Besser leben: die eigene Leistung nicht kleinreden

„Nur“ hat nur drei Buchstaben. Wir meinen: Mütter und Väter sollten dieses Wort meiden, wenn sie sich das Leben leichter machen wollen, denn Sprache beeinflusst uns viel mehr, als wir denken! Ein sehr persönlicher Appell aus der Redaktion.

Einige Worte in der deutschen Sprache bestehen nur aus drei Buchstaben. Wer einen Hundwelpen hat, wird vermutlich ziemlich oft „Aus“ sagen müssen. Und Eltern? Die sagen zwar öfter „Aua“, aber vor allem gibt es ein Wort, das sie sehr oft sagen und unbedingt aus ihrem aktiven Wortschatz streichen sollten.  Und zwar auf jeden Fall. Möglichst nie wieder verwenden! Gemeint ist nicht das Wort Sex, auch wenn einige frischgebackene Eltern sich sowieso nur nach vage daran erinnern, was doch noch einmal war. Es gibt sicher einige Worte, die Eltern das Leben schwer machen. Aber nur ein Wort nervt so sehr wie das Wort „nur“.

Nur kein "nur" (© Thinkstock)

Nur kein „nur“ (© Thinkstock)

Warum nur macht das Wort „nur „uns das Leben so schwer?

Es beginnt schon in der Schwangerschaft. „Du bist doch nicht krank, sondern nur schwanger.“ Ein solcher Satz ist selten freundlich gemeint. Er klingt wie: Stell dich doch nicht so an, jede Kuh ist ja auch gelegentlich trächtig. Mit dem Wort nur wird die Schwangerschaft abgewertet, wer wirklich gerade unter Schwangerschaftsbeschwerden leidet, fühlt sich unverstanden und ungerecht behandelt.

Später im Geburtsvorbereitungskurs wird angehenden Eltern mit dem Wort auch gern ein schlechtes Gewissen eingeredet. „Ich will nur eine natürliche Geburt, ein Kaiserschnitt ist undenkbar“, „Ein Baby sollte nur Muttermilch bekommen.“ Natürlich ist Mutttermilch das beste für einen Säugling, aber dürfen Frauen, die aus bestimmten Gründen nicht stillen können, mit so einem winzigen Wort abgewertet werden? Das gleiche gilt für Kaiserschnittmütter, durch das nur wird betont, dass dies vaginale Geburt das einzig Wahre sei. Doch das ist sie eben nicht immer.

Ist das Kind erst da, machen sich Eltern das Leben unnötig schwer

Kaum ist das Baby geboren, machen sich Eltern mit seiner Hilfe unnötig das Leben schwer. „ Ich will nur schnell das Baby füttern und dann komme ich…“ Wieso nur füttern? Ist das Stillen nicht wichtig? Die eigene Handlung wird damit klar runtergemacht. Warum? Vor allem aber wird dieses „nur“ im Zusammenhang mit dem Kind gefährlich.

Denn wenn es zur Gewohnheit wird, immer „nur“ zu denken bei den eigenen Handlungen, ist man in Gedanken immer einen Schritt weiter. Und zeigt sich und anderen damit, dass man alles irgendwie mal eben schnell macht. Kleines Beispiel gewünscht? „Ich muss nur noch die Wäsche aufhängen, dann gehe ich mit dem Baby spazieren.“ Viel schlimmer ist, dass mit dem Wort „nur“ auch gleich eine Art innerliche „To-do“ Liste verbunden wird. Nur noch schnell einkaufen, nur bisschen kochen und dann… ja was dann? Dieses kleine Wort sorgt dafür, dass die Aufgabe doch eigentlich rasch zu erledigen ist. Und nicht so wichtig.

Für Kinder kann das Wort „nur“ auch bedenklich werden. Und zwar dann, wenn sie es häufig von den Eltern hören. „Ich sauge hier nur noch, dann spielen wir.“ Geht das Saugen schneller dank der drei Buchstaben? Nein, aber es klingt so. Zumindest für Kinderohren. Wenn Papa aber dann doch länger beschäftigt ist, kommt Enttäuschung auf. Besser sind klare Ansagen, denn dann weiß der Nachwuchs, das er wirklich warten muss. Auch das müssen Kinder lernen.

Eine fiese Falle: Für Eltern in Erziehungszeit und Hausfrauen

Immer mehr Männer nehmen Vätermonate. Und was müssen sie oft hören? „Was machst du denn den ganzen Tag, wenn du nur zu Hause bist?“ Das kleine Wörtchen wertet wieder ab. Es ist keine freundliche Frage, sondern klingt nach Kritik. Ausschließlich den ganzen Tag in der Wohnung herumhocken, das muss doch wirklich nicht sein. Mütter kennen solche Sprüche nur zu Genüge.

Doch viele Eltern benutzen selbst das Wort „nur“ wenn sie von sich selbst sprechen – und merken gar nicht, dass sie sich selbst herabsetzen. „Ich bin nur ein paar Monate zu Hause, dann arbeite ich wieder.“ Wieso denn nur? Oder die andere Variante „Nein, ich arbeite noch nicht wieder. Ich bin nur Hausfrau.“ Die Nur-Hausfrau und Mutter. Ein Vollzeit-Job als Familienmanagerin ist das! Und das kleine Wort gehört hier überhaupt nicht hin.

Sprache kann viel bewirken. Wer sich selbst runterputzt, nicht selbst anerkennt, was er oder sie leistet, der tut sich selbst nicht gut. Kinder brauchen glückliche Eltern, starke Eltern, die auch ihre eigenen Bedürfnisse kennen und stolz auf die eigenen Leistungen sind. Wer ein wunderbares Gericht gekocht hat, sollte nicht sagen: „Ach, ich habe da nur nach Rezept gekocht“, wer es geschafft hat, einen wütenden Zweijährigen zu beruhigen sollte nicht denken: „War ja nur ein wenig Zuneigung nötig.“ Elternsein ist manchmal harte Arbeit – und die gehört mit den richtigen Worten anerkannt. Aber das ist nicht nur meine Meinung.