Streitthema: Ich will nur ein Kind

Eine Mutter erzählt, was ihr eigentlich wunderbares Leben belastet: Der Streit um ein zweites Kind. Ist sie wirklich eine Egoistin oder ist es verständlich, dass sie kein Kind mehr möchte? Wer kennt diese Debatte?

Maria* (32) ist Mutter eines zweijährigen Sohnes. Für die liliput-lounge.de Rubrik „Rabeneltern“ beschreibt sie offen, was ihr eigentlich glückliches Leben belastet:
 

„Ich liebe es mit meinen beiden Männern. Stundenlang können wir drei, mein Mann Jan und mein Sohn Finn und ich im Bett liegen. Wir lesen Geschichten, machen Quatsch und Kuscheln. Es ist herrlich, dass Finn bald drei wird, er spricht schon richtig viel und neugierig, witzig und einfach klasse. Ein Leben ohne mein Kind könnte ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen.

Unser Alltag ist wunderbar geregelt. Finn besucht seit einem halben Jahr einen tollen Kindergarten, er liebt seine Erzieherinnen, hat nette Freunde gefunden und hat schon wieder einen riesigen Entwicklungsschritt gemacht. Besonders viel Wert wird im Kindi auf den kreativen Bereich gelegt, auch das gefällt uns Eltern. Weniger schön sind allerdings die Betreuungszeiten. Nach dem Mittagessen um 14 Uhr müssen die Kinder abgeholt werden. Und einen anderen Platz haben wir leider nicht gefunden in einer Einrichtung, die uns gefällt.

Ich arbeite als Beraterin in einer PR-Agentur, zur Zeit allerdings mit nur 30 Stunden. Mein Job ist mir wirklich wichtig und mag es, wenn spannende Kunden-Aufgaben auf mich warten. Meine Firma schätzt mich auch sehr und so kann ich oft auch von zu Hause aus arbeiten. Dank einer lieben Freundin mit einem gleichaltrigen Kind, das auch noch im gleichen Kindergarten wie Finn ist, konnte ich das alles gut organisieren. An einem Tag in der Woche hole ich Finn aus dem Kindergarten, an einem Tag die Oma, dann geht er mit meiner Freundin mit und an den anderen Tagen kümmert sich der Papa. Hört sich jetzt kompliziert an, aber im Alltag hat sich das prima eingependelt.

Wir haben ein niedliches kleines Reihenhaus am Stadtrand, der Kindergarten ist nicht weit weg, meine Mutter ist noch so fit, dass sie auch oft einspringen kann, sodass Jan und ich auch einmal in der Woche einen schönen Paarabend ohne Kind verbringen können.

Am Wochenende machen wir drei viele Ausflüge, waren im Sommer oft am Badesee oder haben Freunde besucht. Ein richtig gutes Team sind wir, wir lachen, machen gemeinsam Quatsch, singen Lieder und in diesem Jahr haben wir sogar zwei Mal spontane Übernachtungen im Zelt gemacht. Finn ist nun alt genug, daran auch richtig Spaß zu haben. Jetzt freue ich mich riesig auf die diesjährige Adventszeit, denn nun wird er da richtig aktiv werden, mit mir Plätzchen backen und dem Weihnachtsmann entgegen fiebern. Mein Leben ist toll.

Doch leider ist da dieser ständige Streit – der immer schlimmer wird

Schon vor 18 Monaten fing mein Mann mit kleinen Bemerkungen an. „Finn ist so ein Prachtexemplar. Davon kann es nicht genug geben. Wie wäre es mit einer zweiten Ausgabe?“ Darauf ging ich gar nicht weiter ein. Dann kam „Komm mein Schatz, ich hätte Lust noch ein Baby zu machen!“ Blöde Art von Vorspiel, auch das habe ich nicht weiter kommentiert.

Doch dann wurde Jan direkter. „Jetzt wäre doch der ideale Zeitpunkt für das zweite Kind. Die könnten dann herrlich miteinander spielen.“ Ich fragte Jan, wie er sich das denn vorstellen würde. Zwei kleine Kinder? Sollte einer von uns etwa den Job aufgeben? Ich war ja gerade erst wieder eingestiegen. „Ach, das wird sich schon alles ergeben. Komm kuscheln.“ Das waren seine Worte. Dann sprachen wir lange nicht mehr über das Thema.

Das war ein Fehler. Denn tatsächlich glaubte mein Mann, das es eben „nur noch nicht klappt“. Ich hingegen war sicher, dass, der Zeitpunkt falsch war. Ich nahm wieder die Pille.

Ich will nur ein Kind

Foto: iStockphoto

Letzten Monat kam meine Freundin mit ihrer neugeborenen Tochter zu Besuch. Jan zerschmolz beinah, mochte die Kleine kaum aus dem Arm nehmen und war danach ganz rühselig. Mir ging es anders. Ich sah die Augenringe meiner Freundin. Dachte daran, wie schwierig die ersten Monate mit Finn gewesen waren. Und mir wurde klar, dass ich wirklich gar nichts vermisste. Wie könnte ich denn Finn gerecht werden, wenn ich gleichzeitig so ein schreiendes Bündel versorgen müsste? Was, wenn das zweite Kind krank wäre, wie würde es dann meinem Sohn gehen? Würde er sich nicht furchtbar ausgegrenzt fühlen? Und unser eingespieltes Dreamteam würde es so nicht mehr geben. Keine Campingsausflüge mehr. Keine Vorlesen im Bett. Wieder Stillen, Breiflecke, Windeln, kein Schlaf – und dazu noch ein verstörter Dreijähriger? Mir wurde klar, dass es mir nicht um den Zeitpunkt geht. Ich will überhaupt gar kein zweites Kind. Nicht jetzt und auch nicht später.

Ich mag mein Leben. Alles ist wunderbar eingespielt. Genauso wie es ist, ist es gut. Mit diesen Worten habe ich es auch versucht meinem Mann zu erklären. Zunächst war er ganz ungewohnt still. „Ich wünsche mir aber noch ein Kind. Es wäre doch auch für Finn gut, ein Geschwisterchen zu haben“, sagte er. Ich schwieg. Hatte Jan noch nie gehört, dass sich Geschwister eben nicht immer lieben? Er selbst ist ja Einzelkind. Dass ich keine enge Beziehung zu meiner Schwester habe, weiß er eigentlich. „Denk noch einmal darüber nach“, meinte er.

Zerbricht mein wunderbares Leben wegen des zweiten Kindes?

Vor ein paar Tagen konnte ich mich nicht mehr. Ich musste meinem Mann einfach die Wahrheit sagen. Es war schrecklich. Als ich ganz deutlich sagte, dass ich wirklich kein Kind mehr möchte, fing er an zu weinen. Und dann zu fluchen. Er versuchte noch einmal mir zu erklären, dass es doch für Finn schön sei. „Aber für mich wird das nicht schön. Ich kann und will das nicht nicht noch mal mitmachen“, sagte ich. Ich erklärte, dass ich Angst hätte, dass unser Leben kaputt gehen könne mit einem zweiten Kind. Doch Jan verstand mich nicht. Er meinte, ich sei eine Egoistin. Ich wolle nur nicht für die Familie zurückstecken.

Seitdem haben wir nicht mehr viel gesprochen. Jan war am letzten Wochenende auf Dienstreise. Ich lag allein mit Finn im Bett und war unglücklich. Noch nie hatten Jan und ich so aneinander vorbeigesprochen. Er versteht meine Ängste und Befürchtungen wirklich nicht. Dabei gibt es so viele Argumente, die gegen ein weiteres Kind sprechen. Auch finanzielle, denn ohne meinen Job wäre es schwer, das Haus zu finanzieren. Und überhaupt – reicht es nicht, dass ich einfach nicht möchte und auch denke, dass Finn leiden würde? Meine Befürchtung, dass ein zweites Kind für das Zerbrechen der Familie sorgen könnte, scheint wahr zu werden. Schon der Streit darum ist ja schon so traurig, dass ich manchmal um unsere Ehe fürchte.

Wie soll es weiter gehen? Ich will und kann nicht „Ja“ zu noch einem Kind sagen. Doch mein „Nein“ kann mein Mann nicht akzeptieren und verstehen. Was soll ich nur machen? Meine Freundin riet mir, meinem Mann einfach zu verschweigen, dass ich verhüte. Aber dann würde unser Leben auf einer Lüge aufgebaut sein. Hat jemand einen besseren Rat? Geht es anderen Frauen ähnlich wie mir?“

* Namen von der Redaktion geändert

Dieser Text stammt aus der Rubrik “Rabeneltern”. Mama und Papa können dort anonym bekennen, was sie alles nicht so machen wie im Lehrbuch. Wir freuen uns auch über Ihre auch über Ihre Elternerlebnisse, die gern an redaktion@lilliput-lounge.de eingesendet werden können.

Wer Maria einen Rat geben möchte, kann dies gern in einem Kommentar tun!

 

 

  • Hanna

    Hallo,
    ich habe leider auch keinen Rat, hier bei uns ist es auch so, dass mein Mann sich noch ein Kind wünscht, ich mir mein Leben inzwischen mit einem Kind sehr gut vorstellen kann.
    (Ich müßte für ein zweites Kind eine Kinderwunschbehandlung durchführen lassen, was ich nicht will.)
    Schreibst Du, wie Ihr die Situation gelöst habt?
    Ich merke bei uns, dass hier zwei unterschiedliche Lebensentwürfe aufeinanderknallen und wir verschieben das Thema immer wieder.
    Allerdings finde ich, dass es auch eine Absage an die Familienfähigkeit der Partnerschaft ist, wenn ein Paar kein oder nur ein Kind haben will.
    Doch ich finde, wenn ein Elternteil kein weiteres Kind haben will, sollte dies vom anderen Elternteil akzeptiert werden. Ich sehe im Bekanntenkreis, wie ein Vater mit einem ungewollten Kind umgeht – so gut wie gar nicht. Das ist für das Kind nicht gut.
    Also, wie geht es Dir inzwischen? Hat sich bei Dir die Situation geändert?

  • AR

    Hallo,

    eigentlich kann ich aus meiner Position heraus nicht wirklich einen Rat geben, möchte es aber gern versuchen. Ich muss dazu sagen, dass ich mir selber ein oder auch ein zwei Kinder wünsche. Ich bin momentan in einer Beziehung mit einem Mann, der bereits zwei Kinder hat und darauf bestanden hat keins mehr zu wollen.

    Ich finde es gut, dass Du Dich darauf besinnst, was Du bei dem Gedanken an ein zweites Kind empfindest und solltest Dich dem Drängen Deines Mannes nicht hingeben, wenn Du so starke Warnsignale hast! Das zweite Kind und eure Beziehung würden nur darunter leiden, wenn es nur auf das Drängen Deines Partners hin auf die Welt käme. Ich persönlich halte auch nicht viel davon Kinder zu kurz hintereinander zu bekommen…klar sie können miteinander spielen – ja, aber sie streiten auch sehr viel und man hat auch weniger Zeit für das einzelne. Andererseits ist es schön Geschwister zu haben und kein Kind wird wie das andere, jedes ist ein Geschenk für sich! Ich würde Dir den Tipp geben zu warten und in Dich reinzufühlen. Dein Partner sollte versuchen Dich dabei zu unterstützen, finde ich, zumindest etwas mehr Zeit sollte er Dir doch geben…wenn die Fronten zu sehr verhärtet sind ist es natürlich schwierig sich zu einigen. Versuch nochmal mit ihm darüber zu reden, besonders die finanzielle Situation sollte auf jeden Fall stimmen, bevor ein zweites Kind in Planung ist, ich denke das muss er auch einsehen! Somit könntest Du zumindest etwas mehr Zeit auch für Dich und Finn gewinnen.

    Und nun gibt es natürlich zwei Dinge, die während dieser Zeit passieren könnten:

    1. Auch wenn Du das vielleicht nicht hören möchtest: Es könnte durchaus sein, dass sich Deine Meinung doch noch einmal ändert, auch wenn Du Dir das jetzt gerade nicht vorstellen kannst. Konntest Du Dir denn vor der Geburt von Finn, als Du noch mitten in einer Ausbildung gesteckt hast vorstellen einmal schwanger zu werden? Als Du Dich dazu entschlossen hast Finn zu bekommen, brauchte dieser Schritt ja auch etwas Mut…und wer weiß, was kommt wenn Finn erst etwas älter und selbstständiger geworden ist. Vielleicht kommt ja noch einmal der richtige Moment. Ich würde mir an Deiner Stelle etwas mehr Zeit geben und Dein Leben versuchen zu genießen. Versuch nochmal auch Deinen Partner davon zu überzeugen, dass er Dich nicht zu sehr drängt.

    2. Dann kann es natürlich sein, dass sich Deine Meinung nicht ändert, nicht jetzt, nicht in zwei Jahren und auch nicht in fünf oder zehn. In diesem Fall solltest Du Dich auch nicht überreden lassen, sondern Deinem Partner zu zeigen, wieviel Glück ihr bereits besitzt und auf sein Verständnis hoffen.

    Ich würde mich allgemein versuchen nicht zu versteifen, sondern versuchen mich auch auf die Vorstellung eines zweiten Kindes einzulassen. Versuche Dir nicht nur die negativen Dinge, sondern auch die guten bewusst zu machen und zu verstehen, warum Dein Mann gerne noch ein zweites Kind möchte. Die Entscheidung dafür oder dagegen, kann Dir leider niemand abnehmen. Du kannst nur auf das Verständnis seitens Deines Partners zu hoffen und versuchen Dich mit ihm zu einigen, ob ihr nun noch etwas wartet oder euch ggf. auch trennt. Aber ich denke dass sollte in einer stabilen Partnerschaft die letzte Option sein, schon allein zum Wohle von Finn.

    Alles Gute von mir!

    • Tina

      Sorry, aber der Mann ist doch der Egoist!!!! Die Mutter hat berechtigte Befürchtungen und es ist verständlich, dass ihr das Angst macht!! Soll er doch beruflich erstmal zurüchstecken, den Säugling pflegen und das Kleinkind bei Laune halten, er kann ja auch Elternzeit nehmen wenn er unbedingt auf ein 2tes Kind besteht! Dann hat Sie Zeit sich beruflich aufzubauen! Er versteht sie nicht weil er ihr die Hauptarbeit aufdrücken will und nur das süsse Baby sieht. Mal sehen wie wichtig das 2 te Kind wär wenn sie darauf besteht dass er dann mal den Löwenanteil übernimmt !!!!

      • Fran Cine

        Das denke ich auch. Da braucht man nicht mehr von der Situation zu wissen. Wenn er weiterhin arbeiten konnte und sie die Erziehung erstmal voll und dann (30h Arbeit) zum Teil allein tragen musste (ganz egal ob er geholfen hat, sein Arbeitsmodel konnte weitergehen) dann wird es ihre Hauptaufgabe. Ich würde auch kein zweites bekommen. Daran würde ich zerbrechen. Ich kann das gut verstehen!
        LG

  • L.

    Hallo,
    Auch ich , möchte dir ein paar zeilen schreiben. Auch wenn du das Problem vielleicht schon lange gelöst hast. Ich habe 2 Kinder. Zwei Jungs. Ich erwarte ungeplant mein 3.Kind. alle 3 sind von meinem mann, mit dem ich sehr glücklich bin.
    Ich möchte dir sagen dass ich deine einstellung absolut verstehen kann. Mein großer ist 2 1/2. Mein kleiner ist 15 monate alt. Der große ist oft überfordert mit der situation…und ich habe große angst dass es mit dem dritten schlimmer wird.
    Es liegt an mir als mutter darauf zu achten dass er nicht daran zerbricht. Angst habe ich trotzdem. Eine abtreibung würde für mich nicht in frage kommen. Der kleine ist sehr ausgeglichen, der große seit der Geburt des kleinen eher das gegenteil.
    Ich Liebe meine kinder sehr, auch das ungeborene. Aber es ist schwer mit den kindern.

    Du hast das recht darauf darüber zu entscheiden ob noch ein kind kommt oder nicht. Wie solltest du eine schwangerschaft durchstehen, wenn das Ergebnis nicht das ist was dich erfüllt. Es ist dein Körper. Er muss es einfach verstehen. Ich verstehe die sorge um deinen sohn absolut und 100 prozentig!

    Ich wünsche dir alles gute für dich und deine Familie!
    Bleib stark!

    L.

    • http://derblaueritter.de/author/catscouch/ Cathy Cat

      Hallo Maria,

      habt ihr schonmal in Erwägung gezogen, dass dein Mann bei einem weiteren Kind die volle Elternzeit übernimmt? Ich frage mich eh, warum auch heute immer noch die Frau zurückstecken soll und als „Egoistin“ gilt, wenn sie es nicht tut. Außerdem: Es ist dein Körper. Solange Männer keine Kinder kriegen können, werden Schwangerschaft und Geburt immer an uns Frauen hängenbleiben, also haben wir da die endgültige Entscheidung. Kannst du ihm als „Bedingung“ stellen, dass er dieses Mal beruflich zurücksteckt? Bei manchen Männern legt das einen Schalter um.

      Womöglich habt ihr die Situation schon so oder so gelöst. Ich war übrigens bei meiner Tochter auch sehr skeptisch, als ich von der Schwangerschaft erfuhr. Und mein AG hat mir glatt nach dem Volontariat dann den Vertrag nicht entfristet, ein ziemlich harter Schlag. Bei uns nimmt mein Mann Elternteilzeit, ich bin seit September wieder auf Jobsuche. Allerdings bisher erfolglos, da die Medienbranche ja nicht gerade durch Stabilität und Familienfreundlichkeit zu glänzen scheint … Denke also, deine Sorgen, was ein zweites Kind beruflich für dich bedeutet, sind durchaus berechtigt. VlG Cat

      • Sylvia

        Mein Mann wollte drei Kinder, ich 100 Prozent nur Eins ! Es blieb bei einem Kind und ich bin bis heute sehr glücklich. Er heiratet nochmals und bekam weitere Kinder mit denen er völlig überfordert war. Jeder hat eben seinen Lebensplan !