Der Schmetterling, der in die Freiheit wollte

Eigentlich hatte es der große, blaue Schmetterling ganz gut im mollig warmen Schmetterlingshaus: Es gab viele schöne grüne Pflanzen dort, tausende von anderen bunten Schmetterlingen, immer etwas zu essen und keine Feinde.

Trotzdem war dem Schmetterling Hugo langweilig. Er wollte wissen, wohin die Menschen gehen, wenn sie das Schmetterlingshaus durch die automatische Tür verließen. Zu gerne würde Hugo einmal frische Luft schnappen und sich da draußen umsehen.
 
Hugo fasste einen Plan: er würde sich auf dem Pullover eines Menschen festkrallen, und zwar auf dem Rücken, damit der Mensch nichts davon merken würde. Und dieser Mensch sollte ihn dann durch den Holzperlenvorhang schleusen, der sonst ein unüberwindbares Hindernis für Schmetterlinge darstellte.
 
An einem sonnigen Nachmittag war es so weit: Hugo flatterte unauffällig auf den bunten Strickpulli eines Besuchers im Schmetterlingshaus, der kurz vor dem Perlenvorhang am Ausgang stand. Der Mann machte sich schon fast auf den Weg durch die Tür, blieb dann aber doch noch einmal stehen, um ein Foto von einem besonders schönen gelb-schwarzen Schmetterling zu machen.
 
Das war Hugos Glück: denn was Hugo nicht wusste, war, dass er draußen in der Freiheit erfrieren würde. Es war zwar sonnig draußen, aber noch winterlich kalt. Und um ein Haar wäre Hugo also auf dem Rücken des Mannes in die Freiheit getragen worden.
 
Aber zu Gast im Schmetterlingshaus war an diesem Tag ein Vater, der besonders scharfe Augen hatte und blitzschnell etwas unternahm, als er sah, wie der Schmetterling beinahe zur Türe herausgetragen wurde.
 
Der Vater hieß Claudius, und er hielt den fremden Mann einfach am Pulli fest. „Bleiben Sie mal bitte stehen!“, sagte Claudius. Hugo dachte: „Mist – was soll das denn?“. Und der Mann mit dem bunten Pulli blieb überrascht stehen. „Sie haben da einen Schmetterling auf dem Pulli!“, sagte Claudius, und rüttelte vorsichtig am Pulli, weil er ja wusste, dass man Schmetterlinge nicht anfassen soll.
 
Hugo klammerte sich noch einen Moment fest, ließ dann aber doch los, als er merkte, dass sein Plan nicht funktionieren würde. Er flog hoch ins Dach des Schmetterlingshauses, setzte sich auf ein Blatt und schmollte.
 
Aber dann hörte er, wie Claudius seiner Tochter Pippilotta erklärte, dass der Schmetterling ein Heidenglück gehabt habe, weil er sonst draußen jämmerlich erfroren und verhungert wäre. Da bekam Hugo einen Riesenschreck. Er warnte alle anderen Schmetterlinge, bloß nie solchen Unsinn anzustellen, wie er ihn versucht hatte. Und von da an waren sie alle sehr zufrieden in ihrem schönen grünen Schmetterlingshaus.
 
Von Redakteurin Christine Finke
   
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