Babys erlernen schon im Mutterleib Melodien – neue Studie

Babys können bereits im Mutterleib Melodien erlernen und sich noch Monate später daran erinnern, dies konnten nun finnische Wissenschaftler in ihrer neuesten Untersuchung nachweisen.

Finnische Wissenschaftler konnten nun nachweisen, dass Ungeborene im letzten Trimester der Schwangerschaft schon Melodien lernen können und diese sogar im Langzeitgedächtnis speichern. Ihre Ergebnisse haben Eino Partanen, Doktorand an der Universität Helsinki, und seine Kollegen unter dem Titel „Prenatal Music Exposure Induces Long-Term Neural Effects“ im Fachmagazin „PLoS ONE“ veröffentlicht (doi:10.1371/journal.pone.0078946).

Babys erlernen schon im Mutterleib Melodien - neue Studie (© Thinkstock)

Babys erlernen schon im Mutterleib Melodien – neue Studie (© Thinkstock)

Bereits ältere Studien ließen vermuten, dass sich Kinder an Geräusche und Musik vor ihrer Geburt erinnern können. Da zudem bekannt ist, dass ein Fötus Details einer Sprache lernen kann, wollten Eino Partanen und seine Kollegen mit ihrer neuen Untersuchung nun herausfinden, wie lange Kinder sich an solche erlernten Informationen erinnern.

Für ihre Studie konnten die Wissenschaftler vom Cognitive Brain Research Unit der Universität insgesamt 24 Schwangere gewinnen. Der Hälfte von den Studienteilnehmerinnen wurde im letzten Schwangerschaftsdrittel, d.h. ab der 29. SWS, fünfmal in der Woche eine kurze CD mit unterschiedlichen Melodien vorgespielt. Auf diese Weise hörten die Ungeborenen das US-Kinderlied „Twinkle Twinkle Little Star“ je nach Schwangerschaftsdauer zwischen 138 und 192 Mal. Die andere Hälfte werdender Mütter, die sogenannte Kontrollgruppe, diente als Vergleichsgruppe ohne regelmäßige Musikbeschallung.

Nach der Entbindung wurde die Hirnaktivität der Babys gemessen, die in ihrer Wiege schlafend mit flachen EEG-Elektroden behutsam an den Kopf geklebt, neunmal das „Twinkle“-Lied vorgespielt bekamen, und zwar mit teils leicht veränderten Noten. Dieselbe Untersuchung dann wiederholten die Wissenschaftler vier Monate später, dieses Mal im Wachzustand. Anschließend wurden die gemessenen Hirnstrommuster auf so genannte ereigniskorrelierte Potentiale (ERP) analysiert. Die ERP sind Spitzen, die vor allem bei der kognitiven Verarbeitung auftreten und ein Indiz für das Lernen von Klangmustern sind.

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Es zeigte sich, dass die Kinder der Musik-Gruppe stärkere ERPs aufwiesen, und zwar direkt nach der Geburt und im Alter von vier Monaten. Darüber hinaus schlug die ERP-Kurve umso stärker bei veränderten und unveränderten Noten aus, je öfter das Kind die Melodie im Mutterleib gehört hatte.

Die Studie belege daher, dass schon das Gehirn von Ungeborenen durch Geräusche geformt werde, die als Erinnerungen in den Neuronen verankert werden und noch Monate später abrufbar sind. Da neben Musik auch Sprache über ähnliche Mechanismen verarbeitet wird, glauben die Studienautoren, dass frühes Musikhören auch für die Sprachentwicklung förderlich sein kann.

Des Weiteren könnten ein lauter Arbeitsplatz oder unangenehme Geräusche in Frühgeborenenstationen negative Effekte auf die frühe Gehirnentwicklung haben, so die Wissenschaftler, sodass hier weitere Studien notwendig sind.

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