Ich gestehe, Elternabende stets zu vermeiden, weil mir das Eingesperrtsein mit einer Horde fremder Menschen, die einer Klassenlehrerin andächtig auf die Lippen schauen, zuwider ist. Davon ein anderes Mal mehr. Manchmal muss man aber über seinen Schatten springen und dem Nachwuchs zeigen, welche Opfer man für ihn zu bringen bereit ist.
Ich wohnte also einer Aufführung der zweiten Klasse, die meine Tochter besucht, im Musiksaal der Schule bei. Die eintreffenden Eltern sahen allesamt so aus, als seien sie am Vormittag extra für dieses große Ereignis noch beim Frisör gewesen: frisch gesträhnt, gefönt und aufgebrezelt. Mit meiner blickdichten Ringelstrumpfhose, die ich an diesem Tag trug als kleines Zeichen meiner Verweigerung, bei Provinzpossen die mir zugedachte Rolle zu spielen, fiel ich etwas aus dem Rahmen. Soweit, so gut.
Aber dann begann die von der Klasse eingeübte Darbietung. Einen Moment lang war ich gerührt, dann hatte ich keine Zeit mehr für Sentimentalitäten, weil mein 2-jähriger Sohn in Richtung Schulklasse auf der Bühne stratzte und „mitspielen“ wollte. Kurz vor der Bühne blieb er abrupt stehen, weil die Kinder angefangen hatten, ein Lied vorzutragen. Es klang ein wenig schräg, wie das so ist, wenn 18 Jungs und 7 Mädchen singen.
Mein Sohn, dessen Musikalität mir manchmal unheimlich ist, hielt sich spontan und sehr eindrucksvoll die Ohren zu, woraufhin ich mir ein leises Kichern nicht verkneifen konnte. Dafür erntete ich wiederum strafende Blicke der andächtig lauschenden Eltern – was sich aber in dem Augenblick gab, als der junge Hund, den eine Mutter mitgebracht hatte, in den Vortrag durch lautes Gejaule einstimmte.
Und da passierte das Wunder: all diese fürchterlich korrekten Eltern begannen zu lachen, und die Kinder lachten mit. Das war das beste Klassenfest meines Lebens – anschließend kam mir sogar die Darbietung des Theaterstücks vom kleinen Fisch Swimmy, das offensichtlich jede Grundschulklasse in Deutschland irgendwann einmal spielen muss, kurzweilig vor.
Wenn Sie also mal auf ein Klassenfest müssen, bei dem gesungen wird, sorgen Sie dafür, dass irgendjemand einen Welpen mitbringt – dann kommt Stimmung in die Bude!
Von Redakteurin Christine Finke