Kaiserschnitt-Fragebogen Userin 003

1) Ich habe 1 Kind zur Welt gebracht, davon durch Kaiserschnitt 1. Ich bin derzeit in der 33. Woche schwanger und strebe eine Spontangeburt an 2) Beruf: Kauffrau in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft 3) Wenn ich das Wort “Kaiserschnitt” höre, fallen mir spontan folgende Begriffe ein: Versagen, Trauma, Operation, falsche Vorstellung der Gesellschaft dem Kaiserschnitt gegenüber, aber auch […]

1) Ich habe 1 Kind zur Welt gebracht, davon durch Kaiserschnitt 1. Ich bin derzeit in der 33. Woche schwanger und strebe eine Spontangeburt an

2) Beruf: Kauffrau in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft

3) Wenn ich das Wort “Kaiserschnitt” höre, fallen mir spontan folgende Begriffe ein: Versagen, Trauma, Operation, falsche Vorstellung der Gesellschaft dem Kaiserschnitt gegenüber, aber auch Rettung von Mutter und Kind

4) Die Geburt meines/r Kindes/r
Ich hatte einen Blasensprung nachts um 3 Uhr ohne Wehen. Im Krankenhaus wurde erst ein Einlauf gemacht, um die Wehen in Gang zu bekommen. Anschließend wurde ich ins Zimmer geschickt. Um sieben kam die Oberhebamme und sagte, bei den unregelmäßigen Wehen und bei dem Blasensprung müsste ich nun an den Wehentropf. Aber beim Wehentropf würden sie immer eine PDA machen. Ich bekam dann eine PDA und anschließend den Wehentropf aber mit der PDA waren die Wehen komplett weg. Dann wurde beschlossen, dass ein KS nötig sei, da das Kind nicht richtig im Becken ist, und es sowohl ihm als auch mir noch gut ging. Ich habe geweint und hatte fürchterliche Angst. Ich wurde dann in den OP im Kellergeschoss gebracht, die PDA wurde verstärkt. Während der OP dachte ich mehrfach, dass ich Sterben würde: erst bekam ich keine Luft, dann merkte ich, wie ich aufgeschnitten wurde. Dann dachte ich wieder, ich ersticke, als die Ärzte auf meinen Bauch herumdrückten. Dann geriet ich in Panik, weil ich dachte, dass mein Kind behindert ist: die Ärzte scherzten: “Kein Wunder, dass es nicht raus wollte – bei dem großen Kopf” – ich verstand: “…bei dem Wasserkopf!”. Mein Kind wurde mir kurz gezeigt, jedoch konnte ich mich daran über ein Jahr nicht mehr erinnern.
Dann kam es weg in den Kreißsaal und ich regte mich so auf, dass ich mit einem Beruhigungsmittel ruhig gestellt wurde. Dann kam ich langsam wieder zu mir und alles drehte sich. Ich habe immer wieder gedacht und gesagt, dass ich sterbe. Es war das Schlimmste, was ich je erlebt habe und es war ein unwürdiges Ende einer schönen Schwangerschaft und ein unwürdiger Beginn des Mutterseins. Meines Erachtens war der KS verfrüht, ich habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für mich oder mein Kind gesehen und gehe davon aus, dass der KS provoziert worden ist.
 
5) Die Indikation(en) = Gründe für meine Sectio(nes):
Laut Mutterpass: vorzeitiger Blasensprung, Geburtsstillstand in der Eröffnungsphase, relatives Missverhältnis (Kind wog 4.105 g bei 55 cm).
 
6) Hatte  ich Angst vor dem Geburtsschmerz / einer Dammverletzung?
Nein, nie
 
7) Hätte ich gerne vaginal entbunden?
Ja, und in dieser Schwangerschaft werde ich alles versuchen, das Kind spontan zu bekommen.
 
8) War der Kaiserschnitt für mich die ideale Form der Geburt?
Nein, in meinem Fall nicht.
 
9) Habe ich den Kaiserschnitt als Trauma empfunden?
Ja, ich leide heute noch darunter. Ich habe lange Zeit jeden Tag geweint, nachts vom Sterben geträumt, mich als komplette Versagerin gefühlt (ich konnte leider auch nicht Stillen, mangelnde Unterstützung seitens des Krankenhauspersonals und meiner Umgebung). Ich habe eine kognitive Verhaltenstherapie begonnen und eine Körperpsychotherapie gemacht. Beides hat mir sehr geholfen. Seit der Körperpsychotherapie bestimmt mich das Trauma nicht mehr und die “seelische” Narbe ist recht gut verheilt.
 
10) Vermittelt mir mein Umfeld das Gefühl versagt zu haben?
Teils ja, teils nein. “Spontanmütter” gaben mir oft das Gefühl, keine “richtige” Mutter zu sein und was ganz Wichtiges verpasst zu haben.
 
11) Meine Meinung zum Thema Kaiserschnitt:
Er wird in der Gesellschaft und in den Medien bagatellisiert und als der “bequemere” und “sichere” Geburtsweg dargestellt. Außerdem wird meiner Meinung nach zu oft zu schnell ein KS durchgeführt. In wirklichen Notfällen bzw. wenn es wirkliche Idikationen für einen KS gibt, ist er natürlich der einzige und richtige Geburtsweg.
 
12) Meine Kaiserschnitt-Narbe(n) ist/ sind ca. 15 cm lang
 
13) Spüre ich meine Kaiserschnitt-Narbe(n)?
Ich habe sie immer beim Sport, speziell Bauchmuskelübungen, gespürt. Bis zur ca. 20. SSW meiner jetztigen Schwangerschaft hat sie oft geziept und gejuckt.
 
14) Finde ich meine Kaiserschnitt-Narbe(n) hässlich?
Ja. Die Schwangerschaftsstreifen stören mich dagegen gar nicht, obwohl andere Personen sie natürlich auch mal zu Sehen bekommen, jedoch sind sie natürlich entstanden und wurden mir nicht wie die Narbe mit Gewalt zugefügt.
 
15) Habe ich sie gepflegt / behandeln lassen?
Ich habe sie mit Narbensalbe behandel, leider zu spät. Nun massiere ich sie täglich mit Jonen-Salbe ein, damit sie für die bevorstehende Geburt gestärkt wird.
 
Wir stellen genau die gleichen Fragen wie im Buch “Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht” – in Kooperation mit edition riedenburg, dem Verlag des Kaiserschnittbuchs.
 
Kaiserschnittbuch