Mein Kind will nicht mehr in den Kindergarten

Es gibt Kinder, denen der Start im Kindergarten schwer fällt. Doch was tun, wenn das Kind bisher jeden Vormittag blieb und ganz plötzlich immer wieder mit Mama und Papa mitgehen möchte oder zuhause im Kindergarten-Streik ist?

Paula (3) ist ein Energiebündel. Das kleine Mädchen mit dem blonden Lockenkopf geht gern in den Kindergarten und findet es besonders toll, schon am Abend alle Taschen auf der kleinen Küchenbank vorzubereiten. Mamas Arbeitstasche, Papas Arbeitstasche und Paulas Kindergartentasche. Nur eigentlich braucht Mama gar keine Tasche, denn die arbeitet ja zu Hause am Computer. Trotzdem besteht Paula darauf, dass jeder ein Brot geschmiert bekommt.

Mein Kind will nicht in den Kindergarten - was tun? (© Thinkstock)

Mein Kind will nicht in den Kindergarten – was tun? (© Thinkstock)

„Die ersten vier Monate Kindergarten waren total unkompliziert,“ berichtet Paulas Mutter Sabine. Ihre Tochter war vorher schon zwei Mal in der Woche bei einer Tagesmutter gewesen und wollte am ersten Tag gleich ohne Mutter da bleiben. „Sie hat gleich neue Freunde gefunden, mochte die Erzieherinnen und war fröhlich, wenn ich sie abholte.“ Doch seit zwei Wochen gibt es immer wieder Problem. „Es fing damit an, dass sie am Abend ihre Kindergartentasche nicht hinstellte.“ Am nächsten Morgen ging gar nichts. Paula wollte nicht aufstehen, wollte sich nicht anziehen. Und in den Kindergarten wollte sie erst recht nicht. „Wir wären so spät gekommen, da habe ich dann abgesagt und wir haben es uns zu Hause gemütlich gemacht.“ Ein Fehler. „Seitdem möchte Paula jeden zweiten Tag nicht mehr in den Kindergarten. Wenn sie einmal da ist, schimpft sie, aber sie beruhigt sich wieder.“

Sabine und ihr Mann Dirk fangen an sich Sorgen zu machen. Könnte es sein, dass etwas nicht stimmt? „Was merkwürdig war, war dass Paula auch an den Tagen, an denen sie so einen schlechten Start hatte, immer fröhlich war, wenn ich kam. Sie war meist mitten im Spiel und wollte noch gar nicht nach Hause.“ Schließlich suchten die Eltern das Gespräch mit den Erzieherinnen. Die konnten sie beruhigen. „Auch für Erwachsene ist ein neuer Arbeitsplatz am Anfang aufregend und spannend. Irgendwann fängt dann die Alltags-Routine an. Und genauso würde es wahrscheinlich Paula gehen. Im Kindergarten ist sie in der Gruppe sehr angekommen. Aber sie hat eben auch gemerkt, dass es zu Hause schön sein kann.“ Gemeinsam mit den Erzieherinnen überlegen die Eltern schließlich ein neues Morgen-Ritual. Ab nun darf Paula ihre Mama oder ihren Papa aus der Tür rausschieben. Sie ist im Kindergarten nämlich Bestimmerin. Das gefällt ihr so gut, dass die Proteste aufhören.

Doch nicht immer sind Lösungen so leicht. Es gibt Kinder, denen der Kindergartenbesuch schwer fällt. Es gibt viele Dinge, die für kleine Kinder schwierig sein können: ein Abschied von der Lieblingserzieherin, ein bester Freund, der plötzlich nicht mehr mit einem Spielen mag. Im Frühling und im Sommer wird viel draußen getobt, im Winter sind die Kinder viel drinnen und oft herrscht dann im Kindergarten ein Lärmpegel, der auch für Kinderohren sehr anstrengend ist. Oder wird das Kind von anderen geärgert?

Manchmal fällt der Abschied  schwer (© Thinkstock)

Manchmal fällt der Abschied schwer (© Thinkstock)

Es kann auch sein, dass ein Kind zwar noch gern in den Kindergarten gehen mag, aber sich nicht mehr gern von den Eltern trennen möchte. Vielleicht weil sich ein Geschwisterchen ankündigt oder aber weil es einfach gerade die Nähe sucht, möglicherweise ist der nächste Virus im Anmarsch.

Wie können Eltern eine Lösung finden?

Ein kleine Auszeit kann manchmal wirklich helfen, auch wir Erwachsenen brauchen ja Pausen. Sie kann aber nur dann hilfreich sein, wenn das Kind einfach erschöpft ist und diese Pause braucht. Gegen Lärm oder Ärger mit Freunden hilft sie nicht. So eine Pause kann auch bewirken, dass das Kind merkt, dass es gern in den Kindergarten geht und nicht „muss“.

Wenn ein Kind überhaupt nicht in den Kindergarten möchte, schlecht träumt und sich auffällig verändert, dann sind das Zeichen, die Eltern hellhörig werden lassen müssen. Anders als bei Paula könnte es dann nämlich sein, dass ein Kind wirklich ernste Probleme im Kindergarten hat und nicht nur eine Auszeit wünscht.

Der erste Ansprechpartner sollte das Kind sein. Mama und Papa können sich ein Bilderbuch zur Hilfe nehmen, und mit dem Kind über den Kindergarten sprechen. Eltern können sich vom Kind beschreiben lassen, wie der Tag im Kindergarten abläuft. Und ob es etwas gibt, das es traurig macht. Kinder möchten – genau wie wir Großen – gar nicht sofort einen klugen Rat. Am besten ist es, eine gemeinsame Lösung zu finden. Wenn die beste Freundin nicht mehr mitmalen möchte, vielleicht findet sich ja ein anderes Kind, das auch so gern mit den Stiften hantiert? Es hilft den Kindern, wenn sie merken, dass sie Verständnis bekommen. Aber nicht immer können Kindergartenkinder beschreiben, wie sie sich fühlen. Und manchmal ist ein Grund auch nicht sehr offensichtlich.

Gespräche mit den Erziehern, neue Rituale und Auszeiten – vieles kann hilfreich sein

Eltern sollten daher unbedingt auch das Gespräch mit den Erziehern und Erziehern des Kindes suchen. Will das Kind nur nicht von zu Hause weg und ist es im Kindergarten fröhlich? Wie verhält es sich im Kindergartenalltag? Die Erwachsenen, die das Kind täglich begleiten, haben oft eine Idee, wie der Alltag einfacher werden kann. Manchmal hilft ein neues Abschiedsritual, manchmal muss eine individuelle Lösung gefunden werden, die etwas schwieriger ist. Wenn das Kind die Nähe zu den Eltern noch so sehr sucht, könnte es vielleicht helfen, wenn es den Kindergarten weniger Stunden besucht. Oder wenn Mama nach dem Kindergarten mit dem Kind nicht einkaufen fährt, sondern erst einmal lange kuschelt.

Kuscheln hilft immer (© Thinkstock)

Kuscheln hilft immer (© Thinkstock)

Manchmal ist auch ein kleiner Urlaub oder ein sehr gemütliches Wochenende ohne Programm für die ganze Familie eine wunderbare Lösung. Denn mal ganz ehrlich: So eine „Einfach-mal-keine-Lust“-Phase haben Erwachsene doch auch. Wäre es nicht schön, einfach mal zu sagen: „Nö, mache ich heute nicht. Ich will zu Hause sein, kuscheln, schlafen und verwöhnt werden.“ Dreijährige dürfen das. Es zeigt ja auch, dass sie sich geliebt und geborgen fühlen und gern bei ihren Eltern sind.