EU: Es gibt kein Recht auf Hausgeburt

Haben Frauen das Recht, selbst zu bestimmen, wo sie ihr Kind zu Welt bringen? Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat sich mit der Frage befasst und erklärte, dass es Staaten erlaubt ist, Geburten streng zu regeln.

Viele Frauen möchten selbst darüber bestimmten, wo sie ihr Kind zu Welt bringen. Ob in der Klinik oder in der vertrauten Umgebung zu Hause. Wer sich in Deutschland für eine Hausgeburt entscheidet, muss allerdings die Hürde nehmen, eine freiberufliche Hebamme zu finden. In Tschechien ist das andres. Dort gibt es so strenge Auflage, dass sie praktisch einem Verbot von Hausgeburten gleich kommen. Deswegen haben zwei Tschechinnen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte geklagt. Sie forderten das Recht auf hebammenbegleitete Geburten.

Hausgeburt: von Anfang an in der vertrauten Umgebung © Thinkstock

Hausgeburt: von Anfang an in der vertrauten Umgebung © Thinkstock

Die eine der beiden Klägerinnen wollte ihr Baby mit Hilfe einer Hebamme im eigenen Heim 2010 zur Welt bringen. Doch sie fand keine Hebamme, die die geforderte medizinisch-technische Ausstattung hatte, zudem wäre keine Krankenkasse für die Kosten aufgekommen. Die Mutter ging das Risiko einer unbegleiteten Geburt ein. Die zweite Mutter fand wegen der Auflagen keine Hebamme und bekam ihr drittes Kind so unfreiwillig in einer Klinik.

Die Straßburger Richter teilten die Auffassung, dass die Rechtslage die Frauen letztlich den Frauen die Wahl nähme. Das sei tatsächlich ein Eingriff in das von der Europäischen Menschenrechtskonvention geschützte Recht auf Privatleben.  Doch gleichzeitig betone der Gerichtshof, das bei dieser komplexen Frage “keinen europaweiten Konsens” gäbe. Behörden hätten einen beträchtlichen Ermessensraum und in den genannten Fällen habe die Tschechische Republik versucht Gesundheitsrisiken für Mutter und Kind zu minimieren. Staatliche Behörden müssten Hausgeburten nicht unterstützen.