Berufstätigkeit der Mutter ist für Kinder gut

Mütter kämpfen oft mit Schuldgefühlen. Wie sollen sie Beruf und Familie gerecht werden? Leiden die Kinder nicht? Neue Ergebnisse von Studien können nun diese Sorgen nehmen.

Immer wieder wird darüber debattiert, wie viel Mama Kinder brauchen. Schadet es Kindern, wenn Mutter und Vater beide erwerbstätig sind? Nun hat die eher konservative Konrad-Adenauer Stiftung (KAS) ein Papier mit dem Titel „Wie viel Mutter braucht das Kind?“ veröffentlicht, das Eltern deutlich beruhigen wird.  Entwicklungspsychologin Una Röhr-Sendlmeier von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn deutsche und internationale Studien zur ausgewertet. Das Fazit der Forscher: mütterliche Berufstätigkeit hat positive Folgen für die Kinder.

Gut zu wissen, denn in den meisten deutschen Familien sind beide Eltern berufstätig. Laut dem Familienreport des Bundesfamilienministeriums von 2014  ist die Müttererwerbstätigkeit von 59 Prozent auf 67 Prozent angestiegen. Im Durchschnitt sind Mütter 19 Monate nach einer Geburt zwischen 2008 und 2010 in den Beruf zurückgekehrt und haben 24 Wochenstunden gearbeitet. Dieser Trend gelte für alle Schichten und auch für Alleinerziehende.

Berufstätige Mütter sind zufriedener - das wirkt sich auf das Kind aus (c) Thinkstock

Berufstätige Mütter sind zufriedener – das wirkt sich auf das Kind aus (c) Thinkstock

Röhr-Sendlmeier fasst sechs Punkte zusammen, die deutlich machen, was wichtig ist, wie sich die Erwerbstätigkeit positiv auf das Kind auswirkt:

1. Sichere Bindungen sind wichtig für Kinder

Kinder brauchen verlässliche Bezugspersonen, die verlässlich auf ihre Bedürfnisse eingehen. Sicher gebundene Kinder kommen besser im Kindergarten und in der Schule zurecht, sind sozial kompetenter und weniger verhaltensauffällig. Haben Kinder nicht nur eine feste Bezugsperson, also eben nicht nur die Mutter, sondern auch andere liebevolle Betreuung, erhalten sie zusätzliche Lernimpulse.

2. Stabile Bindung bleibt auch trotz Krippen- oder Kitabesuch

„Eine sichere Mutter-Kind-Beziehung wird durch einen Krippen- und Kindergartenbesuch nicht beeinträchtigt“, schreiben die Expertin der KAS. Kinder  profitieren von einer frühen institutionellen Betreuung profitieren – in Deutschland bezieht sich das vor allem auf Kinder aus bildungsfernen Haushalten. Allerdings gibt es eine Einschränkung: Das Kind sollte nicht vor dem ersten Lebensjahr in Kita oder Krippe untergebracht werden, damit die Betreuung eine positive Auswirkung auf die Kinder hat. Wichtig sei, dass die Betreuer dem Kind zugewandt sind und nicht häufig wechseln. Ein wichtiger Punkt, damit die Bindung zu den Eltern nicht leidet: die Hauptbezugspersonen sollten genügend gemeinsame Zeit bewusst mit dem Kind verbringen.

3. Bessere Schulleistungen, wenn Mama arbeitet

Die Berufstätigkeit der Mutter wirkt sich deutlich positive auf die schulischen Leistungen des Kindes aus. Kinder in begabten Klassen hätten deutlich häufiger berufstätige Mütter.  PISA-Daten zeigen, dass die Gymnasialquote der Kinder aus allen Schichten höher ist, wenn die Mutter eine Erwerbsarbeit hat. Die Gründe? Kinder erleben, dass ihre Mütter mehr Leistungsbereitschaft zeigen, zudem würden berufstätige Mütter die Leistungen ihrer Kinder mehr wertschätzen und den Nachwuchs mehr motivieren. Der Job der Mutter sorgt auch für ein höheres Einkommen und somit für mehr finanzielle Möglichkeiten, den Nachwuchs besser zu fördern..

4. Berufstätige Mütter sind zufriedener

Erwerbstätige Mütter haben durch die Arbeit mehr soziale Kontakte, mehr Unabhängigkeit durch das selbst verdiente Geld und fühlen sich weniger fremdbestimmt. Ist die Mutter weniger zu Hause, ändert sich auch die Rollenverteilung der Eltern und von einer gleichberechtigten Partnerschaft profitieren auch die Kinder. Sie haben bessere Noten,  übernehmen später selbst partnerschaftliche Aufgabenverteilung und haben eine höhere Frustrationsgrenze.

5. Schuldgefühle nicht auf die Kinder übertragen

Auch wenn die meisten Mütter arbeiten, fühlen sich viele zerrissen zwischen ihrem Anspruch als Mutter und dem als Berufstätige. Vereinbarkeit ist noch immer schwierig und ein traditionelles Rollenverständnis kann Schuldgefühle auslösen. Wer den Kindern diese Schuldgefühle und negativen Emotionen zeigt, verursacht bei den Kindern schlechte Gefühle. Röhr-Sendlmeier empfiehlt, die eigenen Schuldgefühle nicht vor den Kindern zu thematisieren. Wichtig sei auch, dass sich auch andere nicht negativ über die Berufstätigkeit der Mutter äußern. So würden die Schuldgefühle der Mutter für die Lebenszufriedenheit der Kinder keine Rolle spielen.

6. Das Engagement der Väter steigt

Auch die Rolle der Väter in der Familie ändert sich Sie nehmen aktiv an der Entwicklung ihrer Kinder teil, übernehmen Erziehungs- und Haushaltsaufgaben. Auch Väter haben Schuldgefühle. Auch für sie gilt, dass diese gegenüber dem Kind nicht thematisieren sollten. Das positive Beispiel des Vaters Beruf und Familie zu vereinbaren, gemeinsam erlebte Entspannungszeit und altersgerechte Aktivitäten mit dem Kind wirken sich positiv aus.

Una M. Röhr-Sendlmeier (Hg.): Wie viel Mutter braucht das Kind? Zur Situation berufstätiger Mütter und ihrer Kinder. Konrad-Adenauer Stiftung, 2015.

 

, , ,