Kaiserschnitt-Fragebogen Userin 047

1) Ich habe 2 Kinder zur Welt gebracht, davon durch Kaiserschnitt 2. 2) Beruf: Dipl. Sozialpädagogin 3) Wenn ich das Wort “Kaiserschnitt” höre, fallen mir spontan folgende Begriffe ein: : Alternative, Hilfe, Ende des Leidens, schmerzfreie Geburt, wird gesellschaftlich nicht als Geburt akzeptiert. Geplanter Kaiserschnitt = Vorfreude, nimmt Angst, einschätzbar. Notkaiserschnitt = entmündigend, hektisch. 4) Die Geburt meines […]

1) Ich habe 2 Kinder zur Welt gebracht, davon durch Kaiserschnitt 2.

2) Beruf: Dipl. Sozialpädagogin

3) Wenn ich das Wort “Kaiserschnitt” höre, fallen mir spontan folgende Begriffe ein: : Alternative, Hilfe, Ende des Leidens, schmerzfreie Geburt, wird gesellschaftlich nicht als Geburt akzeptiert.

Geplanter Kaiserschnitt = Vorfreude, nimmt Angst, einschätzbar.

Notkaiserschnitt = entmündigend, hektisch.

4) Die Geburt meines Kindes

Beim ersten Kind wurde die Geburt wegen Blutungen  nach 8 Tagen über Entbindungstermin im Krankenhaus eingeleitet. Nach 10 Stunden Wehen, einer PDA und weiteren 7 Stunden Wehen entschied sich das Krankenhausteam für den Kaiserschnitt, da die Herztöne meines Sohnes sehr schlecht wurden und ich Fieber bekam. Leider ging alles sehr schnell und es blieb sehr wenig Zeit, uns in angemessener Form auf das vorzubereiten, was auf uns zukommen würde, so dass ich mich sehr überrumpelt fühlte und im Nachhinein das Gefühl hatte, wesentliche Momente verpasst zu haben. Über die Tatsache, nicht vaginal entbinden zu müssen war ich allerdings schon während der Operation sehr dankbar. Trotzdem hatte ich monatelang das Gefühl, den Höhepunkt der Geburt nicht ausreichend miterlebt zu haben.

Beim zweiten Kind hatte ich eine Woche lang täglich Wehen, so dass der Muttermund schon 4 cm geöffnet war. Die Geburt kam aber nicht in Gang. Mit einem vorhergegangenen Kaiserschnitt hätte das Krankenhaus schon nach 7 Tagen einleiten wollen. Aufgrund schlechter Erfahrungen bei der ersten Geburt wollte ich eine Einleitung unbedingt umgehen. Deshalb, wegen meiner Angst vor einer vaginalen Geburt und wegen eines unguten Gefühls meinerseits, die Gesundheit des Babys betreffend, entschied ich mich schließlich 4 Tage nach errechnetem Entbindungstermin für einen geplanten Kaiserschnitt.

Am nächsten Tag, kam auch mein zweiter Sohn in einem Operationssaal zur Welt. Dieses Mal betrat ich den OP freiwillig und zu Fuß und erlebte alles, was geschah ganz bewusst. Hilfreich war auch, dass ich dieses Mal wusste, was passieren würde. Sehr beglückend empfand ich den Moment, als der Kleine rausgedrückt wurde. In meiner Wahrnehmung war dies eine „richtige“ und schöne Geburt, die bezüglich ihrer Wertigkeit einer vaginalen Geburt in Nichts nachsteht.

5) Die Indikation(en) = Gründe für meine Sectio(nes): 1. Sectio: Geburtsstillstand nach Einleitung
2. Sectio: Drohende Einleitung, Angst vor vaginaler Geburt (böse Vorahnung)

6) Hatte  ich Angst vor dem Geburtsschmerz / einer Dammverletzung? Ja – deutlich mehr als vor der Operation.

7) Hätte ich gerne vaginal entbunden? Nein! Auch wenn beide Male eine vaginale Geburt vorgesehen war, war ich erleichtert über die Kaiserschnitte.

8) War der Kaiserschnitt für mich die ideale Form der Geburt?
Ja, defnitiv!
 
9) Habe ich den Kaiserschnitt als Trauma empfunden?
Den ersten Kaiserschnitt schon, da keine Zeit war, die Situation zu erfassen und ich nicht mit einem Kaiserschnitt gerechnet hatte. Der zweite Kaiserschnitt hat mich allerdings mit dem ersten versöhnt.
 
10) Vermittelt mir mein Umfeld das Gefühl versagt zu haben?
Nein, das Gefühl versagt zu haben, habe ich nicht! In beiden Fällen erfolgten die Kaiserschnitte zum Schutz meiner Kinder. Nachträglich wurde mir beides Mal von der Frauenärztin bestätigt, dass der Kaiserschnitt die bessere Wahl war.
Allerdings vermittelt mir mein Umfeld das Gefühl, bemitleidet werden zu müssen. In den Vorbereitungskursen wird der Kaiserschnitt als Geburt 2. Klasse und der Wunsch danach als falsch dargestellt. Nur der Notkaiserschnitt ist moralisch zu vertreten – aber auch hier wird davon ausgegangen, dass die Mutter keine positive Einstellung zu ihrer Sectio entwickeln kann.
 
Wunschkaiserschnitte kommen in der Welt der Geburtsvorbereitung leider schlichtweg nicht vor. Mütter die sich bewusst für einen Kaiserschnitt entscheiden, werden wie verantwortungslose, selbstsüchtige Verwirrte behandelt, die unbedingt missioniert werden müssen. 
 
11) Meine Meinung zum Thema Kaiserschnitt:
Der Kaiserschnitt ist eine gleichwertige Form der Geburt und sollte gesellschaftlich aufgewertet werden. Würden werdende Mütter prophylaktisch besser auf das Szenario eines eventuellen Notkaiserschnitts vorbereitet, könnten diese sicher besser damit umgehen. Meiner Erfahrung nach ist ein Kaiserschnitt nur dann traumatisch, wenn man sich nicht genügend auf ihn vorbereiten konnte und man von den Geschehnissen und der Hektik im OP überrumpelt wird.
Ein Kaiserschnitt, den man sich gewünscht hat, bei dem man weiß, was auf einen zu kommt und der entsprechend zelebriert wird, kann ein ganz besonderes, beglückendes Erlebnis sein.
 
12) Meine Kaiserschnitt-Narbe(n) ist 14 cm lang.
 
13) Spüre ich meine Kaiserschnitt-Narbe(n)?
Nein, keinerlei Gefühl im Narbenbereich.
 
14) Finde ich meine Kaiserschnitt-Narbe(n) hässlich?
Nein, bin stolz auf sie und empfinde sie als eine Art Trophäe.
 
15) Habe ich sie gepflegt / behandeln lassen?
Nein.
 
Wir stellen genau die gleichen Fragen wie im Buch “Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht” – in Kooperation mit edition riedenburg, dem Verlag des Kaiserschnittbuchs.
 
Kaiserschnittbuch