Die verkannte Gefahr – Kinder ertrinken leise

Was viele nicht wissen: Kinder ertrinken leise. So herrlich es am Wasser ist, selbst das Wasser im Planschbecken kann gefährlich werden.

Endlich ist es sommerlich warm. Die Freibäder öffnen und auch die Badeseen locken Familien. Toben im Wasser ist toll und Kinder sollten das auch ausgiebig machen dürfen. Aber nie unbeaufsichtigt. Auch nicht im heimischen Planschbecken. Denn noch immer ist Ertrinken die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache bei Kindern. Und auch wenn es nicht zum Schlimmsten kommt –  Badeunfälle können für Kinder zu schweren Folgeschäden führen, denn wenn ihr Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt wird, kann es schnell massiv geschädigt werden.

Aus dem Kindersicherheitsreport zum Thema „Sicherheit im und am Wasser“ von AXA und BAG geht hervor, dass fast die Hälfte aller Eltern nicht wissen, dass ein Kind unter drei Jahren schon ab einer Wassertiefe von etwa 5 Zentimetern ertrinken kann. Und fast jeder Achte würde ein Kleinkind unter drei Jahren kurzzeitig alleine in der Badewanne lassen, etwa wenn es klingelt.

Kleinkind beim Baden im Pool

Kinder beim Baden immer im Auge behalten (Foto: Adam Pretty / Thinkstock)

Nur im Fernsehen oder im Kino ist Tod durch Ertrinken laut und dramatisch

Der ehemalige Rettungsschwimmer Mario Vittone berichtet von einem Badeunfall – in letzter Minute konnte ein Mädchen gerettet werden – sein Vater war mit im Wasser und hatte sich nur kurz umgedreht. Wieso hat er nichts bemerkt? Wieso können Kinder ertrinken, wenn ihre Eltern in der Nähe sind, sich unterhalten, lesen oder sich nur kurz umdrehen?

Für Mario Vittone ist das nicht überraschend:

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Das Ertrinken ist fast immer ein trügerisch ruhiger Vorgang. Das Winken, Spritzen und Schreien, auf das wir durch die dramatische Konditionierung vorbereitet sind, zeigt sich in der Realität nur selten.

Dieses falsche Bild hat schlimme Folgen: Auf viele Menschen wirkt Ertrinken nicht wie ertrinken. Und so kommt es, dass Eltern den Unfall nicht bemerken.

Die Gefahr liegt ganz nah: Laut der European Child Safety Alliance (ECSA) verunglücken Kinder bis zu zwei Jahren am häufigsten in der Badewanne. Ein- bis Dreijährige ertrinken meist in Gartenteichen, die Zwei- bis Sechsjährigen in offenen Gewässern. Die über sechsjährigen Kinder ertrinken meist in Schwimmbädern.

„Für die Kleinen reichen schon wenige Zentimeter, um zu ertrinken. Aufgrund ihres überproportional großen Kopfes verlieren Kinder leicht den Halt. Fallen sie mit dem Kopf ins Wasser, löst dies eine Art Schockreaktion aus, die Stimmritze im Rachenraum schließt sich und macht die Atmung unmöglich“, so Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt und Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Dieser schockartige Reflex, der die Atmung blockiert, wird auch „trockenes Ertrinken“ genannt. Oft erstickt das Kind dabei, ohne dass ein Tropfen Wasser in die Lungen gelangt.

Kinder und Wasser ist daher immer eine gefährliche Kombination

Badewanne, Planschbecken oder eine Regentonne können für kleine Kinder sehr gefährlich werden. Die Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“ betont daher: Babys und Kleinkinder sollten nur in speziellen Badewannen baden und dabei auf keinen Fall allein gelassen werden. Erwachsene dürfen sich niemals, auch nicht für kurze Zeit, von dem Kind wegbewegen.

Am Badesee oder am Meer kann es passieren, dass der Brandungssog so stark ist, dass Kindern – und Erwachsenen – die Füße weggezogen werden können. Beim Toben können Kinder (gerade im Schwimmbad) mit dem Kopf aufschlagen. Entkräftung oder Kreislaufprobleme bereiten selbst geübten Schwimmern Probleme, und Kinder überschätzen ihre Fähigkeiten, gerade bei Strömung, oft.

Kleinere Kinder erkennen vor allem die Gefahren am Wasser nicht: Sie sind zu vertieft in ihr Spiel um hohe Wellen zu bemerken, spielen auf Badestegen oder laufen hinter Bällen hinterher. Schwimmflügel verleihen eine trügerische Sicherheit, denn kippen Kinder in das Wasser, können sie auch mit diesen Schwimmhilfen ertrinken, weil ihr schwerer Kopf sie nach unten zieht. Wirklich sicher sind nur Rettungswesten – und eben der elterliche Blick, der nicht abgelenkt werden sollte!

Badeunfälle vermeiden

Am besten helfen Vorbeugung und Aufmerksamkeit. Kleinere Kinder nie unbeaufsichtigt in der Badewanne oder im Planschbecken lassen. An Badeseen, Küste oder Schwimmbad immer das Kind im Blick behalten – ist man mit mehreren Erwachsenen dort, unbedingt absprechen, wer „zuständig“ ist, denn sonst ist jeder der Meinung, der Andere würde schon gucken. Leider geht es ganz schnell, dass ein Kind „verschwindet“.

Sehr wichtig ist auch, den Kindern möglichst früh schwimmen beizubringen – und eben sich klar zu machen, dass Schwimmflügel nicht wirklich schützen.

Sollte ein Kind tatsächlich einen Badeunfall gehabt haben, es sofort aus dem Wasser ziehen, keine Sekunde zögern. Damit die Körpertemperatur aufrecht erhalten wird, unverzüglich in eine Decke wickeln, denn Unterkühlung kann schon bei einer Wassertemperatur unter 28° Grad rasch eintreten.

Auch wenn das Kind ansprechbar ist und  „nur ein bisschen Wasser geschluckt hat“, einen Arzt aufsuchen und diesen genau informieren, damit er vor allem die Lungen des Kindes genau untersuchen kann.

Wenn ein Kind bewusstlos ist, sofort in die stabile Seitenlage bringen. Kontrollieren, ob die Atemwege frei sind und sofort Mund-zu-Mund, bzw. Mund-zu-Nase (Babys) machen. Notarzt anrufen und bis zu dessen Ankunft mit Beatmung und Herzdruckmassage weitermachen.

Auf keinen Fall schütteln oder mit den Beinen nach oben in die Luft halten – so kommt nicht das Wasser aus der Lunge!

Kinderunfälle sind oft vermeidbar. Besonders gut ist es, wenn Eltern ihr Erstes-Hilfe-Wissen immer wieder auffrischen. Das kann Leben retten!

Linktipp:  Kindersicherheit: Badeunfälle vermeiden

Baderegeln der DLRG für Kinder zum Anschauen und zum Download als Ausmalbilder

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Antworten auf

  1. Sandra 8. August 2012 an 20:18 #

    Hallo,
    ich verstehe folgendes nicht:

    „Auch wenn das Kind ansprechbar ist und „nur ein bisschen Wasser geschluckt hat“, einen Arzt aufsuchen und diesen genau informieren, damit er vor allem die Lungen des Kindes genau untersuchen kann.“

    Welche Messlatte sollte man da anlegen? Kopf unter Wasser?

    Danke

    • Dat Raffi 12. Juni 2015 an 13:37 #

      Kinder können auch im Nachhinein ertrinkrn. Haben sie unbemerkt etwas Wasser in die Lunge bekommen, machen aber ansonsten einen fitten Eundruck, kann das Ertrinken.auch später eintreten. Deshlalb die Lunge kontrollieren lassen. 20 Sek unter Wasser, kann auch im Nachhinein für ein Kind tödlich sein

  2. Kerstin 9. August 2012 an 09:07 #

    Schwimmhilfen wie Schwimmflügel täuschen oft falsche Sicherheit vor. Aber auch mit Schwimmflügeln können Kinder ertrinken. Also dürfen Eltern ihre Kinder auch mit Schwimmflügeln nie aus den Augen lassen. Und weil das so ist, raten einige Exerten dazu, Kindern gar ganz ohne Schwimmflügel das Schwimmen beizubringen. Dabeisein muss man als Eltern so oder so.

  3. Larisa 31. Mai 2015 an 23:09 #

    Hallo. ich habe mit mein Vermieter ein Problem. Er erlaubt nicht im unseren Garten ein Planschbecken aufzustellen, aus Grund, dass meine Kinder ertrinken können. Hat er gesetzlich recht oder nicht

    • jessi 12. Juni 2015 an 13:39 #

      Ich denke eher nicht nur weil du nen planschbecken aufstellst heißt es ja net das dein kind auch unbeaufsichtigt lässt. Es ist eine Abkühlung für das kind und solange man immer dabei ist kann da auch ga nix passieren. Ausserdem brauchst du keine erlaubnis dafür. Was anderes wäre es wenn ihr nen richtigen pool bauen würdet weil das was mit Baumaßnahmen zu tun hat.

    • jacky 12. Juni 2015 an 19:33 #

      Dein Vermieter ist da vollkommen im Recht. Denn wenn was passiert, auch evtl. mit anderen Kinder, dann steht er als Eigentümer in der Verantwortung und kann rechtlich belangt werden.

      • Martin Dejonge 16. Juni 2015 an 06:52 #

        So ein krampf. Die Eltern haben die aufsichtspflicht, Der vermieter hat damit nicht die Bohne zu tun.

  4. Lana 15. Juni 2015 an 23:54 #

    Ich war mit meinem sohn mal an einem Waldsee habe einen Mitarbeiter vom DLRG geboten einen Moment auf ihn zu achten weil ich nach den kindern einer Freundin sehen wollte. Nach 1 min sah ich zu meinem sohn und er lag mit dem Gesicht im Wasser ich musste ihn Raus ziehen er War schon weiß / leicht bläulich und der DLRG – Mitarbeiter grinste auch noch er hat nix mitbekommen und auch nicht seinen Job gemacht und auf uns Badegäste geachtet 4 Mitarbeiter davon 1 der genau daneben stand persönlich angesprochen würde ob er aufpassen kann und mein Sohn wäre beinahe ertrunken :(

    • Kunigunde 15. Juli 2016 an 13:57 #

      Wieso gibst Du die Verantwortung für Dein eigenes Kind an andere Leute ab, um Dich deinerseits um fremde Kinder zu kümmern? Hört sich nicht gerade logisch an. Die Geschichte klingt für mich nicht glaubwürdig, 4 DLRG-Mitarbeiter stehen daneben und würden 1 Kind ertrinken lassen?

  5. Markus 17. Juni 2015 an 19:39 #

    Hallo, ganz gefährlich sind bei Kleinkindern die Schwimmhilfe am Oberkörper. Wir hatten eine unserem 3jährigen angezogen als er am Strand spielte. Als ich wieder hinschaute trieb er mit dem Gesicht im Wasser an der Wasseroberfläche. Durch eine kleine Welle wurde er erfasst und ins Wasser gezogen.

    Glücklicherweise konnten wir ihn schnell wieder herausziehen und durch den „Wasserreflex“ hat er die Luft angehalten.
    Nie so etwas Kindern (die nicht schwimmen können, die anderen brauchen es nicht) anziehen… sofort vernichten!
    Das einzige sinnvolle sind ohnmachtssichere Rettungswesten für Boote, die das Kind im Wasser immer mit dem Gesicht nach oben drehen… aber auch nie ohne Aufsicht!

    • Kunigunde 17. Juli 2016 an 18:29 #

      Ich glaube kaum, daß Kinder mit dicken Rettungswesten gerne am Strand rumlaufen würden, weil diese doch dabei total hinderlich sind! Die für mich einzig wahre Lösung besteht darin, daß man sich gefälligst um seine Kinder kümmert und diese, sofern sie nicht schwimmen können, nicht am Strand allein rumrennen läßt ! Der Fehler ist, daß Kinder heutzutage oft viel zu früh sich selbst überlassen werden. Natürlich sollen Kinder selbständig werden, aber man muß die Situation meiner Meinung nach sorgfältig abwägen!

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