Erstes Medikament gegen Masern in Sicht

US-Wissenschaftler haben erstmals einen Wirkstoff entdeckt, der sich als Medikament gegen die Virusinfektion Masern einsetzen lasse. So bekämpfte der an Frettchen getestete Wirkstoff das Virus im Körper und sorgte nach der Behandlung für Immunität. Ein Ersatz gegen die Masern- Schutzimpfung sei der neue Wirkstoff jedoch nicht.

Erstmals besteht die Chance, Masern künftig gezielt mit einem Medikament zu behandeln. Gemäß einer neuesten Studie sei es US-Forschern aus Atlanta gelungen, einen Polymerase-Inhibitor zu entwickeln, der erfolgreich in einem in Deutschland entwickelten Tiermodell getestet werden konnte. Die Studie zeige jedoch auch, dass mit einer schnellen Resistenzentwicklung zu rechnen sei, sodass das Medikament kein Ersatz für eine Masern-Impfung sein könnte.

Ihre Studie veröffentlichten die Wissenschafter der Universität Atlanta vor kurzem in der Online-Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“ (2014; 6: 232ra52, DOI: 10.1126/scitranslmed.3008517).

Masern, eine Infektion mit sogenannten Morbilliviren kann in einigen Fällen zur schweren Hirnentzündung mit oft bleibenden Folgen führen. Im schlimmsten Fall stirbt der Betroffene an der Virusinfektion. Schutz vor der Krankheit bietet bisher nur eine mehrfache Impfung. Wie bei fast allen Virusinfektionen gibt es bisher kaum wirksame Medikamente zur Heilung.

Mutter und Kind mit Masern

Masern-Medikament in Sicht (Foto: Thinkstock)

Nun haben Wissenschaftlerin Stefanie Krumm von der Georgia State University (Atlanta) und ihre Kollegen einen Wirkstoff ausfindig gemacht und getestet, der Masern heilen könnte. In einigen Vorversuchen erwies sich das Molekül ERDRP-0519 als besonders vielversprechender Kandidat. Es konnte einen wichtigen Enzymkomplex der Morbilliviren blockieren.

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Im Tierversuch: Um die Eigenschaften von ERDRP-0519 zu testen, führten die Wissenschaftler Versuche mit Frettchen durch, die sie vorab mit dem Staupe-Erreger infizierten, einem engen Verwandten des Masernvirus, der aber zu 100 Prozent tödlich bei den Tieren verläuft. Einige Tiere erhielten dann drei Tage nach der Staupe-Infektion täglich eine Dosis des neuen Wirkstoffs für insgesamt zwei Wochen. Die Kontrollgruppe erhielt schon vor der Infektion eine einmalige Dosis von ERDRP-0519 und danach keine weitere Behandlung.

Das Ergebnis: Bei der unbehandelten Kontrollgruppe bekamen alle Tiere nach einer Woche hohes Fieber und starben nach 12 bis 15 Tagen. Die vorbeugende Einmal-Dosis mit ERDRP-0519 schwächte den Krankheitsverlauf lediglich ab und verzögerte ihn. Die anderen Tiere, die ERDRP-0519 täglich zwei Wochen lang erhielten, überlebten alle.

Heilmittel gegen Viren: Die behandelten Frettchen entwickelten keine typischen Krankheitssymptome, dafür aber hatten sich bei ihnen Antikörper gegen den Erreger stark vermehrt. Auch nach Ende der Behandlung blieb dadurch eine langanhaltende Schutzwirkung gegen die Verwandten der Masernviren bestehen.

Die Wissenschaftler halten es für wahrscheinlich, dass ERDRP-0519 auch beim Menschen funktionieren könnte und sich als effektives Heilmittel gegen Masern einsetzen lasse, da die Ansatzstellen und Wirkmechanismen die gleichen sind. Demnach könnte man bei einem Masernfall Kontaktpersonen des Patienten mit ERDRP-0519 behandeln und so verhindern, dass diese möglicherweise bereits Infizierten ebenfalls erkranken.

Jedoch deuten erste Versuche daraufhin, dass das Masernvirus allmählich Resistenzen gegen den Wirkstoff ausbilden könnte. Aus diesem Grunde sei das neue Mittel nicht als Ersatz für eine Impfung gedacht oder geeignet, sondern eine Art „zweite Waffe im Kampf um die globale Ausrottung der Masern“ konstatieren Krumm und ihre Kollegen.

Eine Zulassung als Masernmedikament ist jedoch erst nach weiteren erfolgreichen Tests möglich.

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