Kaiserschnitt-Fragebogen Userin 056

“Für mich ist die Sectio die optimale Form der Entbindung. Leider wird der Kaiserschnitt von vielen Leuten wirklich schon verachtet. Von wegen keine Bindung zum Kind, nicht das Gefühl etwas zur Geburt beigetragen zu haben. Ich finde es toll, dass es zur heutigen Zeit diese Form der Geburt gibt!” schreibt Userin 056 im Kaiserschnitt-Fragebogen.

1) Ich habe 1 Kind zur Welt gebracht, davon durch Kaiserschnitt 1.

2) Beruf: Medizinerin

3) Wenn ich das Wort “Kaiserschnitt” höre, fallen mir spontan folgende Begriffe ein: schmerzfreie Geburt, von der Gesellschaft aber leider nicht wirklich akzeptiert

4) Die Geburt meines Kindes

Als ich von meiner Schwangerschaft erfuhr war ich erstmals sehr schockiert. Ich wollte nie Kinder und eigentlich in meinem Job Karriere machen. Also musste ich mich mit dieser Situation auseinander setzen und mich damit anfreunden, bald Mama zu sein. Für manche Mütter wird das jetzt sicher sehr hart und gefühlskalt klingen, aber in meiner Lage war es anfänglich wirklich
unheimlich schwierig.
 
Zum Glück ging mein Gynäkologe intensiv auf mich ein und nach einem langen, ausführlichen Aufklärungsgespräch über die verschiedenen Geburtsvarianten stand für mich fest, es wird ein Wunschkaiserschnitt, eine geplante Sectio. Mein Arzt versicherte mir auch, er würde höchstpersönlich die Sectio durchführen. Das gab mir ein sehr gutes Gefühl, die gewisse Sicherheit des Vertrauens, denn mein Facharzt ist Primar von 3 Landeskrankenhäusern in unserer Region ( also Chefarzt und
Stationsleiter. Ich lebe in Österreich, da sind die Begriffe ein wenig anders ). Somit legten wir den Geburtstermin in die 38. SS, also auf den 18.02.2011, 10.30 Uhr.
 
Doch…. unverhofft kommt oft! Bereits am 17.02. bekam ich am Abend leichte Wehen, welche sehr schnell sehr heftig wurden.
Also fuhr mich mein Lebensgefährte um 22.30 Uhr ins LKH. Fazit: Der Muttermund war bereits 2 cm geöffnet und die Wehen wurden immer stärker. Sofort wurden die OP Vorbereitungen getroffen und mein Arzt telefonisch über mein vorzeitiges Erscheinen informiert (ein Chef macht ja bekanntlich keine Nachtdienste). Als er dann kurze Zeit später in die Klinik kam war die erste, sehr humorvolle Aussage : “Sie wollten wohl doch nicht bis in der Früh warten!”. Na ja, ich schon, aber mein liebes Kind hatte es wohl eiliger, als wir geplant hatten.
 
Nun ging es recht schnell in den OP, wo das OP Team mich schon erwartete. Und der OP-Pfleger, ein Bekannter von uns…. das war wohl purer Zufall. Somit war klar, bei diesem Team konnte nur gescherzt werden während des Eingriffes. Und genau so kam es.
 
Die Narkoseärztin setzte die Spinalanästhesie, ich wurde an das EKG angeschlossen, bekam mehrere Infusionen und bekam den Blutdruckmesser zur 3minütigen Überwachung angehängt. Der Primar kam und eröffnete um 1.25 Uhr die Bauchdecke und um 1.27 Uhr hörte ich ein kurzes Schreien. Meine Tochter war auf der Welt. Die Kinderkrankenschwester übernahm meinen kleinen Erdling, ich bekam sie kurz zu sehen und dann ging es ab zur Erstversorgung, dann zum Papa,welcher die Restnabelschnur durchtrennte, das erste Bad begleitete und die erste Flasche geben durfte, da Stillen aus medizinischen Gründen nicht möglich war. In dieser Zeit wurde ich vernäht und führte noch interessante Gespräche mit dem OP Personal.
 
Ich wurde zurück in den Kreißsaal gebracht, wo ich noch 3 Stunden nachliegen musste. In dieser Zeit konnten mein Partner und ich uns ganz unserer kleinen STEPHANIE SOPHIE widmen. Da ich keinerlei Probleme oder Schmerzen hatte, ließ uns die Hebamme auch in Ruhe.
 
Um halb fünf in der Früh wurde ich dann auf Station gebracht und bereits um halb neun kam mein Arzt zur persönlichen Kontrolle. Der Harnkatheter wurde gezogen und ich durfte vorsichtig aufstehen.
 
Von Schmerzen und anderen “Nebenwirkungen” blieb ich verschont und habe bis heute auch keine Probleme oder Komplikationen davon getragen.
 
Meine Erfahrung der Sectio: Eine schnelle und schmerzfreie Geburt, das OP Team war trotz später, oder früher Stunde sehr freundlich und es fehlte nicht an Motivation. Sicher ist es nicht jedermanns Geschmack, mit soviel Humor und guter Laune den Kaiserschnitt zu durchleben, aber ich würde jederzeit wieder diese Form der Geburt wählen.

5) Die Indikation(en) = Gründe für meine Sectio(nes): Wunschsectio

6) Hatte  ich Angst vor dem Geburtsschmerz / einer Dammverletzung? Da die Sectio geplant war, habe ich mich damit nie auseinander gesetzt, aber die Wehen, welche ich vorher hatte, haben mir vollkommen gereicht.

7) Hätte ich gerne vaginal entbunden? Nein, niemals, da ich für mich persönlich eine vaginale Geburt sehr entwürdigend finde.

8) War der Kaiserschnitt für mich die ideale Form der Geburt? Absolut.

9) Habe ich den Kaiserschnitt als Trauma empfunden? Überhaupt nicht
 
10) Vermittelt mir mein Umfeld das Gefühl versagt zu haben? Nein, allerdings möchten viele wissen, wieso ich die Sectio gewählt habe. 
 
11) Meine Meinung zum Thema Kaiserschnitt: 

 
Für mich ist die Sectio die optimale Form der Entbindung. Leider wird der Kaiserschnitt von vielen Leuten wirklich schon verachtet. Von wegen keine Bindung zum Kind, nicht das Gefühl etwas zur Geburt beigetragen zu haben. Ich finde es toll, dass es zur heutigen Zeit diese Form der Geburt gibt, denn bei den medizinischen Fortschritten ist es absolut kein Muss mehr Schmerzen zu erleiden. Und nur weil man einen Kaiserschnitt hatte, heißt es noch lange nicht, dass man sein Kind nicht liebt!
 
12) Meine Kaiserschnitt-Narbe(n) ist 15 cm lang.
 
13) Spüre ich meine Kaiserschnitt-Narbe(n)? Nein, obwohl es erst 5 Wochen her ist .
 
14) Finde ich meine Kaiserschnitt-Narbe(n) hässlich? Nein, sie erinnert mich immer wieder an die Geburt meiner Tochter 
 
15) Habe ich sie gepflegt / behandeln lassen? Ja, mit einer in der Apotheke erhältlichen Salbe.

 

 

 

Wir stellen genau die gleichen Fragen wie im Buch “Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht” – in Kooperation mit edition riedenburg, dem Verlag des Kaiserschnittbuchs.
 
Kaiserschnittbuch