Entsetzen über Schlafmittel für Kinder

Unruhige Kinder mit „Zaubertropfen“ zum Schlafen bringen? Gibt es tatsächlich immer mehr Eltern, die zu solchen gefährlichen Methoden greifen?

Eine Agenturmeldung der dpa und des Senders n-tv sorgen gerade für Aufregung. „Immer mehr Eltern“ gäben ihren Kindern laut einer Einschätzung des bayerischen Gesundheitsministeriums ihren Kindern Schlafmittel. „Diesen gefährlichen Trend, den Kinderärzte und Wissenschaftler derzeit beobachten, müssen wir stoppen“, erklärt Ministerin Melanie Huml (CSU) in einem Interview des br und warnt vor „schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen für die Kinder.“ Solche Medikamente könnten zu Atemdepression und/oder -stillständen führen, ganz abgesehen von dem ethisch-sozialen Aspekt.

Erschreckende Zahlen zum Thema „Schlafmittel“ veröffentlichte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“): Im Jahr 2015 hätten laut einer Auswertung des gemeinnützigen Deutschen Arzneiprüfungsinstituts (DAPI) Ärzte rund 18.700 Beruhigungs- und Schlafmittel für Kinder bis drei Jahre verschrieben. Nicht eingerechnet sind rezeptfreie Schlaf- und Beruhigungsmittel, über die keine genauen Verkaufszahlen bekannt sind.

Was sind denn das für Eltern, die einfach ihr Kind „ruhig stellen“ – die Reaktionen sind entrüstet. Einen Rat gibt der Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BKJV) Hermann-Josef Kahl. Er erklärt, dass die Eltern den Schlaf bräuchten, nicht die Kinder. „Die Mütter müssen ihre Erschöpfung loswerden. Da empfehlen wir in der Regel den gnadenlosen Einsatz der Verwandtschaft.“

Eltern verzweifeln, wenn Kinder nicht schlafen  © Thinkstock

Eltern verzweifeln, wenn Kinder nicht schlafen © Thinkstock

Aber Verwandte sind nicht immer vor Ort und können Einsatz leisten. Harte Schlaflernprogramme, oder die „Zaubertropfen“, die die Gesundheit der Kinder gefährden lösen ebenfalls die Probleme nicht. Verzweifelten Eltern rät der bloggende Kinderarzt „Kinderdok„: „Mehr Sinn macht da ein aufklärendes Gespräch über die Physiologie nebst Anamnese des Schlafrhythmus des Säuglings oder Kleinkindes und der ganzen Familie. Wann sind Ruhephasen, wann Aktivphasen, wie erkenne ich sie?“

Was tun, wenn der Leidensdruck wirklich hoch ist? In unserem Artikel Babyschlaf lesen Sie, wie unterschiedlich die Kleinsten schlafen und wie Eltern mit einem „Schreikind“ ihrem Baby helfen können.