Die Zeitdiebe kommen. Und ich leide. Nicht nur ich - die ganze Familie. Denn am letzten Wochenende im März und Oktober werden alljährlich die Uhren umgestellt. Egal was andere sagen, daran werde ich mich nie gewöhnen. Für Eltern von Kleinkindern ist die Zeitumstellung nämlich besonders fies...
Montag, 29.3.2010:
Heute morgen klingelte der Wecker um 6.30 Uhr und ich wusste sofort: Ich stehe nicht auf. Keinesfalls werde ich dieses kuschelige warme Bett schon um 5.30 Uhr verlassen. Denn das war die Echtzeit. Echt fies, dass ich so früh hoch muss. Menschenfeindlich. Plötzlich ein Gedanke: Habe ich denn den Wecker wirklich richtig umgestellt? Verwirrt stehe ich auf und laufe ins Wohnzimmer. Die ferngesteuerte Funkuhr (klar eine Anschaffung meines Mannes) zeigt die gleiche Uhrzeit wie der Wecker an. Uff...
Ich muss nämlich gestehen: Ich kann mir nie merken, wie die Uhr umgestellt wird. Vor oder zurück. Nach vorne oder hinten. Egal wie, ich merke mir nur, dass die Zeitdiebe wieder zuschlagen, denn ich kann mich nur langsam an eine neue Zeit gewöhnen. Und ich bin da nicht allein.
Meiner Freundin Eva beispielsweise geht die Umstellung auch gehörig auf den Zeiger. Im letzten Jahr wollte sie die Zeit austricksen und stellte alle Uhren schon am Samstagnachmittag um. Raffiniert. Der Sonntag war gemütlich und harmlos. Am nächsten Morgen kam sie gut aus dem Bett, brachte ihre Tochter in den Kindergarten und wunderte sich ein bisschen über die bösen Blicke der Erzieherinnen. Erst im Büro dann der Schock: Sie kam viel zu spät. Was passiert war? Evas Mann hatte die Uhren brav um 2 Uhr morgens umgestellt - noch mal um eine Stunde.
Margitta hat mir am Telefon gestanden, dass sie sich auch schon mal um glatte zwei Stunden vertan hat. Margitta, Eva und ich haben uns heute nachmittag verabredet. Mal sehen, wie wir drei das hinkriegen! Auf jeden Fall könnte man diese blöde Sommerzeit auch gern wieder abschaffen. Mit dieser Meinung stehen wir nicht allein da: Laut einer aktuellen Emnid-Umfrage möchten 62 Prozent aller Deutschen die Sommerzeit wieder abschaffen.
Ich glaube, wenn man nur Eltern befragt, würde die Zahl noch höher ausfallen. Denn der liebe Nachwuchs weigert sich die innere Uhr sofort umzustellen. Gut, ich gebe zu, als Babymutter fand ich den Zeitenwechsel sogar nett. Der Tag fing dann nicht mehr ganz so früh an, das Baby jubelte mich "erst" um 6 Uhr morgens hoch.
Aber jetzt? Heute morgen musste ich meine Kinder wecken und in den Kindergarten tragen. Gerade meine Tochter ist eher eine kleine Nachteule. Wenn ich sie allerdings wecke, ist sie unausstehlich und entsprechend nervig und anstrengend ist es morgens. Heute früh konnten wir nicht einmal mehr frühstücken, alles war nervig und hektisch. Aus Erfahrung weiß ich auch, dass es nur eine Hälfte des Zeitproblems ist: Abends wollen die Kleinen partout noch nicht ins Bett, weil es noch hell ist.
Schlafforscher erklären übrigens, dass Kinder den Zeitwechsel einfacher hinkriegen, wenn morgens möglichst viel Licht gemacht wird. Auch Erwachsenen soll es helfen, die innere Uhr in den richtigen Takt zu bringen. Ich bin da eher skeptisch. Denn gefühlte Zeit und angezeigte Zeit auf der Uhr sind bei mir nie so ganz identisch. Einerseits sind zwanzig Minuten im Wartezimmer einer Arztpraxis furchtbar lang - wenn mein Sohn noch schnell Schuhe anziehen soll, verfliegen zwanzig Minuten einfach so.
So und nun muss ich schnell die Kinder abholen, denn ich habe mich ja mit den Freundinnen verabredet. Da sie zu mir kommen, muss ich damit rechnen, dass Margitta glatt zwei Stunden zu früh kommt...
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