Erstklässler in Sachsen: Ein Drittel hat Schwierigkeiten beim Sprechen

Die Schuleingangsuntersuchung in Sachsen hat Defizite bei Fünf- und Sechsjährigen ergeben. Es fehlt besonders an Sprachfertigkeit, Wortschatz und Motorik. Nur 17,4 Prozent der untersuchten Kinder erfüllten die Kriterien für eine altersgerechte Entwicklung – ein alarmierendes Ergebnis.

Am häufigsten werden Störungen der Sprache und des Sprechens festgestellt, wie eine Statistik des Sozialministeriums zeigt, die der Leipziger Volkszeitung vorliegt. Ein Drittel der Erstklässler in Sachsen hat Schwierigkeiten richtig zu sprechen – Jungen (37,6 Prozent) sind hierbei noch häufiger als Mädchen (30 Prozent) von eben solchen Sprachstörungen betroffen.

Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) rät deshalb allen Eltern, sich mehr Zeit für ihre Kinder zu nehmen. „Damit Kinder altersgerecht sprechen, sollten Eltern viele Gelegenheiten für Gespräche suchen. Hier gibt es täglich Möglichkeiten, zum Beispiel beim gemeinsamen Essen, beim Spielen und bei Ausflügen“, sagt sie und fügt hinzu: „Eltern sollten ein gutes Sprachvorbild sein.“

Der Verband der Kinder- und Jugendärzte kommentiert die Entwicklung in Sachsen ähnlich. Es gebe Eltern, die Kleinstkinder mit Handyfilmen ruhig stellten, wird Verbandssprecher Hermann Josef Kahl in der LVZ zitiert. Viele Kinder sitzen stundenlang vor Smartphone, Tablet, PC oder Fernseher. „Wir werden meist von Eltern bedrängt, ihre Kinder zum Logopäden zu schicken. Doch wir sehen oft zuerst die Eltern in der Pflicht“, sagt Kahl.

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Ein Drittel der Erstklässler in Sachsen hat Sprachprobleme (© Getty Images)

Doch die Probleme sind nicht bloß auf die Sprachentwicklung reduzierbar. Die Einschulungstests weisen auch auf Schwierigkeiten in der Körperkoordination sowie Störungen der Visuomotorik (Verbindung des Sehens mit den Bewegungen) hin. Auch hier weisen Jungen häufiger Defizite (23 und 25,8 Prozent) als Mädchen (16,9 und 16,6 Prozent) auf.
Besonders die Visuomotorik wird von Pädagogen als sehr wichtig für das Lernen eingeschätzt.

Die Untersuchungen der Schulärzte und Schulärztinnen belegen zudem, dass jeder fünfte Erstklässler schlecht sieht, jeder Vierte nur über unzureichende Zahlenkenntnisse verfügt und jeder Sechste seine Umgebung nicht ausreichend erfassen kann.

Bei fast zehn Prozent der Einschulungskinder wurde darüber hinaus Übergewicht bis hin zu Adipositas festgestellt. Mädchen und Jungen waren hier gleich betroffen, dafür gibt es regional starke Unterschiede: In Leipzig, Dresden und Chemnitz lagen die Zahlen weit unter dem allgemeinen Sachsenschnitt. Den niedrigsten Anteil übergewichtiger Einschüler hat übirgens Dresden: Nur 5,3 Prozent der untersuchten Kinder wiesen in dieser Region Übergewicht oder gar Adipositas auf. Dagegen leben überdurchschnittlich viele dicke Kinder in den Landkreisen Mittelsachsen, Leipzig und Nordsachsen. In Nordsachsen wurde der höchste Anteil mit 13,7 Prozent übergewichtiger bis adipöser Kinder ermittelt. „Besonders wichtig ist, dass sich Kinder gesund ernähren und Spiel und Bewegung wieder zum Alltag gehören“, rät Sozialministerin Barbara Klepsch hierzu.

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