Der kleine Hund hatte dann immer grosse Angst. Er dachte, sein Herrchen würde ihn vielleicht nicht wiederfinden, weil manche Geschäfte ja mehrere Ausgänge haben. Und so kam es, dass der kleine Hund und sein Herrchen, das übrigens Thomas hiess, zum Drogeriemarkt in der Stadt liefen. Thomas wollte dort Rasierschaum und Toilettenpapier kaufen. Und seinen Hund, den er Fips nannte, liess er wie immer vor der Ladentüre. „Ich komme gleich wieder. Warte hier auf mich“, sagte Thomas zu Fips.
Fips guckte traurig und legte sich vor dem Drogeriemarkt auf den Boden. Er blieb dort einen Moment sitzen, aber als er sein Herrchen hinten im Laden auf die Rolltreppe gehen sah, hielt er es nicht mehr aus und lief ganz alleine in das Geschäft. Fips wollte unbedingt zu Thomas, er hielt es keinen Moment länger ohne sein Herrchen aus.
Aber als Fips an der Rolltreppe angekommen war, bekam er plötzlich grosse Angst. Wie sollte er dieses Teufelsdings denn betreten? Fips zauderte. Ängstlich betrachtete er die wackelnde Treppe. So etwas hatten sie nicht in dem Haus, in dem Thomas und Fips wohnten. Fips war verzweifelt. Er setzte sich vor die Rolltreppe und wartete, weil er gar nicht mehr wusste, was er tun sollte.
Zum Glück hatte eine nette Frau gesehen, wie Fips ganz zögerlich und ohne Herrchen den Drogeriemarkt betreten hatte. Sie wunderte sich, dass der Hund da hineinlief, denn eigentlich dürfen Hunde ja gar nicht in Geschäfte in der Stadt. Dann sah die Frau, dass der Hund unentschlossen vor der Rolltreppe stand und auf einmal wurde ihr klar, dass sie dem armen kleinen Hund helfen musste.
Eigentlich hatte sie – ihr Name war Christine – Angst vor Hunden. Zumindest vor grossen Hunden. Aber dieser Hund sah so lieb aus, dass sie es nicht übers Herz brachte, einfach wegzugehen. Christine lief zum Drogeriestand mit den teuren Parfums, wo ein Mitarbeiter des Ladens sie fragte, wie er ihr helfen könne.
Und da erzählte Christine die Geschichte vom kleinen Hund, der alleine vor der Rolltreppe stand. Sofort wollten zwei Leute, die in der Drogerie arbeiten, dem Hund helfen. Sie sagten „Wie bitte? Ein Hund, und ganz alleine? In unserem Laden?“ und rannten los. Ein bisschen hatten sie vielleicht auch Angst, dass der Hund ein Häufchen vor die Rolltreppe setzen würde oder jemanden beissen.
Dann hatten sie eine gute Idee: Über den Lautsprecher im Geschäft riefen sie das Herrchen von Fips aus. Und als Thomas hörte, dass ein kleiner schwarzer Hund vor der Rolltreppe im Erdgeschoss stand, ist er natürlich sofort aus dem 2. Stock zu seinem Hund herunter gerannt. Und der hat sich vielleicht gefreut! Endlich hatte er sein Herrchen wieder!
Und von diesem Tag an band Thomas seinen Hund vor dem Laden immer fest an eine Laterne oder Bank, damit so etwas nicht wieder passieren konnte. Fips wiederum hatte echt genug von Läden und Rolltreppen – von nun an blieb er brav vor dem Geschäft sitzen, wenn Thomas einkaufen ging.
Von Redakteurin Christine Finke
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