oder empfohlen.

„Schwangere nehmen immer früher und öfter Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft wahr“ – so beginnt die Einleitung der Bertelsmann-Studie. „Das ist falsch, „so DGGG und BVF.  Die gesetzliche Schwangerenvorsorge mit ihren monatlichen Vorsorgeterminen beginnt mit der Feststellung der Schwangerschaft, meist kurz nach dem Ausbleiben der Menstruation. „Immer früher“ geht also schon aus biologischen Gründen nicht.  Auch das „Immer öfter“ sei ebenfalls nicht korrekt, da die Untersuchungsintervalle gesetzlich vorgeschrieben seien.

Auch die  Unterstellung, Frauenärzte – ebenso wie Hebammen – würden Schwangeren Leistungen nur anbieten, weil sie unter wirtschaftlichem Druck stünden, sei  Unsinn. „Bereits in der Formulierung der Befragung und in der Interpretation der Ergebnisse ist der Versuch erkennbar, die seit über 50 Jahren bewährte frauenärztliche Mutterschaftsvorsorge zu diskreditieren. „Immerhin sei in dieser Zeit die perinatale Mortalität um den Faktor 10 (!), die mütterliche um ein Vielfaches mehr gesunken, „erklärt der Berufsverband der Gynäkologen. „Ein Wechsel dieses Systems, so wie von den Autorinnen in die Diskussion eingeworfen, würde die gesundheitliche Versorgung der Schwangeren und ihrer Babys mit Sicherheit verschlechtern.“

Doch nicht alle Mediziner sehen die Entwicklung unkritisch. Das Schwangerschaft und Geburt sind heute sicherer sind,  gilt als unbestrittene Leistung, die der Mutterschaftsvorsorge zu verdanken ist. Doch für diese vermeintliche Sicherheit werde durchaus ein Preis gezahlt. Prof. Dr. Jael Backe, Gynäkologin aus Würzburg erklärt in einem liliput-lounge Interview: „Der Mutterpass ist heute ein einziger Risiko-Parcours, den eine Mutter angstvoll absolviert.“ Wie aus der guten Hoffnung Vor-Sorge wurde, in unserem Artikel „Schwangerschaft wird zur Krankheit – wo bleibt die gute Hoffnung?“

Mehr über die zusätzlichen Leistungen in der Schwangerschaft erfahren Sie auch im Artikel: „IGeL in der Schwangerschaft – welche zusätzlichen Leistungen sinnvoll sind„.