Kaiserschnitt-Fragebogen Userin 045

1) Ich habe 1 Kind zur Welt gebracht, davon durch Kaiserschnitt 1. 2) Beruf: Sachbearbeiterin 3) Wenn ich das Wort “Kaiserschnitt” höre, fallen mir spontan folgende Begriffe ein: Entbindung, Schmerzen, keine Verbundenheit zum Kind 4) Die Geburt meines Kindes Der 06.07. wurde als Entbindungstermin ermittelt und ich war mittlerweile eine Woche drüber. Da wir kurz vorher noch umgezogen […]

1) Ich habe 1 Kind zur Welt gebracht, davon durch Kaiserschnitt 1.

2) Beruf: Sachbearbeiterin

3) Wenn ich das Wort “Kaiserschnitt” höre, fallen mir spontan folgende Begriffe ein: Entbindung, Schmerzen, keine Verbundenheit zum Kind

4) Die Geburt meines Kindes

Der 06.07. wurde als Entbindungstermin ermittelt und ich war mittlerweile eine Woche drüber. Da wir kurz vorher noch umgezogen sind und ich keine Beschwerden hatte, habe ich noch fleißig Kartons ausgepackt und bin die Leiter hoch und runter, um die ganzen Sachen zu verstauen. In der Nacht zum 14.07. wurde ich dann von den ersten heftigeren Wehen geweckt. Als sie alle 10 Min kamen, hab ich meinen Freund geweckt, welcher mich erstmal in die Wanne gesteckt hat, um zu sehen, ob es kein Fehlalarm ist. Danach habe ich noch versucht, zu frühstücken, aber ohne großen Erfolg. Bis auf 2-3 Bissen ging nichts runter. Als die Wehen alle 7 Min kamen sind wir endlich los in Richtung Krankenhaus. Dort kamen wir nach einer guten dreiviertel Stunde an, mit Wehen im 2-minütigen Abstand. Aber sowie ich am CTG hing, wurden die Abstände wieder größer. Da wir so einen weiten Weg nach Hause hatten, wurde ich gleich stationär aufgenommen. Im Laufe des Tages wurden die Wehenabstände immer größer.

Am Abend wollte mir eine Schwester eigentlich noch ein Mittel bringen, damit ich noch etwas schlafen und neue Kraft tanken kann. Das muss sie allerdings vor lauter Vorfreude auf ihren Dienstschluss ganz vergessen haben. Gegen 22 Uhr wurden die Wehen wieder heftiger. Meine Schwester half mir mit Kreuzmassage und Beckenkreisen, aber es wurde immer schlimmer. Also hieß es ab in den Kreißsaal. Nach weiteren endlosen Stunden bekam ich eine Spritze, damit ich wenigstens zwischen den Wehen schlafen kann. Ich musste zahllose Untersuchungen über mich ergehen lasse, bis gegen 2 Uhr endlich die Fruchtblase geplatzt ist. Der Muttermund öffnete sich bis auf 7 cm. Danach ging nichts mehr. Der Kindskopf steckte fest, der Muttermund ging wieder zu und ich war auch am Ende meiner Kräfte. Daher entschieden wir uns für einen Not – Kaiserschnitt unter Vollnarkose. Allerdings nicht ohne das das halbe Personal mich noch einmal untersuchen musste. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Bin von einer Pritsche auf die nächste und wurde dann im OP angeschnallt. Ich kam mir vor wie ein totes Schwein. Es kamen die ersten Presswehen, als endlich die Narkose wirkte. Um 6.55 Uhr des 15.07. wurde mein Sohn entbunden und ich erinnere mich noch an die ersten Sekunden, die ich mehr oder weniger wach war und gefragt wurde, ob er angelegt werden darf. Danach haben wir erstmal einige Stunden geschlafen.

Während des gesamten Krankenhausaufenthaltes hat mein kleiner Schatz mit in meinem Bett geschlafen. Ich habe ihn gestreichelt, liebkost, beobachtet. Dennoch hieß er immer „das Kind“. Es war furchtbar. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es MEIN Kind war. Dass er zu mir gehört. Und dieses blöde Gefühl ging auch erst Wochen später weg. Ich könnte heute noch weinen, wenn ich daran denke. Und ich habe Angst, dass ich noch immer keine Bindung zu meinem Kind aufbauen konnte. Ich denke, bei einer natürlichen Entbindung ist das anders.  Teilweise habe ich heute noch das Gefühl, versagt zu haben. Meinem Kind nicht die Möglichkeit einer spontanen Geburt gegeben zu haben.

5) Die Indikation(en) = Gründe für meine Sectio(nes): Geburtsstillstand, Muttermund hat sich wieder geschlossen, Kindskopf steckte fest, Erschöpfung der Mutter

6) Hatte  ich Angst vor dem Geburtsschmerz / einer Dammverletzung? Nein (jedenfalls nicht bewusst)          

7) Hätte ich gerne vaginal entbunden? Ja

8) War der Kaiserschnitt für mich die ideale Form der Geburt?
Im Nachhinein: Ja.
 
9) Habe ich den Kaiserschnitt als Trauma empfunden?
Am Anfang ja.
 
10) Vermittelt mir mein Umfeld das Gefühl versagt zu haben?
Nein, nur ich selbst.
 
11) Meine Meinung zum Thema Kaiserschnitt: Sollte nur im Notfall erfolgen oder wenn für Mutter und Kind ein erhöhtes Risiko bei natürlicher Entbindung besteht.
 
12) Meine Kaiserschnitt-Narbe(n) ist 20 cm lang.
 
13) Spüre ich meine Kaiserschnitt-Narbe(n)?
Nur, wenn ich sie berühre.
 
14) Finde ich meine Kaiserschnitt-Narbe(n) hässlich?
Nein.
 
15) Habe ich sie gepflegt / behandeln lassen?
Regelmäßig eingecremet und eingeölt.
 
Wir stellen genau die gleichen Fragen wie im Buch “Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht” – in Kooperation mit edition riedenburg, dem Verlag des Kaiserschnittbuchs.
 
Kaiserschnittbuch