Hochsensible Kinder – Feinfühligkeit als Superpower!

Hochsensible Kinder sind anders und das ist auch gut so! Sie sind anspruchsvoller und verlangen Eltern einiges ab aber sie öffnen auch die Tür zu einer ganz anderen Kinderwelt, voller Kreativität und Empathie. Wir verraten dir, woran du erkennst, ob dein Kind hochsensibel ist und wie der Alltag leichter wird.

Was bedeutet Hochsensibilität?

Hochsensible Kinder nehmen ihre Umwelt anders war. Sie besitzen die angeborene Neigung und Fähigkeit die Informationen und Reize facettenreicher und umfassender zu verarbeiten als andere Kinder. Menschen haben von Natur aus eingebaute Filter, die nur die wichtigen Informationen durchlassen. Hochsensible Kinder scheinen diesen Filter allerdings nicht zu haben. Die vielen wahrgenommenen Reize werden in ihrer gesamten Größe verarbeitet, dadurch kommt es irgendwann zu einer Überforderung.

Hochsensible Kinder (Getty Images)

Viele Reize können hochsensible Kinder manchmal überfordern (©Getty Images)

Wenn die Stimmung plötzlich umschlägt, ist das für andere Menschen häufig nicht nachvollziehbar. Sie ordnen das Verhalten als überzogen ein und fällen schnelle Urteile. „Du alte Heulsuse“, das hören hochsensible Kinder besonders oft, nicht zuletzt, weil sie mit Kritik nur schwer umgehen können. Das liegt aber nicht daran, dass hochsensible Kinder eine niedrige Frustrationsgrenze haben, sondern daran, dass sie durch die überdurchschnittliche Reizaufnahme und -verarbeitung einfach schneller an ihre Grenzen kommen.

Der Alltag mit hochsensiblen Kindern

Eltern von hochsensiblen Kindern bestätigen es: Der Alltag mit dem besonders feinfühligen Nachwuchs ist anders. Was bei anderen Familien so mühelos zu klappen scheint, ist für Eltern von hochsensiblen Kindern eine wahre Herausforderung. Das können ganz unscheinbare Situationen sein, die in einem Drama enden. Ein Restaurantbesuch, eine Geburtstagsparty oder das morgendliche Anziehen – alles Unternehmungen, die ein hochsensibles Kind zum Verzweifeln bringen können. Der Grund: Reizüberflutung.

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Dadurch, dass hochsensible Kinder ihre Umgebung gründlicher wahrnehmen, prasseln auch mehr Reize auf sie ein. Dadurch reagiert der feinfühlige Nachwuchs häufig mit Aggression oder Rückzug, um sich zu schützen.

Dadurch, dass hochsensible Kinder ihre Umgebung gründlicher wahrnehmen, prasseln auch mehr Reize auf sie ein. (Getty Images)

Dadurch, dass hochsensible Kinder ihre Umgebung gründlicher wahrnehmen, prasseln auch mehr Reize auf sie ein. (Getty Images)

Ist denn alles nur schlecht? Ganz klar nein! Hochsensible Kinder haben Fähigkeiten, von denen andere nur träumen können. Sie stellen sich als äußerst empathisch dar, was sie zu beliebten Gesprächspartnern macht. Außerdem sind ihr Ideenreichtum und ihre Kreativität besonders ausgeprägt. Schon im Kindesalter sind sie kleine Philosophen, die tiefgehende Gedankengänge haben und ihre Mitmenschen mit ihren Fragen überraschen. Nicht selten sind sie kleine Ratgeber für ihre Eltern, denn sie haben erstaunlich kluge Lösungsansätze für Probleme.

So unterstützt du dein hochsensibles Kind

  • Schaffe eine reizarme Umgebung: Hochsensible Kinder brauchen Pausen. Ein Vormittag im Kindergarten und eine Verabredung am Nachmittag können schon zu viel sein. Eine Kuschelecke, als persönlicher Rückzugsort, ermöglicht dem Nachwuchs den erforderlichen Abstand, wenn es ihm zu viel wird.
  • Das „Anderssein“ akzeptieren: Das gilt nicht nur für Eltern. Es ist besonders wichtig, seinem hochsensiblen Kind zu vermitteln, dass es völlig o. k. ist, feinfühliger zu sein – schließlich ist das eine Art Superkraft. Durch die Stärkung des kindlichen Selbstbewusstseins lernt es, sich selbst zu akzeptieren.
  • Keinen Druck ausüben: Hochsensible Kinder reagieren besonders empfindlich auf Druck von außen. Die Folge: Sie machen zu und man kann kaum noch zu ihnen durchdringen. Deshalb sind Gespräche und Einigungen der Schlüssel zum Erfolg.
  • Passe den Alltag ganz individuell an: Hochsensible Kinder lassen sich in kein Förmchen drücken. Allgemeine Ratgeber finden deshalb keine Anwendung. Sprüche wie: „Komisch, bei meinem Kind hat das immer funktioniert“ kannst du getrost vergessen. Wenn für euch die Babytrage oder das Elternbett besser funktioniert, dann lass dich nicht verunsichern.
  • Ein sicherer Hafen: Ein besonders feinfühliger Nachwuchs braucht auch besonders viel Zuneigung. Viele Kuscheleinheiten und eingehende Gespräche sind wichtig, auch um das Gefühlsleben zu ordnen.
  • Störenfriede verbannen: Kratzt das Etikett und die Jeanshosen sind zu eng? Sorge dafür, dass sich dein Kind wohl in seiner Haut fühlt. Bei einem gemeinsamen Einkauf kann dein Kind dir erklären, was für ihn „bequem“ heißt.
Hochsensible Kinder brauchen Pausen. Eine Kuschelecke kann ein persönlicher Rückzugsort sein und Abstand schaffen. (Getty Images)

Hochsensible Kinder brauchen Pausen. Eine Kuschelecke kann ein persönlicher Rückzugsort sein und Abstand schaffen. (Getty Images)

Ist mein Kind hochsensibel?

Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern ein Charaktermerkmal. Wenn du die folgenden Fragen überwiegend mit Ja beantworten kannst, könnte dein Kind auch zu den hochsensiblen Superhelden gehören.

1.    Hat dein Kind empfindliche Haut und beschwert sich ständig über kratzende Stoffe, Nähte in Socken oder Etiketten in der Kleidung?

2.    Nimmt dein Kind selbst leichte Gerüche wahr?

3.    Mag dein Kind keine großen Veränderungen oder Überraschungen?

4.    Ist dein Kind perfektionistisch?

5.    Zeigt sich dein Kind besonders feinfühlig gegenüber Tieren und Menschen?

6.    Spielt dein Kind am liebsten in einer ruhigen Umgebung?

7.    Stellt dein Kind tiefgehende und nachdenkliche Fragen?

8.    Ist dein Kind besonders schmerzempfindlich?

9.    Bemerkt dein Kind selbst kleine Feinheiten, zum Beispiel Veränderungen in Räumen?

10. Reagiert dein Kind sehr empfindlich auf eine laute Umgebung?

Buchtipp: Die amerikanische Psychologin Elaine N. Aron gilt als „Entdeckerin“ des Phänomens Hochsensibilität, was sich in allen Kulturkreisen beobachten lässt. Man schätzt, dass 15-20 % der Bevölkerung zu den hochsensiblen Personen (HSP) gehören. Trotzdem ist die Hochsensibilität in Deutschland noch kein fest etabliertes psychologisches Konzept. Ihr Buch „Das hochsensible Kind“ (Amazon) gibt einen guten Einblick in die Welt von hochsensiblen Kindern.

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