Mein Sohn liebt rosa!

Das T-Shirt ein Traum in pink, dazu eine zartrosa Hose und glitzernde Ketten. Mein Kind hat sich wunderschön angezogen und zeigt der Oma stolz das schicke Outfit. Die ist entsetzt. “Was macht ihr mit dem Jungen? Wollt Ihr, dass er einer vom anderen Ufer wird?” Ich war sprachlos…

Jonas ist ein zarter Junge. Er hat blonde Locken, schöne blaue Augen – und meistens rosa Kleidung an. Dabei fand ich Prinzessin Lilifee und ihre Glitzerfreundinnen schon bei meiner Tochter so anstrengend. Nun habe ich eine sechsjährige Tochter die überall Pferde abgedruckt sehen will – und einen vierjährigen Sohn, der Glitzer, rosa und pink über alles liebt.
Als Jonas zwei Jahre alt war, liebte Anna Prinzessinnen und alles was da zu gehört. Der kleine Bruder stand bewundernd daneben, wenn Anna sich mit Kleidern fein machte. “Ich auch ein Kleid,” sagte er dann. Sich mit einem Hemd schick zu machen fand er langweilig. Natürlich durfte er auch Annas Ketten ausleihen und bekam Nagellack auf die kleinen Zehen. Ich konnte seinen traurigen Augen einfach nicht mehr sehen und mochte ihn nicht ausgrenzen.
Junge mit Rosa Kleidung

Rosa für Jungen (Andreas Fitz / Panthermedia)

Mein Mann spielt mit beiden Kindern Ball und beide spielen auch gern mit Autos. Aber Jonas hat seit seinem dritten Geburtstag eine Lieblingsfarbe, die er eisern verteidigt. Auch als Kindergartenkind will er nur rosa tragen. Nicht etwa die abgelegten Sachen seiner Schwester (notfalls auch die), immer wenn ich mit ihm einkaufen gehe, schleppt er die schrillsten Sachen an. Und weigert sich, etwas anderes anzuziehen.
Ich habe die Erzieherin im Kindergarten gefragt, ob Jonas manchmal geärgert wird. Nein, sagt die. Er würde einfach alle Kritik völlig ignorieren und wäre eh bei allen Kindern total beliebt, weil er einfach so gerne Rollenspiele machen würde und immer Ideen hätte.
Ich habe mich damit abgefunden –  unser Sohn ist ein Prinz Lilifee. Während meine Mutter das ganz gelassen sieht, ist meine Schwiegermutter voller Panik. Als sie extra aus Schweinfurt zu uns nach Hannover angereist war, hatte mein Sohn sich für sie besonders schön gemacht. Mit einem pinkfarbenen T-shirt und einer roséfarbenen Hose und einer glitzernden Kette. Die Oma war entsetzt: “Was macht ihr mit dem Jungen?” fragte sie. “Ihr wollt doch nicht, dass der einer vom andren Ufer wird?” Ich war sprachlos. Und Jonas verstand keine Wort.”Ich will kein Seemann werden, Oma. Ich werde mal Frisör.” Vorwurfsvoller Räuspern der Oma, mit wissendem Blick. Dann flüstert sie mir ins Ohr. “Der wird wirklich schwul. Vielleicht ist er es schon.”
Wenn die wüsste, dass mein Mann, die Kinder und ich im Herbst auf eine Hochzeit eingeladen sind. Bei Michael und Nils. Ich finde den Gedanken gar nicht so schrecklich, dass mein Sohn homosexuell werden könnte. Hauptsache er ist glücklich. Aber an den rosa Klamotten wird es kaum liegen. Die sind bestimmt nur eine Phase. Und ich bewundere Jonas, der so selbstbewusst seinen eigenen Weg geht, der unendlich kreativ ist und sich als kleiner Bruder souverän durchsetzen kann.
Puppen mag er übrigens gar nicht. Bestätigt das Omas Theorie und ich muss alle Hoffnung auf meine Tochter setzten, um auch mal Großmutter zu werden? Oder zeigt das, dass Jonas ein ganz normaler kleiner Junge ist, der einfach weiß was er will – und was er nicht will?
*Namen von der Redaktion geändert
Dieser Text stammt aus der Rubrik “Rabeneltern”. Mama und Papa können dort anonym bekennen, was sie alles nicht so machen wie im Lehrbuch….
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  • Lunamou

    Ich beglückwünsche dich herzlich dazu das du deinen Sohn seinen Weg selbst wählen lässt. Ich finde nichts schlimmer als sterile Klischees ala “Rosa ist nur für Mädchen da” – Ich hab im übrigen auch Tochter und Sohn aber noch ist der Kleine mit seinen 5 Monaten zu klein um selbst zu entscheiden.