Zeitumstellung: ein Plädoyer für die Abschaffung (und eine einfache Merkregel für Eltern)

Wir von der Redaktion der liliput-lounge.de sehen der Zeitumstellung in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit Bangen entgegen. Halbjährlich kämpfen wir mit den Zeigern und den Folgen der Umstellung – wem geht es noch so?

Es ist wieder so weit. Die Uhren werden am Sonntag umgestellt. Vor – oder zurück? Bis vor kurzem konnte ich es mir nicht merken. Aber es gibt eine einfache Faustregel:

Wird es warm, werden im Frühjahr die Stühle vor das Haus gestellt (auf den Balkon oder die Terrasse). Also wird die Uhr auch vor gestellt. Wir „verlieren“ also eine Stunde bei der Umstellung. Im Herbst werden die Stühle wieder zurück in den Keller gestellt. Die Uhr also wieder zurück gestellt und wir dürfen eine Stunden länger schlafen.
Für Eltern ist es aber meist so oder so stressig, denn der jüngere Nachwuchs kann noch keine Uhr lesen und wird nun einmal immer um die gleiche Zeit wach.

Zeitumstellung auf die Sommerzeit - eine Eselsbrücke, die man sich merken kann (© Grafik liliput-lounge, Foto: Thinkstock)

Zeitumstellung auf die Sommerzeit – eine Eselsbrücke, die man sich merken kann (© Grafik liliput-lounge, Foto: Thinkstock)

Ich kann mich nur langsam an eine neue Zeit gewöhnen. Und ich bin da nicht allein. Die DAK-Gesundheit hat eine Umfrage in Auftrag gegeben,  71 Prozent der Befragten halten die Zeitumstellung für überflüssig und wollen sie am liebsten abschaffen.

Etwa jeder Vierte kämpft laut der Umfrage mit den Folgen der Uhrenumstellung. Eltern und Berufstätige sind da besonders belastet. Es ist nicht leicht, den Zeitrhythmus umzustellen. Die Tage scheinen nun reichlich lang und im Kinderzimmer ist es zur Schlafenszeit noch hell, wenn man Pech hat.

Hier eine Aufzeichnung vom letzten Jahr – Herbst oder Frühjahr? Ratet mal …

Heute morgen klingelte der Wecker um 6.30 Uhr und ich wusste sofort: Ich stehe nicht auf. Keinesfalls werde ich dieses kuschelige warme Bett schon um 5.30 Uhr verlassen. Denn das war die Echtzeit. Echt fies, dass ich so früh hoch muss. Menschenfeindlich. Plötzlich ein Gedanke: Habe ich denn den Wecker wirklich richtig umgestellt? Die Stunden wird doch wegfallen, oder? Ich wecke meinen Mann. „Du,“ sage ich. „Ich habe gestern alle Uhren eine Stunde vor gestellt. Ist doch richtig, oder?“ „Hmpf,“ lautet die Antwort.

Plötzlich springt er aus dem Bett. „Wie vorgestellt? Ich hatte doch die Uhren schon eingestellt. Und zwar eine Stunde zurück. Wie spät ist es denn jetzt?“ Ich war überfragt. Dann hörte ich Gepolter im Kinderzimmer und war sicher, dass es nicht 5.30h war. Ich ging in die Küche und schaltete das Radio ein. Es doch erst halb sechs! Ich durfte wieder ins Bett.  Aber da ich wach, stellte ich die Uhren richtig. Wenigstens würden wir nicht zu spät kommen.

Die Idee, die Uhren vorher zu verstellen, hatte ich nämlich von meiner Freundin. Eva geht die Umstellung auch gehörig auf den Zeiger. Im Frühling wollte sie die Zeit austricksen und stellte alle Uhren schon am Samstagnachmittag um. Raffiniert. Der Sonntag war gemütlich und harmlos. Am nächsten Morgen kam sie gut aus dem Bett, brachte ihre Tochter in den Kindergarten und wunderte sich ein bisschen über die bösen Blicke der Erzieherinnen. Erst im Büro dann der Schock: Sie kam viel zu spät. Was passiert war? Sie hatte  die Uhren zurück gestellt. Und kam eine Stunde zu spät.

Zeitumstellung Sommerzeit

Zeitumstellung – am Sonntag darf ausgeschlafen werden (© Thinkstock)

Margitta hat mir am Telefon gestanden, dass sie sich auch schon mal um glatte zwei Stunden vertan hat. Ihr Mann und sie hatten beide die Uhren in der Nacht ordentlich gedreht. Doch in diesem Jahr kann mir nichts mehr passieren. Nach meiner Herbstverwirrung im letzten Jahr (siehe oben, das ist die Auflösung …)  bin ich in diesem Frühjahr gewappnet. Ich werde allein alle Uhren umstellen. Am Sonntagmorgen. Und mich dann vergewissern, dass die Uhrzeit stimmt.

Margitta, Eva und ich haben uns Montag nachmittag verabredet. Mal sehen, wie wir drei das hinkriegen! Ich glaube, wenn man nur Eltern befragt, würde die Zahl der Uhrumstellungsgegner noch höher ausfallen. Denn der liebe Nachwuchs weigert sich die innere Uhr sofort umzustellen. Gut, ich gebe zu, als Babymutter fand ich den Zeitenwechsel sogar nett. Der Tag fing dann nicht mehr ganz so früh an, das Baby jubelte mich „erst“ um 6 Uhr morgens hoch. Im Sommer. Der Herbst war um so fieser. Heute finde ich das Frühjahr besonders kritisch, da die Kinder morgens nicht wach werden möchten und abends nicht zur Ruhe kommen.

Schlafforscher erklären übrigens, dass Kinder den Zeitwechsel einfacher hinkriegen, wenn morgens möglichst viel Licht gemacht wird. Auch Erwachsenen soll es helfen, die innere Uhr in den richtigen Takt zu bringen. Ich bin da eher skeptisch. Denn gefühlte Zeit und angezeigte Zeit auf der Uhr sind bei mir nie so ganz identisch. Einerseits sind zwanzig Minuten im Wartezimmer einer Arztpraxis furchtbar lang – wenn mein Sohn noch schnell Schuhe anziehen soll, verfliegen zwanzig Minuten einfach so. Nee, die Sommerzeit und ich werden wohl keine Freunde mehr.  Verweise:

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