Kaiserschnitt Fragebogen Userin 006

1) Ich habe 1 Kind zur Welt gebracht, davon durch Kaiserschnitt 1. 2) Beruf: Medizinische Fachangestellte 3) Wenn ich das Wort “Kaiserschnitt” höre, fallen mir spontan folgende Begriffe ein: meine Art der Entbindung, OP, polarisierendes Thema, Routineeingriff, Schmerzen, Baby. 4) Die Geburt meines/r Kindes/r Geplanter Kaiserschnitt: Ablauf ist ja bekannt. Keine Probleme gehabt. Spinale gut gewirkt. Klassische Musik […]

1) Ich habe 1 Kind zur Welt gebracht, davon durch Kaiserschnitt 1.

2) Beruf: Medizinische Fachangestellte

3) Wenn ich das Wort “Kaiserschnitt” höre, fallen mir spontan folgende Begriffe ein: meine Art der Entbindung, OP, polarisierendes Thema, Routineeingriff, Schmerzen, Baby.

4) Die Geburt meines/r Kindes/r

Geplanter Kaiserschnitt: Ablauf ist ja bekannt. Keine Probleme gehabt. Spinale gut gewirkt. Klassische Musik im OP, sehr nettes Team. Nichts gespürt. Aufgeregt, Angst, Zittern. Kind  nach Check-Up auf die Brust bekommen bis zum Ende der OP, Papa weint, Kind blinzelt zuckersüß aus dem Handtuch. Kennenlernen, Stillversuche und Kuscheln im Kreissaal. Wie üblich dann mehrere Tage sehr starke Schmerzen gehabt, Mittel bekommen, wurden von Tag zu Tag besser. Familienzimmer deswegen mit Papa gehabt, viel Hilfe gebraucht und bekommen, Bonding geteilt. Insgesamt Geburt + Aufenthalt schmerzhaftes, aber  positives Erlebnis.
 
5) Die Indikation(en) = Gründe für meine Sectio(nes):
Persönliche Gründe: Angststörung und Darmerkrankung in meiner Anamnese. Und weil ich ihn wollte.
 
6) Hatte  ich Angst vor dem Geburtsschmerz / einer Dammverletzung?
Ja, sehr. Unter (vielem) anderem.
 
7) Hätte ich gerne vaginal entbunden?
Nein.
 
8) War der Kaiserschnitt für mich die ideale Form der Geburt?
Ja. Wobei ideal nicht der richtige Ausdruck ist.
 
9) Habe ich den Kaiserschnitt als Trauma empfunden?
Nein. Ich hatte mich ja im Vorfeld über jedes auch noch so kleine Detail genau informiert.
 
10) Vermittelt mir mein Umfeld das Gefühl versagt zu haben?
Nein, glücklicherweise nicht. Mit einem Umfeld, das mir ein so unsinniges Gefühl geben würde, würde ich mich nicht umgeben.
 
11) Meine Meinung zum Thema Kaiserschnitt:
 
Was die medizinischen Indikationen angeht, empfinde ich ihn als Segen. Es ist zwar eine größere Operation mit allem was dazu gehört, aber es ist auch ein schneller Routine-Eingriff, der Leben retten kann.
 
Was gewünschte KS angeht sollte man zwischen Frauen mit einer “Null-Bock”-Einstellung und Frauen mit wirklicher, völlig über das normale Maß hinausgehender, Panik (vor einer Spontangeburt) unbedingt unterscheiden. Beide sollten gut über Pro und Contra aufgeklärt und beraten werden, am Besten von Arzt UND Hebamme. Sollte der unbedingte Wunsch nach einem KS weiterbestehen,  sollte das respektiert werden. Es sollte auf keinen Fall jemals eine Frau für ihren Geburtmodus verurteilt werden. Ich empfinde es als schlimm und  traurig und unnötig, wenn Frauen wegen eines KS (egal welche Gründe er auch hatte ) unter Versagergefühlen leiden und deswegen evtl sogar in Therapie gehen müssen. Die Zahl solcher Frauen, ist meines Erachtens erschreckend hoch, im Gegensatz zu der doch relativ geringen Zahl, die sich für einen WKS entscheidet.
 
Es ist doch da auch irgendwie ein Fehler im Umgang mit dem Thema KS in unserer Gesellschaft passiert. “Versagt” haben, keine Geburt selbst ” gemeistert” haben usw, das wird teilweise richtig eingeredet. Es ist ein unglaublicher, befremdlicher Druck unter Frauen entstanden. Und leider arbeiten viele Hebammen nicht daran, den Frauen mit (unfreiwilligen) Kaiserschnitten Mut zu machen und ihnen einzuschärfen, dass sie trotzdem etwas Gigantisches vollbracht haben und es sie im Mutterdasein nicht von den anderen unterscheidet. Sondern sie kämpfen lieber dauernd so massiv gegen den WKS/KS (was man ja teilweise verstehen kann), dass sie oft der Schwarzmalerei und Ängsteschürerei verfallen. Mit genauer Auflistung von den viiielen Nachteilen für Mutter und Kind. Und vergessen dabei aber gerne, wie sich dann Frauen nach einem Notkaiserschnitt (oder einem baldigen KS) mit solchen einseitigen Informationen fühlen müssen.
Natürlich darf man den KS nicht bagatellisieren, es sollte immer ausführlich aufgeklärt und beraten werden. Aber objektiv. (Und irgendwo eine WIRKLICH objektive Information darüber zu bekommen) z.B. könnte man im Geburtsvorbereitungskurs wenigstens einmal kurz beruhigend über die Sectio aufklären, in welchen Fällen das unter der Geburt mal passieren kann, wie es dann abläuft und dass die Mütter dann genauso stolz sein können und es sowohl Mutter und Kind meist gut geht. Frauen legen das, was eine Hebamme ihnen sagt meist auf eine Goldwaage. Das heißt Letztere hat die Psyche der Frau vor, während und nach der Geburt, komplett in der Hand. Leider wissen nicht alle mit dieser Verantwortung umzugehen.
 
Zusammenfassend kann man sagen, dass der KS natürlich nicht zu einer gängigen Alternative werden sollte und unter normalen Umständen die Spontangeburt immer angestrebt werden sollte. Trotzdem sollte man Verständnis und Toleranz für Einzelfälle, andere Charaktere, Psychen und Bedürfnisse haben. Zum Muttersein gehört soviel mehr als die Entbindungsart. Und es sollte unbedingt etwas für die Psychen der Frauen mit unfreiwilligen Kaiserschnitten getan werden. Am besten präventiv!
 
12) Meine Kaiserschnitt-Narbe(n) ist/ sind ca. 10 cm lang
 
13) Spüre ich meine Kaiserschnitt-Narbe(n)?
Nein. Wobei es manchmal etwas juckt.
 
14) Finde ich meine Kaiserschnitt-Narbe(n) hässlich?
Nein! Ehrlich gesagt, fand ich schon immer, dass diese aussehen wie Lachmünder. Meine Narbe habe ich sogar sehr gerne und ich bin stolz auf sie, denn das war die Ausgangstür in die Welt für mein Kind. Das ist für mich eine Erinnerung. (Außerdem ist sie ja so schmal und versteckt, sieht ja kein Mensch)
 
15) Habe ich sie gepflegt / behandeln lassen?
Nur am Anfang mit Traumeel von der Hebamme. Später hat eine kleine Stelle etwas genässt, was mit Tyrosur Puder schnell verschwand.
 
Wir stellen genau die gleichen Fragen wie im Buch “Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht” – in Kooperation mit edition riedenburg, dem Verlag des Kaiserschnittbuchs.
 
Kaiserschnittbuch