Radfahren mit Kind – ein wahres Abenteuer!

Unterwegs mit kleinen Kindern – ohne Auto – da ist das Radfahren eine wunderbare Alternative, oder? Aber Touren auf zwei Rädern mit Nachwuchs sind gar nicht so einfach. Vor allem nicht mit zwei kleinen Kindern. Eine vermeintlich kleine Tour wird schnell zum Eltern- Survivaltraining. Ein sehr persönlicher Erfahrungsbericht.

Wer in einer Großstadt lebt, der braucht kein Auto, um mobil zu sein. Urbane kinderlose Erwachsene kommen mit dem öffentlichen Nahverkehr und dem Rad wunderbar aus. Doch mit Kindern?

In den ersten Jahren mit meinen zwei kleinen Kindern war ich vor allem mit Kinderwagen und Buggy Board unterwegs. Denn wie bitte sollte ich zwei kleine Kinder auf einem Rad transportieren? Doch da mich das Busfahren immer mehr nervte, musste eine Lösung her. Ich wollte mobiler werden!

Mit Baby und Kind auf dem Fahrrad

Mobil mit Kindern auf dem Fahrrad (Bild: Thinkstock)

Mobile Eltern, die Rad mit Nachwuchs fahren wollen, haben die Qual der Wahl

Welche Alternativen gab es? Ein Fahrradanhänger für die Kinder? Prima Idee, dachte ich. Doch wohin damit, wenn er nicht in Benutzung ist? Der Keller war überfüllt. Und gute Anhänger mit TÜV-Siegel sind nicht gerade kostengünstig. Zudem wäre es ein gewisser Nervenkitzel, sich jeden Morgen zu fragen, ob das gute Stück noch immer sicher vor dem Haus angekettet ist, also haben wir darauf verzichtet.

Das Abenteuer begann – mit dem ersten Familienradausflug

Ein Kindersitz für das Rad musste her. Wir kauften also zwei Römer Kindersitze, sodass der Familienausflug ins Grüne losgehen konnte.

Die Kinder waren damals zwei und drei Jahre alt, natürlich hatten wir ihnen schicke Helme besorgt. Blöd nur, dass ich nicht bedacht hatte, dass ein Helm für einen Fahrradsitz hinten flach sein muss. Der arme Sohn konnte nur noch wahlweise nach rechts oder links gucken – und die Blickrichtung konnte während der Fahrt nicht gewechselt werden. Tränen waren vorprogrammiert. So machte das Radfahren keinen Spaß.

Töchterchen hingegen verweigerte das Festschnallen der Füße. Auch nicht ideal, denn während der Fahrt bangte ich darum, dass das Schuhwerk nebst Kinderfüßchen sich in den Speichen verheddert.

Wir hatten auch nicht bedacht, dass die Gepäckträger ja nun voller Kinder waren – und wir keine Fahrradkörbe für vorne hatten. Also kein Proviant. Und keine Wickeltasche. Ein verhängnisvoller Fehler, der die Radtour arg abkürzte und dazu führte, dass die Waschmaschinentauglichkeit des Sitzpolsters gleich getestet werden durfte.

Doch die nächsten gemeinsamen Ausflüge, nach dem Kauf von neuem flachem Fahrradhelm, Körben für den Lenker und der Entdeckung, dass Rucksäcke hinten am Kindersitz angebaumelt werden können, fielen entspannter aus.

Begegnungen der etwas anderen Art

Meine neue Freiheit teste ich mutig auch nur mit einem Kind aus. Und merkte schnell, welch verbotene kleine Abenteuer auf mich warteten. Auf den Helm für das Kind beharrte ich, für mich selbst verzichtete ich darauf. Prompt wurden wir von einem Dackel aus der Bahn geworfen. Der hatte scheinbar mein Rad für einen Angreifer gehalten, und da bellen nicht half, wollte er uns wegbeißen. Doch mit einem Kind von gut 15 Kilogramm auf dem Sattel ist ein Rad wesentlich weniger wendig. Und glatt lagen mein Sohn und ich neben dem Fahrradweg. Wie gut, dass der Kleine den Helm aufhatte. Ich hatte eine aufgerissene Hose, eine Mordswut auf die Hundebesitzerin und war unendlich erleichtert, dass dem Kind nichts passiert war.

Beim Radfahren lernt man nicht nur Hundebesitzer kennen, nein auch viele Gutmenschen: „Achtung, ihr Kind schläft mit hängendem Kopf“. Tatsächlich habe ich sogar ein kleines Kissen in Hörnchenform gekauft, aber das wurde hartnäckig boykottiert. Meist bohrte das Kind im Sitz eh den Kopf in meinen Rücken, wenn es beim Fahren ein Nickerchen machte.

Doch das Problem im Alltag, nämlich zwei Kinder und nur ein erwachsener Radfahrer, war nicht gelöst. Es blieben zwei Möglichkeiten: der älteren Tochter rasch das Fahren auf dem eigenen Rad beizubringen, oder einen Sitz für den Lenker zu kaufen. Ich wollte beides! Denn ich bewunderte eine Kindergartenmutter, die souverän mit zwei Sitzen am Rad täglich an mir vorbei fuhr. Ein Rad mit Mama und fast 40 Kilo Kind (zwei Kindergartenkinder) zu bewegen – das gibt Muckis. Nach der Hundegeschichte fürchtete ich allerdings um meinen Kreislauf. Ein bisschen zuviel Überlebenskampf, oder?

Ich ergatterte dank einer Freundin einen Sitz für vorne – der eigentlich gar nicht mehr zugelassen war. Zwei Sitze jedenfalls sollten nicht auf ein Rad, das weiß ich nun. Ich habe es nämlich probiert. Es ging. Für eine kurze Zeit. Denn die Kinder mussten sehr still sitzen, sonst drohte das Rad arg zu wackeln. Das sorgte für ein wenig Herzrasen bei mir. Tatsächlich habe ich später herausgefunden, dass es eine belgische Firma gibt, die einst so ein Rad mit zwei Sitzen vertrieb. Auch in Holland soll das Fahren mit zwei Kindern üblich sein – doch EU-Normen verbieten heute eindeutig die Produktion. Ein Grund: die Gefahr, dass kleine Kinder sich vorne in den Speichen verheddern, ist gegeben und das Unfallrisiko hoch. Also mehr als abenteuerlich, und ehrlich gesagt, äußerst riskant.

Unsere Lösung? Den Kindern frühzeitig selbst das Fahrrad fahren beizubringen. Sehr aufregend. Und ein Thema für sich. Wenn Kinder sich eigenständig im Verkehr bewegen, regt das den elterlichen Kreislauf nämlich reichlich an und strapaziert enorm die Nerven!

Ultimativer Kick gesucht? So machen es andere Eltern

Es gibt natürlich Eltern, die das Thema Rad und Kinder anders lösen. Einige mutige fahren Tandem mit ihrem Nachwuchs, das ist abenteuerlich, da die angehängten Räder oft reichlich wackeln. Und Schlappmachen gilt für Kinder dann auch nicht.

Vor ein paar Jahren ging die Geschichte einer Mutter durch die Presse, die darauf bestand, auf ihrem Rad ein Statement für die Persönlichkeitsrechte abzugeben. Das 18 Monate alte Mädchen wollte sich nicht anziehen. Das akzeptierte die Mutter und fuhr mit dem nackten Kind durch München. Dabei war es nur 11° Grad warm. Nun bleibt offen, ob die Mutter tatsächlich eine Demo machen wollte, dem Trotzkopf eine Lektion erteilen oder einfach ein Fahrradabenteuer suchte. Die Beamten zeigten die Mutter an. Also bitte nicht nachmachen!

Sehr interessant ist es übrigens, mal die Suchmaschinen mit den Begriffen „child“, „transport“ und „bike“ zu füttern. Weltweit gibt es reichlich interessante Lösungen für das Problem des Kindertransportes. Und die meisten muten extrem abenteuerlich an.

Christiania Bike Lastenfahrrad

Christiania – Kult-Bike aus Dänemark (mit freundlicher Genehmigung: Christiania Bikes)

Ganz sicher für Kinder ist übrigens die dänische Lösung des Christiana Bikes. Und damit verrate ich meinen heimlichen Traum, der ab ca. 1800 EUR auch bei uns zu haben ist.

Mehr Infos:

Sicheres Radfahren mit Kindern beim ADFC
Christiania Bikes

Nun sind wir gespannt, welche Rad-Lösungen die liliput-lounge Leserinnen und Leser bevorzugen und welche Abenteuer sie erlebt haben…

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  • Patricia

    Sehr toll geschrieben!! Ich hab wirklich einige Male laut lachen müssen!!!
    Was mir beim Lesen wirklich selten passiert! Man kann sich richtig mit rein versetzen