Kaiserschnitt-Fragebogen Userin 032

1) Ich habe 2 Kinder zur Welt gebracht, davon durch Kaiserschnitt 1. 2) Beruf: Hebamme. 3) Wenn ich das Wort “Kaiserschnitt” höre, fallen mir spontan folgende Begriffe ein: Enttäuschung, Wut, ausgeliefert sein, Bonding nicht möglich, schmerzhaftes Wochenbett 4) Die Geburt meines Kindes 1. Geburt: große Vorfreude auf geplante Hausgeburt. Vorzeichen der beginnenden Gestose leider ignoriert, 1. Tag 38.SSW […]

1) Ich habe 2 Kinder zur Welt gebracht, davon durch Kaiserschnitt 1.

2) Beruf: Hebamme.

3) Wenn ich das Wort “Kaiserschnitt” höre, fallen mir spontan folgende Begriffe ein: Enttäuschung, Wut, ausgeliefert sein, Bonding nicht möglich, schmerzhaftes Wochenbett

4) Die Geburt meines Kindes

1. Geburt: große Vorfreude auf geplante Hausgeburt. Vorzeichen der beginnenden Gestose leider ignoriert, 1. Tag 38.SSW morgens plötzlich Blutdruck 180/100, schlagartig starke Schmerzen im Oberbauch, Fahrt ins Krankenhaus, leider in eine kleinere Einrichtung, dort mit Tee, Zwieback und Spasmolytica und der Diagnose: Magenverstimmung auf Station, Schmerzen wurden unerträglich, Angst, Panik!

Abends dann endlich eine Entscheidung, schlechte Blutwerte, Verlegung mit Blaulicht ins Zentral-Krankenhaus, dort Aufnahme und innerhalb von Minuten eine klare Diagnose mit der schnellen Entscheidung: Sectio.

Erleichterung, man hilft, schmerzhafte Vorbereitung zur OP, der Mann rast über die Autobahn und verabschiedet noch vor der OP-Tür, Übelkeit, nackt sein, endlich Schlaf…, nach der OP noch langer Kampf um stabile Werte, alles nur im Nebel, Schmerz, im Hintergrund das erlösende Weinen des Kleinen und in den Morgenstunden der erste wunderbare unvergessliche Hautkontakt.

Wochenbett und Stillzeit waren durch die schlechte Heilung der Narbe, wunde Brustwarzen und häufig Milchstau belastet, erst nach 4 Wochen kam Freude auf.

2. Geburt: Schwangerschaft sehr angstbelastet, erst nach geburtsvorbereitender Akupunktur kam ich innerlich zur Ruhe, 1 Woche vor Termin tagsüber unregelmäßiges Ziehen, dann gleich Abstände von 2-3 Min., Muttermund in 1 Stunde vollständig eröffnet, keine Zeit sich einzustellen, Wehen jede Minute, Schmerzen heftig, vor allem an der alten Narbe, letzte Phase der Geburt wurde viel eingegriffen, ins Bett gelagert, örtlich betäubt, ohne auf meine Bedürfnisse einzugehen zum Pressen gezwungen, Epi gesetzt und schwupps war alles vorbei. Meine Zusammenfassung später: “Als wäre ein D-Zug durch mich gefahren.“ Aber der Stolz, es aus eigener Kraft geschafft zu haben! Das war unglaublich.

5) Die Indikation(en) = Gründe für meine Sectio(nes): Gestose, HELLP-Syndrom

6) Hatte  ich Angst vor dem Geburtsschmerz / einer Dammverletzung?  Ein wenig, ich war gespannt darauf, es einmal selbst zu erleben (als Hebamme).

7) Hätte ich gerne vaginal entbunden?
Nichts anderes kam in Frage!
8) War der Kaiserschnitt für mich die ideale Form der Geburt?
Nein!
 
9) Habe ich den Kaiserschnitt als Trauma empfunden?
Ja. Das Schlimmste war die Enttäuschung an mich selbst. Ich hatte eine Hausgeburt geplant, alles war vorbereitet und in meiner Vorstellung von Geburt war kein Raum für Krankenhaus, KS und andere med. Eingriffe. Heute weiß ich, dass ich es mir dadurch unnötig schwer gemacht habe und die geplatzten Träume mehr schmerzten als alles andere. Ich kämpfe noch heute immer wieder mit Wut und habe das Gefühl, noch etwas nachholen zu müssen.
  
10) Vermittelt mir mein Umfeld das Gefühl versagt zu haben?
Naja, gemein waren die Kommentare „meiner“ Frauen, die ich mal betreut habe: „Jetzt weißt du auch mal, wie das ist!“
 
11) Meine Meinung zum Thema Kaiserschnitt:
Natürlich darf man nie vergessen, dass der KS Leben rettet und Frauen ermöglicht, ihre Kinder gesund auf die Welt zu bringen, die noch vor wenigen Jahren nicht überlebt hätten. Für diese Möglichkeit bin ich dankbar, aber ich finde es unverantwortlich, wenn in den Medien (durch Prominente KS-Frauen) der KS verherrlicht wird. „Save your Love Channel!“. Es ist und bleibt eine große Bauch-OP mit allen Risiken, Schmerzen und Nachfolgen. Vor allem Frauen, die mit einem Wunsch-KS liebäugeln werden oft nicht ausreichend über die Schmerzen im Wochenbett, Probleme beim Stillen, gestörte Mutter-Kind-Beziehung, Narben-Probleme aufgeklärt und sind dann erschrocken über die Nachfolgen. Entscheiden sollte das jede Frau selbst, aber gut aufgeklärt.
 
12) Meine Kaiserschnitt-Narbe(n) ist 14 cm lang.
 
13) Spüre ich meine Kaiserschnitt-Narbe(n)?
Eigentlich nicht mehr, aber Sie erinnert mich immer wieder daran und das schmerzt.
Bei der 2. Entbindung waren die Wehen dort sehr schmerzhaft zu spüren, was mir große Angst gemacht hat und den Schmerz so unnatürlich machte.
 
14) Finde ich meine Kaiserschnitt-Narbe(n) hässlich?
Ja, sie ist schief, der Bauch verbeult.
 
15) Habe ich sie gepflegt / behandeln lassen?
Viel probiert, ohne große Erfolge.
 
Wir stellen genau die gleichen Fragen wie im Buch “Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht” – in Kooperation mit edition riedenburg, dem Verlag des Kaiserschnittbuchs.
 
Kaiserschnittbuch