Mutige Überlebende – Kinder mit Meningokokken-Erkrankungen im Portrait von Anne Geddes

Am 24 April ist Welt-Meningitistag. Wie schwer die Auswirkungen der Infektion sind, zeigen die berührenden Bilder der bekannten Fotografin Anne Geddes.

Bernadette, Kate, Matteo und Elias sind keine Opfer. Sie sind Überlebende. Insgesamt 15 Kinder und junge Erwachsene aus aller Welt, aus verschiedenen Ländern wie Australien, Kanada, USA, Irland, Brasilien und England portraitierte die australische Fotografin Anne Geddes. „Ich bin nicht nur Fotografin, sondern auch Mutter“, erklärt die Australierin. Sie möchte mit ihren Bildern zum Nachdenken anregen und gleichzeitig die Schönheit und die Stärke der Kinder zeigen. „Als meine Töchter klein waren, lebten wir in Neuseeland und dort gab es plötzlich schwere Fälle von Meningokokken-Erkrankungen. Alle Eltern machten sich schwere Sorgen.“ Der rasante Verlauf der Erkrankung, an der jeder zehnte Betroffen verstirbt, macht schnelles Handeln und Kennen möglicher Symptome extrem wichtig.

Elias (7) aus Emden mit Fotografin Anne Geddes. Er war fünf Jahre alt, als er an einer schweren Sepsis erkrankte.  Der Erstklässler hat die Unterschenkel verloren und viele Narben.  Er war mit seinen Eltern und seinem Bruder in London um fotografiert zu werden und in Hamburg um die Ausstellung in Deutschland mit zu eröffnen. © Anne Geddes

Elias (7) aus Emden mit Fotografin Anne Geddes. Er war fünf Jahre alt, als er an einer schweren Sepsis erkrankte. Der Erstklässler hat die Unterschenkel verloren und viele Narben. Er war mit seinen Eltern und seinem Bruder in London, um fotografiert zu werden und in Hamburg, um die Ausstellung in Deutschland mit zu eröffnen. © Anne Geddes

„Als ich gefragt wurde, ob ich zu dem Thema Meningokokken-Erkrankungen eine Serie machen möchte, habe ich zugesagt, um die Botschaft weitergeben zu können und aufzuklären“, sagt Anne Geddes. Die Arbeit mit den Kindern und ihren Eltern hat sie sehr beeindruckt. „Was ich zeigen wollte ist die Schönheit und die enorme Kraft dieser Kinder. Und ja, die Bilder schockieren auch.“ Zunächst wirken die Bilder wie gemalt, erinnern an Werke großer Meister mit ihren Farben und Symbolen. Man sieht die Gesichter, die das erlebte Leid zeigen – und meist erst auf dem zweiten Blick, dass vielen Kinder Gliedmaße, meist Beine, oft auch Arme, Finger und Zehen fehlen.

Bernadette (6) aus Australien. Mit drei Jahren erkrankte sie über Nacht. Plötzlich hatte sie lila Flecken am Oberkörper. Ihre Mutter sagt: "Wir wussten, sie verliert ihre Finger, Füße oder ihr Leben." Bernadette hat drei Brüder und lernte mit dem jüngsten gemeinsam wieder neu zu laufen. ©  Anne Geddes

Bernadette (6) aus Australien. Mit drei Jahren erkrankte sie über Nacht. Plötzlich hatte sie lila Flecken am Oberkörper. Ihre Mutter sagt: „Wir wussten, sie verliert ihre Finger, Füße oder ihr Leben.“ Bernadette hat drei Brüder und lernte mit dem jüngsten gemeinsam wieder neu zu laufen. © Anne Geddes

Als Symbol für die Kampagne „Protecting Our Tomorrows: Portraits of Meningococcal Disease“ – frei übersetzt: „Schützen wir unsere Zukunft: Meningokokken-Erkrankungen im Portrait“- wählte Anne Geddes ein Nest. Auf jedem Bild ist dieses Symbol, mal in Form einer Feder, mal in Form von Zweigen oder einem winzigen Nest, zu sehen.

 

Danielle ist heute 20 Jahre alt und aktive Sportlerin. Die Reiterin und Schwimmerin möchte 2016 an den Paralympics in Rio de Janeiro Australien vertreten. Sie erkrankte im Alter von 14 Monaten und hat mittlerweile 80 Folgeoperationen hinter sich.© Anne Geddes

Danielle ist heute 20 Jahre alt und aktive Sportlerin. Die Reiterin und Schwimmerin möchte 2016 an den Paralympics in Rio de Janeiro Australien vertreten. Sie erkrankte im Alter von 14 Monaten und hat mittlerweile 80 Folgeoperationen hinter sich.©  Anne Geddes

„Das  Nest steht für mich für Schutz, für Liebe, Familie und Stärke“, erklärt die Fotografin. Sie war beeindruckt von der Kraft der Familien und der Tapferkeit der Kinder. „Sie alle sind älter als ihre eigentlichen Lebensjahre. Sie sind geduldig und kennen langes Warten. Die Arbeit mit diesen Kindern hat mich sehr beeindruckt“, sagt Anne Geddes. Das jüngste Kind in der Serie ist Matteo, der kleine Kanadier ist gerade mal 9 Monate alt und hat sich von der Krankheit vollständig erholen können, Jamie aus den USA ist mit 25 Jahren die Älteste.

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Auch Elias Janssen aus Emden ist auf den Bildern zu sehen. Gemeinsam mit seinen Eltern Ina und Selim und seinem kleinem Bruder Liam war der Erstklässler nach Hamburg gereist, um bei der Ausstellung der Bilder in Deutschland dabei zu sein. Ziemlich aufregend, denn die Familie sieht die zwei Leinwandbilder – eines zeigt Elias allein, eines Liam und Elias – zum ersten Mal. Mutter Ina ist sichtlich gerührt. „Ich bin stolz auf meine Kinder. Sie sind wirklich so hübsch.“ Elias, der in dieser Woche 8 Jahre alt wird, ist ein wenig aufgeregt. Die Teilnahme am der Fotoaktion war der Familie wichtig. Denn zunächst hatten die Ärzte die Sorgen der Mutter nicht ernst genommen, ihr erklärt, dass Fieber nichts Schlimmes sei.

Elias mit seiner Familie und Anne Geddes bei der Ausstellungseröffnung © Novartis / Ketchum Pleon GmbH

Elias mit seiner Familie und Anne Geddes bei der Ausstellungseröffnung © Novartis / Ketchum Pleon GmbH

Die Erfahrung, dass nur die Hartnäckigkeit der Eltern, die ganz sicher waren, dass etwas mit ihrem Kind ganz und gar nicht stimmt und die oft sehr vehement eine genaue Untersuchung einfordern mussten, eint viele der Geschichten hinter den Portraits.

Ellie May (9) aus Grossbritannien ist ein Energiebündel. Nur sehr knapp überlebte sie ihre Erkrankung. Ihr Geschwister, auch die Zwillingsschwester Sophie, wurden nicht angesteckt. ©  Anne Geddes

Ellie May (9) aus Grossbritannien ist ein Energiebündel. Nur sehr knapp überlebte sie ihre Erkrankung. Ihr Geschwister, auch die Zwillingsschwester Sophie, wurden nicht angesteckt. © Anne Geddes

Anne Geddes betont, dass drei Dinge für Eltern wichtig sind:  „Man  muss die Symptome erkennen, bestimmend auftreten und sollte überprüfen, ob der Impfschutz ausreichen ist“.

So ruhig sieht man die Energiebündel Elias (mittlerweile 8 Jahre alt) und Liam (4 Jahre alt) selten. Für die Aufnahmen war die Familie nach London gereist ©  Anne Geddes

So ruhig sieht man die Energiebündel Elias (mittlerweile 8 Jahre alt) und Liam (4 Jahre alt) selten. Für die Aufnahmen war die Familie nach London gereist © Anne Geddes

Viele der Familien, die an dem Projekt teilnahmen, engangieren sich ehrenamtlich und möchten über die Erkrankung – und die Möglichkeit sich dagegen impfen zu lassen – aufklären. Anne Geddes arbeite für die Portraits mit internationalen Patientenorganisationen zusammen, gefördert wurde das Projekt auch Novartis Vaccines.

Zum Welt Meniningits-Tag am 24. April 2014 sind die Aufnahmen der Kinder und Jugendlichen – und auch ihrer Familien – als kostenloses eBook auf iBooks erhältlich.

Mehr Informationen und Bilder sind auch auf tumblr und auf Anne Geddes Blog zu sehen. Die Austellung läuft bis zum 7. Mai 2014 in der Hamburger Galerie  artworks.

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