Wenn Kinder Angst vor Gewitter haben

Es rumst in diesen Tagen gewaltig – die Luftmassen erwärmen sich und heftige Gewitter entstehen. Dunkle Wolken, zuckende Blitze und grollende Geräusche – Kindern fürchten sich dann oft sehr. Was können Eltern tun, damit Blitz und Donner ihren Schrecken verlieren?

Ein Blick aus dem Fenster genügt.  Auch heute wird ein anstrengender Tag für Tina Andresen*. Denn ihre Tochter Hanna (4) wird sich wieder fürchten. „Sie gruselt sich furchtbar bei Gewitter“, berichtet die Mutter. „Ich kann gar nicht sagen, wann es anfing.“ Bezieht sich der Himmel und ein stürmischer Wind kommt auf, fängt Hanna an sich zu verstecken.“Wenn sie Donner hört, wird sie oft richtig panisch und weint.“

Tina selbst mag Gewitter auch nicht sonderlich, beeilt sich ins Haus zu kommen und zieht sofort alle Stecker. Doch die starke Angst ihrer Tochter mindert das nicht. Tina fragt sich, wie viele andere Eltern auch: wie kann Kindern die Angst vor Gewitter genommen werden?

Angst vor Gewitter ist eine Urangst

Tatsächlich ist es so, dass die Angst vor Gewittern als Urangst gilt, Kinder müssen nicht negative Erfahrungen gemacht haben, um sich zu fürchten. Solche angeborenen Ängste haben Menschen in der Evolutionsgeschichte vor Gefahren geschützt – und dass ein Gewitter gefährlich sein kann, das wissen schon die Kleinsten. Selbst Erwachsene verspüren oft ein unangenehmes Kribbeln, wenn sich die Luft statisch lädt und Blitz und Donner besonders heftig wüten.

Angst vor Gewitter

Die meisten Kinder haben Angst vor Gewitter (Foto: Thinkstock)

„Die meisten Kinder haben Angst bei Gewitter“, meint Susanne Schiffke von der Frankfurter Kinder-Umwelt-Werkstatt, die von der SKDF Frankfurt gegründet wurde. In der Werkstatt lernen Kinder in verschiedenen Projekten, wie wichtig die Natur ist. Auch Wetterphänomene einzuschätzen gehört dazu.

Was passiert eigentlich bei einem Gewitter?

Warme feuchte Luft kommt sehr schnell in die kalten hohen Bereiche – so entstehen Haufenwolken. Kurz darauf regnet oder hagelt es, Winde steigen auf, Eis- und Wasserteilchen im Wolkengebilde werden durcheinander gewirbelt und laden sich elektrisch auf. Die Spannung entlädt sich und es blitzt. Weil der Blitz extrem heiß ist (fast 30.000 Grad Celsius), sorgt er für enorme Lufterwärmung, die Luft dehnt sich aus und durchbricht die Schallmauer, es donnert. Ältere Kinder und Erwachsen beruhigt das Wissen. Kein böser Donnergott, wie der nordische Thor und auch keine bösen Geister sind schuld an diesem Wetter.

Kleinere Kinder können mit einer naturwissenschaftlichen Erklärung nicht viel anfangen. Die komplexen Zusammenhänge sind für sie noch zu kompliziert. Sie wissen nur, dass sie sich fürchten, die Physik interessiert sie da weniger. Eltern sollten sich bewusst machen, dass Ängste bei kleinen Kindern oft vorkommen, vor allem bei für sie unerklärlichen oder sich bedrohlich anfühlenden Situationen. Das Wichtigste ist, dass Eltern die Angst der Kinder ernst nehmen und sie nicht verharmlosen. „Sind doch nur ein paar Regentropfen“ – so ein Satz hilft gar nicht.

So können Eltern ängstliche Kinder unterstützen

„Am besten ist es, wenn die Erwachsenen, die sich beim Kind befinden, selbst ganz ruhig bleiben und so tun, als sei ein Gewitter das Selbstverständlichste auf der Welt”, sagt Susanne Schiffke. Wer selbst Panik hat, durch die Wohnung rennt oder dem Kind mit ängstlicher Stimme erklärt, wo Schutz zu suchen ist, bestärkt das Gefühl des Kindes. Wer selbst ruhig und gelassen handelt, zeigt damit, dass die Angst nicht nötig ist.

Während des Gewitters kann das Kind mit gemeinsamem Einkuscheln oder Vorlesen abgelenkt werden. Ist man sicher im eigenen Heim, kann das Unwetter auch als Schauspiel durch das Fenster betrachtet werden: Wer sieht den ersten Blitz, wie lang ist die Zeit zwischen Donner und Blitz? Was machen die Regenmassen – verwandeln sie etwa die Straße in einen Fluss? Vielleicht können schon gemeinsam Papierschiffe gefaltet werden, die später auf den Pfützen in See stechen dürfen.

Kinder schauen Gewitter zu

Die Angst vor dem Gewitter nehmen (Foto: Thinkstock)

Nach dem Gewitter kann man mit den Kindern gemeinsam auf Entdeckungtour gehen. Was hat sich verändert? Sind Äste abgefallen? Wie sehen Bäume und Büsche aus? Spannend ist es auch, zu Hause selbst den Donnergott zu spielen. Wie klingt ein Gewitter? Dafür darf der Nachwuchs klatschen und stampfen und pusten.  Das hilft die Spannung abzubauen.

Später, wenn es gar nicht gewittrig ist, kann man sich auch ausführlich mit dem Phänomen beschäftigen. Denn mit einer PET-Flasche, Klebeband und Reiskörnern lässt sich ein ganz einfacher Regengeräusch-Macher basteln. Reis in die Flasche, gut abkleben und schon kann geschüttelt werden. Mit einer Pappröhre kann das Ganze sogar noch beeindruckender sein – hier ist eine Anleitung zum Basteln eines Regenmachers.

Mit einer dünnen Blechplatte oder einem festen Karton kann auch ein Donnergeräusch erzeugt werden. Auch Blitze können selbst erzeugt werden – und zwar mit einer Plasmakugel, die bei einer Berührung kleine Blitze erzeugt. Kinder dürfen die Kugeln unter Aufsicht von Erwachsenen selbst anfassen und spüren die Energie. Vielleicht hat das Kind auch Lust, ein Gewitterbild zu malen?

Mit den vielen praktischen Annährungen – und vielleicht auch einem Kinderbuch zu dem Thema – verliert die Naturgewalt Gewitter hoffentlich die Bedrohung. Es ist auch hilfreich, wenn Kinder genau wissen, wie sie sich bei Gewitter verhalten sollen. Da sind auch viele Erwachsene unsicher.

* Name von der Redaktion geändert

Linktipp: Sieben goldene Regeln der Feuerwehr gegen Blitzschlaggefahren 

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