Blikk-Studie: Schon Kita-Kinder nutzen Smartphones täglich mehr als 30 Minuten

Übergewicht, Konzentrationsstörungen und eine schlechtere Bindung: Kinder die intensiv Medien nutzen, sind gesundheitlich gefährdet, das geht aus einer neuen Studie hervor.

Die Digitalisierung hat viele Vorteile. Aber auch Risiken. Wie gehen die Jüngsten mit den neuen Medien um? Welche Gefährdung besteht durch übermäßigen Medienkonsum? Das zeigen die Ergebnisse der Blikk-Studie.

Blikk steht für Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz, Kompetenz, Kommunikation – Kinderärzte in ganz Deutschland haben für die von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Studie rund 5500 Kinder und Jugendliche untersucht und sie und ihre Eltern zu ihrem Umgang mit den digitalen Medien befragt.

Schon die Kleinsten nutzen Smartphone ©Thinkstock

Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung stellte die Studienergebnisse vor. „Für mich ist ganz klar: Wir müssen die gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung ernst nehmen!“, erklärt sie.
Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Wenn Mütter digitale Medien nutzen, während sie ihr Baby betreuen, haben die Kinder eher Fütter- und Einschlafsstörungen.
  • 70  Prozent der Kinder im Kita-Alter benutzen das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich.
  • Bei Kindern bis zum 6. Lebensjahr, die intensiv Medien nutzen finden sich vermehrt Sprachentwicklungsstörungen sowie motorische Hyperaktivität.
  • Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 13 Jahren, die täglich mehr als eine Stunde digitale Medien nutzen, leiden häufiger unter Konzentrationsschwäche oder sind hyperaktiv. Sie trinken mehr süße Getränke, essen häufiger Süßigkeiten und haben eher Übergewicht.
  •  Kinder in jedem Alter mit hohem Medienkonsum sind eher unruhig und schnell ablenkbar.

Marlene Mortler sieht dringenden Handlungsbedarf von Schulen, Eltern, aber auch der Politik: „Kleinkinder brauchen kein Smartphone. Sie müssen erst einmal lernen, mit beiden Beinen sicher im realen Leben zu stehen. Unter dem Strich ist es höchste Zeit für mehr digitale Fürsorge.“

Die an der Studie beteiligten Ärzte und Forscher plädieren dafür, die Medienkompetenz von Eltern und Kindern gestärkt werden solle. Kritiker sehen, dass die Studie zwar die gesundheitlichen Probleme und auch die Mediennutzung dokumentiert, aber der Umgang mit den Smartphones nicht direkt für die gesundheitlichen Probleme verantwortlich ist. Die Würzburger Medienpsychologin Astrid Carolus warnt im Deutschlandfunk vor einer einseitigen Diskussion. Kinder wüchsen heute in einer digitalisierten Welt auf und müssten den richtigen Umgang mit den Geräten lernen.

„Ich habe die Kinder- und Jugendärzte ermuntert, klare Handlungsempfehlungen zu geben“, berichtet Morter. Alle müssten die gesundheitlichen Folgen der Digitalisierung ernster nehmen als bisher. Uwe Büsching vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert: „Eine Medienanamnese und eine qualifizierte Medienberatung muss zukünftig die Früherkennungsuntersuchungen ergänzen.“

Mehr Informationen zur Studie: Fact-Sheet Blikk-Studie