5-jähriger erschießt Schwester: Kampagne für schärferes Waffengesetz in USA

In den USA hat ein 5-Jähriger seine zwei Jahre alte Schwester erschossen. Während der Fall die Debatte um schärfere Waffengesetze in den USA weiter schürt, haben sich zahlreiche Mütter zu einer Anti-Waffen-Organisation zusammengeschlossen, die mit kreativen Kampagnen für eine Verschärfung der Gesetze eintritt.

„Guess which one“ fordern die bedrückend wirkenden Plakate den Leser auf. Abgebildet sind zwei Kinder, das eine hält einen harmlosen Gegenstand, wie das Buch „Rotkäppchen“ oder ein Überraschungsei, in der Hand, das andere ein Sturmgewehr. Der Betrachter soll raten, welcher Gegenstand in den USA verboten ist. Die Kampagne einer US-Mütterbewegung zeigt, wie absurd das amerikanische Gesetz desbezüglich ist. Der traurige Tod von Caroline Sparks vergangene Woche verdeutlicht zudem die Brisanz des Themas in den USA.

Waffengesetze USA

Plakatkampagne der Mütterbewegung „Moms demand action“

Caroline wohnte mit ihrer Familie in Burkesville, einem ärmlichen Ort im ländlichen Kentucky. Sie war zwei Jahre alt, als ihr 5-jähriger Bruder Kristian sie mit einem Gewehr erschoss. Die kleinkalibrige Waffe hatte er 2012 zu seinem vierten Geburtstag bekommen. In den USA ist es durchaus üblich, dass Kindern in ländlichen Gegenden früh das Schießen beigebracht wird. Allerdings ist die Crickett 22, die Kristian geschenkt bekam, eine vom Hersteller Keystone speziell für Kinder hergestellte scharfe Waffe. Sie wird unter dem Slogan „My First Rifle“ (Mein erstes Gewehr) in orange, pink und blau für umgerechnet ca. 105 Euro vertrieben. Die Sparks hatten die Waffe in einer Ecke des Wohnzimmers aufbewahrt. Ihnen sei nach eigenen Angaben nicht aufgefallen, dass sich noch eine Kugel in dem Gewehr befand. Kristian erschoss damit in einem unbeobachteten Augenblick seine Schwester. Die Gerichtsmediziner gehen davon aus, dass es sich dabei um einen Unfall handelte.

Vorerst keine Chance für schärfere Waffengesetze

Ähnliche Fälle werden immer wieder aus den USA gemeldet. Sie heizen die Diskussion um schärfere Waffengesetze weiter an, die seit dem letzten Amoklauf im Dezember 2012 erneut aufgeflammt ist. Damals erschoss ein 20-jähriger in einer Schule in Newtown im Bundesstaat Connecticut 20 Kinder und sieben Erwachsene. Präsident Obama versucht seitdem ein schärferes Waffengesetz durchzubringen. Der Entwurf ist allerdings vor zwei Wochen im Kongress gescheitert.

Mütterbewegung gegen Waffen

Aber nicht nur der US-Präsident setzt sich für neue Waffengesetze ein. Seit Dezember 2012 machen sich auch amerikanische Mütter dafür stark. Nach dem Amoklauf von Newtown gründete die fünffache Mutter Shannon Watts „Moms Demand Action“ (MDA). Was als eine Facebookseite begann, entwickelte sich schnell zu einer richtigen Bewegung. Ziel der Mütter ist es nicht, Waffen in den USA generell verbieten zu lassen. Sie fordern aber härtere Gesetze. Unter anderem sollen Sturmwaffen und Munitionsmagazine mit mehr als zehn Schuss  verboten werden. Bei jedem Waffen- und Munitionskauf sollen sogenannte Background-Checks durchgeführt werden.

Seit März erregt MDA mit der Plakatkampagne große Aufmerksamkeit. Aber auch sonst gibt sich die Initiative rund um Gründerin und ehemalige PR-Fachfrau Watts alle Mühe, ihrem Anliegen Gehör zu verschaffen. Dazu organisiert sie Aktionen über soziale Netzwerke, beteiligt sich an Demonstrationen oder fordert Frauen dazu auf, mit Kinderwagen die Büros von Politikern zu belagern.