ADHS – die wichtigsten Antworten zum Thema Aufmerksamkeitsstörung

Immer mehr Kinder leiden laut einer Studie unter ADHS. Doch wie wird eine „Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung“ überhaupt erkannt? Leiden Kleinkinder schon darunter? Wie können Eltern helfen? Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Unruhige und zappelige oder ganz und gar verträumte Kinder gab es schon immer – schon Heinrich Hoffmann beschrieb 1845 im berühmten „Struwwelpeter“ ein Kind, das nicht ruhig sitzen konnte. „Doch der Philipp hörte nicht, was zu ihm der Vater spricht. Er gaukelt und schaukelt, er trappelt und zappelt auf dem Stuhle hin und her.“

Kind mit Aufmerksamkeitsstörung

ADHS – Fragen und Antworten zur Aufmerksamkeitsstörung (© Thinkstock)

Unter dem Namen „Zappelphilipp-Syndrom“ ist ADHS schon länger bekannt. Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden laut dem Arztreport der Krankenkasse Barmer GEK unter einer solchen „Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung“. Die Zahl der diagnostizierten Fälle stieg um 42 Prozent.

Damit werden die KIGGS-Daten , einer Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts zur gesundheitlichen Lage der Kinder und Jugendlichen in Deutschland (Bundesgesundheitsblatt, aus dem Jahr 2007) nicht nur bestätigt, sondern sie sind leicht gestiegen. Laut den KIGGS-Daten wurde bei 7,9 % aller Jungen und 1,8% aller Mädchen im Alter von 0-17 Jahren die Diagnose ADHS gestellt.

Was bedeutet das? Laut der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte sind in Deutschland etwa 500.000 Kinder, als rund 5 Prozent, betroffen. Kritisch merken die Ärzte an, die Häufigkeit der Diagnose sehr eng mit der  Untersuchungsmethode zusammenhänge. „Bemerkenswert ist, dass in verschiedenen Ländern vergleichbar hohe Quoten gefunden wurden.

Die Häufigkeit ist auf jeden Fall so hoch, dass es wohl kaum eine Schulklasse gibt ohne mindestens ein betroffenes Kind.“ Eine Modeerscheinung sei die Störung aber nicht, betonen die Kinderärzte. Doch wann leidet ein unruhiges Kind wirklich unter einer Störung? Woran können Eltern das erkennen? Hier die wichtigsten Fragen zum Thema ADHS:

ADHS – Was ist das eigentlich?

Als Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, kurz ADHS wird eine Krankheit bezeichnet, bei der Betroffene vor allem unter Aufmerksamkeitsschwäche, heftiger Impulsivität und starker Unruhe leiden. Kinder die Unruhe (Hyperaktivität). Gelegentlich wird ADHS auch als ADS bezeichnet, im englischsprachigen Raum kürzt man es mit AHDS ab.

ADHS ist eine neurobiologische Störung, bei der die neuronalen Netzwerke eine Fehlfunktion haben, sodass die Impulskontrolle, die Motivation und das Arbeitsgedächtnis nicht richtig gesteuert werden können. Es gilt mittlerweile als bewiesen, dass diese Störung tatsächlich vererbt wird. Ungünstige Lebensbedingungen verstärken die Symptomatik.

Symptome – woran kann erkannt werden, dass ein Kind eine ADHS hat?

Kinder, die von ADHS betroffen sind, lassen sich rasch ablenken, stören häufiger und haben eine niedrigere Frustrationsgrenze. Aber nicht jedes Kind, das sehr aktiv ist und nicht lange stillsitzen kann, leidet unter ADHS. Und nicht jedes Kind, das eine ADHS hat, „zappelt“ ständig.

Die Kinder fallen jedoch oft zu Hause, im Kindergarten oder in der Schule negativ auf. Denn die Wahrnehmungsstörung führt dazu, dass die Kinder Mimik und Gestik von anderen Personen nicht angemessen deuten können. Manchmal fühlen sie sich schnell bedroht und provoziert und reagieren daher zu impulsiv oder aggressiv. Sie sind häufig hibbelig und es fällt ihnen schwer, kleine Aufgaben zu Ende zu bringen. Die Kinder ecken eher an und werden oft zu Außenseiten, weil sie anders sind.

Haben auch schon Kleinkinder ADHS?

Je früher ADHS erkannt wird, desto besser geht es dem Kind damit, da ihm rechtzeitig geholfen werden kann.  Auch schon bei kleinen Kindern kann sich auffälliges Verhalten zeigen. Zum Beispiel könnten häufiges aggressives Auftreten, Ruhelosigkeit und Furchtlosigkeit, die zu riskantem Verhalten führt, Vorboten sein.

Auch schnelles Anfreunden mit völlig fremden Menschen oder die Abneigung gegen Aktivitäten, die mehr als eine oder zwei Minuten Aufmerksamkeit erfordern, könnten Anzeichen seien. Meist zeigt sich wirklich starke Auffälligkeiten aber erst später. Verunsicherte Eltern sollten auf jeden Fall offen mit ihrem Kinderarzt sprechen.

Was können Eltern tun, wenn sie glauben, dass ihr Kind unter einer Aufmerksamkeitsstörung leiden?

Sie sollten das Verhalten ihres Kindes genau beobachten. Wann tritt das Verhalten ein, gibt es bestimmte Ursachen? Sinnvoll ist es, eine Art „Tagebuch“ über ein paar Wochen zu schreiben und zu dokumentieren, wann Aufmerksamkeitsstörungen oder ähnliches auftreten. Mit Erziehern oder Lehrern sollte Rücksprache gehalten werden. Ist dort auch etwas aufgefallen? Danach Rücksprache mit dem Kinderarzt aufnehmen und offen mit ihm oder ihr darüber sprechen. Auch Kontakte zu Selbsthilfegruppen werden empfohlen.

Wie wird die Diagnose ADHS gestellt?

Wie bei jeder anderen Erkrankung auch stellen Experten eine Diagnose. Meist sind dies die Kinder- und Jugendärzte. Diese suchen oft eine gemeinsame Klärung mit Kinder- und Jugendpsychiatern sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.

Wie können Eltern ihren Kindern helfen?

Kinder, die ADHS haben können sehr fordernd sein und die Eltern an das Ende ihrer Kräfte bringen. Oft ist die Familiensituation sehr angespannt, weil sich Eltern und Kind in einem teuflischen Kreislauf aus Frust befinden. Gemeinsam mit Ergo- oder Psychotherapeuten können Eltern und Kind aber neue Wege zueinander finden. Studien zeigen, dass Lob und Belohnung sich sehr positiv auf das Gehirn auswirken. Eltern müssen oft wieder lernen, nicht nur das „Stören“ des Kindes, sondern auch seine positiven Seiten, etwa seine Energie und seine Kreativität, zu schätzen.

Ganz wichtig: Oft sehen Eltern die Schuld bei sich, glauben, dass sie selbst die Unruhe des Kindes beeinflussen können. Aus Scham über das eigene Versagen wird dann geschwiegen. Aber es liegt kein Versagen vor – weder vom Kind noch von den Eltern. Je früher mit dem Kinder- und Jugendarzt gesprochen wird, desto besser sind die Chancen auf eine frühzeitige Therapie und gute Unterstützung.

Wie wird ADHS therapiert?

Meist sehr individuell, denn die Form der Behandlung hängt davon ab, wie schwer die Beeinträchtigung und wie belastet der Alltag des Kindes ist. Meist werden psychotherapeutische Massnahmen verordnet. Eine Behandlung mit Medikamenten ist nur eine Ergänzung und auch eher die Ausnahme.

Gemeinsam mit den Therapeuten und Ärzten können Eltern ihrem Kind dabei helfen, den Alltag sehr klar zu regeln, denn Kinder mit ADHS brauchen feste Strukturen und Regelmäßigkeit. Sie sind gute „Gegenspieler“ zum innerlichen Chaos und der Unruhe, die das Kind spürt.

Mehr zum Thema ADHS:

ADHS Info-Broschüre der BzgA

ADHS Info-Broschüre der BzgA

Eine sehr gute Basisinformation  zu ADHS mit Tipps und Adressen hat die  Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) herausgegeben. Die Broschüre ist hier zu bestellen und kann auch kostenlos als PDF heruntergeladen werden.

Weitere hilfreiche Links:

www.adhs-deutschland.de

www.agadhs.de

 

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