"Ich war das nicht" antwortete der Sohn Björn. "Nee, ich auch nicht!" meinte seine große Schwester. "Also wer war es dann?" fragte die Mutter überrascht. Alle waren ratlos.
Was der Familie jedoch auffiel, war das Verhalten der Hauskatze Putzi. Die lag ganz gelangweilt auf dem Stuhl neben dem Klavier, sie spitzte zwischendrin ihre Ohren und öffnete ganz kurz und lässig ihre Augen. Wusste sie mehr? Tatsächlich: Stunden später, als die Kinder auf dem Wohnzimmer verschwunden waren und nur noch die Mutter und die Katze im Haus waren, passierte etwas Seltsames. Katze Putzi schlich zum Klavier, spitzte die Ohren - und sah etwas.
Oben auf dem Klavier guckte ein kleines Etwas über die Kante zwischen Klavierwand und Klavierdeckel. Nanu? Was war das denn? Jetzt sah die Mutter es auch: Eine klitzkleine Feldmaus hatte sich hinter dem Klavier versteckt. Sie lebte dort wohl schon tagelang. Ein tolles Versteck vor der Hauskatze und den Menschen! Nachts konnte die Maus ungehindert umherlaufen und Krümel essen, wenn die Katze bei Björn im Kinderzimmer schlief. Tagsüber konnte die Maus dann schlafen.
Nun war der Nascher der Marzipanherzen entdeckt worden. Doch wie sollten sie die Maus fangen, da es nicht einmal der Katze gelungen war? Es gab nur eine Lösung: die Mausefalle! Aber es musste eine tierfreundliche Falle sein, damit die Maus nicht verletzt würde. Ein Schokoherz wurde abends in die Falle, einen kleinen Holzverschlag mit Draht, gelegt. Und alle warteten, was passieren würde.
Und siehe da, am nächsten Morgen saß die Maus in der Falle, denn beim Berühren der Schokolade hatte sich die Klappe hinter ihr geschlossen. Und da saß sie nun. Ganz ängstlich guckte sie mit ihren braunen Augen die Menschen und die Katze an, die jetzt vor der Falle standen. Was würde nun mit ihr geschehen?
Da hatte Björn die Idee: "Ich bringe sie wieder auf das Feld zurück, wo sie hergekommen ist". Er nahm sein Fahrrad, fuhr mit der Maus zur nächsten Wiese, öffnete die Fallentür, entfernte sich einige Meter und wartete, was passieren würde. Die Maus kam vorsichtig heraus. "Sie hat sich aufgerichtet und mir noch zugewunken" sagte Björn ganz glücklich zu seiner Mutter, als er nach Hause kam.
Die Mutter aber wusste, dass die Maus nur die Witterung und Orientierung aufgenommen hatte, um dann ungehindert in die Freiheit zurückzukehren. Sie lächelte still in sich hinein.
Von Sigrid Ehler, zweifache Mutter und vierfache Oma
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