Toben auch bei miesem Wetter – Tipps für den Indoorspielplatz

Auch wenn es draußen stürmt, regnet oder schneit – Kinder haben Lust sich kräftig auszutoben. Überdachte Spielplätze bieten bei schlechter Witterung eine tolle Alternative. Doch worauf sollten Eltern achten, damit der Besuch auch wirklich allen Spaß macht?

In unserer Familie heißt er der „Innen-Drin-Spielplatz“. Ganz einfach, weil die Kindergartenkinder sich damals den englischen Begriff nicht merken konnten. Indoorspielplätze werden immer beliebter und sind mittlerweile fast überall erreichbar. Mehr als 400 dieser überdachten Tobeplätze für den Nachwuchs gibt es in Deutschland. Kinder finden sie meist prima. Denn es gibt Bällebäder, Trampoline, Rutschen, Hüpfkissen, riesige Rutschen und einfach ganz viel anzugucken. Für Eltern hingegen ist so ein Besuch oft eine ziemliche Herausforderung. Es gibt nämlich einiges zu bedenken, damit so ein Besuch auch wirklich für alle ein Vergnügen ist.

Was genau sind überhaupt Indoorspielplätze?

Aus der eigenen Kinderzeit kennen Eltern von heute selten solche Spielplätze. Früher gab es bei miesem Wetter mit etwas Glück ein befreundetes Kind, das vielleicht einen Tobekeller mit ein paar Matratzen hatte. Oder es wurde eben draußen gespielt, so lange, bis die Hände rot waren oder die Nasen zu sehr liefen. Den ersten Kontakt mit einer Art Spielplatz im Innenbereich hatte ich in den frühen 80er Jahren bei Ikea. Das berühmte Smaland, das Kinderparadies, aus dem immer jemand abgeholt werden möchte.

Bällebad - Einfach mal Fallenlassen (© Thinkstock)

Bällebad – Einfach mal Fallenlassen (© Thinkstock)

Ob die ersten Spielräume oder Spielplätze nun tatsächlich aus dem kühlen Norden Europas oder aus den angelsächsischen Ländern kommen, ist unklar. Laut Wikipedia gab es in den 80er Jahren im Westen Deutschlands erste Hallen-Spielplätze. Heute findet man in vielen Einkaufszentren solche Tobegelegenheiten für die jüngeren Besucher. In vielen touristisch gut besuchten Orten, etwa an der Küste, gibt es ein „Sockenland“, „Piratenclubs“ oder schlicht „Spielhäuser“. Oft werden auch alte Industriehallen umgebaut.

Für die Kleinsten gibt es in großen Anlagen dann einen seperaten Spielbereich, für größere Kinder, die nicht mehr so gerne toben und klettern werden Billiard, Airhockey oder Kicker bereitgestellt. Die Erwachsenen sollen sich auch nicht langweilen und dürfen sich meist über eine breite Auswahl an Zeitschriften in einem Cafébereich freuen. In einigen Indoor-Spielplätzen können Erwachsene auch eine Ruhe-Lounge mit WLAN-Anschluss nutzen.

Fast alle Indoor-Spielplätze haben auch extra Partyräume oder einen abgetrennten Bereich für Geburtstagskinder und ihre Gäste. Denn es wird immer beliebter, hier das Kinderfest ausrichten zu lassen. Oft kann das Catering dazu gebucht werden, manchmal auch eine Kinderanimation.

Die richtige Vorbereitung

Vor dem ersten Besuch eines Indoor-Spielplatz sollen sich Eltern vorbereiten. Welche Einrichtungen sind wirklich empfehlenswert? Gute Tipps gibt es im Internet, etwa hier. Hilfreich ist es auch, Bekannte vor Ort mit älteren Kindern zu fragen, denn die haben oft schon Erfahrungen sammeln können. Nicht jeder Indoor-Spielplatz ist für jede Altersgruppe geeignet. Gibt es beispielsweise wirklich Angebote für Kleinkinder? Kindergartenkinder sind oft verunsichert, wenn viele Schulkinder wild toben, Rutschen rauf klettern oder einfach sehr laut schreien. Bei einem ersten Besuch, gerade mit jüngeren Kindern, empfiehlt sich daher eher ein Werktag oder der frühe Vormittag.

Einige Spielplätze haben besondere Regeln – das lässt sich meist schon über deren Internet-Seite herausfinden. Hier stehen im übrigen auch die Preise. Auch das ist wichtig, denn manchmal kann das Vergnügen für eine ganze Familie ziemlich teuer werden. Oft zahlen Kinder mehr als Erwachsene, manchmal über 10 Euro. Hinzu kommen Kosten für Getränke und Speisen vor Ort – es ist meist verboten, etwas mitzubringen. Und wenn Mama oder Papa sich mit einem Cappuccino belohnen möchten, müssen sie ebenfalls oft ziemlich viel dafür zahlen.

Wichtig ist auch die richtige Kleidung. Eltern sollten darauf achten, selbst etwas bequemes anzuhaben, mit dem es sich unkompliziert mittoben und mitrutschen lässt. Es ist nämlich ziemlich blöd, wenn Papa mit seiner Lederhose an der Rutsche festhängt und nicht runterrutschen kann. Denn gar nicht so selten ist elterlicher Einsatz nötig: Ob Kletterparcour, Hüpfkissen oder Trampolin – viele Kinder trauen sich hier noch nicht allein. Wichtig ist auch, dass die Kleidung nicht zu warm ist, denn meist ist es in den „Innen-Drin-Spielplätzen“ ziemlich warm. Bei so vielen tobenden und schwitzenden Kindern kein Wunder.

Die Kinder selbst sollten am besten so angezogen sein, als ob sie sich in einer Turnhalle befänden. Sporthose oder Leggings und ein T-Shirt sind meist am besten geeignet. Sehr praktisch sind auch Socken mit ABS. Der Anti-Rutsch-Effekt sorgt für mehr Halt beim Klettern. Ganz wichtig ist es auch, dass die Kleidung weder Schnüre, noch Kapuzen oder Kordeln haben sollte, an denen Kinder hängen bleiben könnten.

Gute Nerven sind manchmal nötig

Spielplätze sind generell Orte, die für Eltern eine Herausforderung darstellen können. Der eigene Nachwuchs ist ängstlich oder maulig. In der Indoor-Variante kommt oft noch ein ziemlicher Lärmpegel hinzu. Oft sind gerade die großen Hallen auch sehr unübersichtlich gestaltet. Hier sollte unbedingt ein Treffpunkt vereinbart werden, an dem man sich trifft.

Andere Eltern und deren Kinder können ebenfalls ziemlich anstrengend sein. Bei einigen herrscht eine „Ich habe viel gezahlt, also bin ich der Oberbestimmer-Mentalität“, einige Eltern betreuen den eigenen Nachwuchs kaum, andere belegen selbst das Trampolin, obwohl Kinder warten.

Die Betreiber der Indoor-Spielplätze sind fast immer privat. Anders als bei öffentlichen Spielplätzen, die von den Kommunen betrieben werden, gibt es daher auch keine verbindlichen Vorschriften. Natürlich müssen bestimmte Standards, was Hygiene und Sauberkeit betrifft, eingehalten werden. An besonders vollen Tagen sind aber an manchen Spielplätzen die sanitären Einrichtungen wenig angenehm.

Besonders unübersichtlich, laut und leider auch dreckig wird es, wenn das Wetter besonders mies ist. Wer schon vor Halle keinen Parkplatz findet, sollte lieber gleich weiter fahren. Auch wenn dann die Enttäuschung auf der Rückbank groß ist.

Wie sicher ist das Spielen – und wer trägt die Verantwortung?

Auf der Hüpfburg geht es drunter und drüber - Indoorspielplatz in Dessau (CC BY-SA 3.0 Andre Kaiser / Wikimedia)

Auf der Hüpfburg geht es drunter und drüber – Indoorspielplatz in Dessau (CC BY-SA 3.0 Andre Kaiser / Wikimedia)

Tatsächlich sind Sicherheit und Qualität sehr, sehr unterschiedlich. Geräte werden meist eher nach dem Spaßfaktor ausgewählt, nicht immer ist der Aufbau in der Halle gut durchdacht, sodass die Kleinsten eher umgerannt werden oder die Größeren über Bobbycars stolpern, die nicht weggeräumt werden.

Eltern sollten genau hinsehen. Können Kleinkinder wirklich nicht auf bestimmte Geräte klettern, die etwa Treppen haben, die gefährlich werden könnten? Gibt es eine Aufsicht, die sicher stellt, dass nur ein oder zwei Kinder auf dem Trampolin sind? Steht die Hüpfburg auch so, dass wild Springende notfalls weich fallen?

„Anders als bei öffentlichen Spielplätzen, die zumeist von Kommunen betrieben werden, macht der Gesetzgeber bei Indoor-Spielplätzen keine verbindlichen Vorschriften, was die Überprüfung der Sicherheitsstandards angeht”, erklärt Matthias Lompa, Experte für Hallenspielplätze von TÜV Rheinland.

Den Betreibern steht es frei, die Anlagen prüfen zu lassen. „Der Zustand von Spielgeräten, das Verhalten des Personals und die Sauberkeit der Halle sind Indikatoren, an denen Gäste Qualitätsmerkmale festmachen können”, sagt der TÜV-Experte. Hervorstehende Schrauben an den Geräten, kaputte Seile, harte Kanten oder fehlende Aufprallpolsterungen können Gefahrenquellen sein.

Gerade bei Kindergeburtstagen oder wenn es sehr voll ist, kann es in Indoor-Spielplätzen sehr unübersichtlich werden. Eltern können sich hier nicht auf den Betreiber verlassen und sich in den Ruhebereich zurückziehen – selbst wenn es solche Rückzugsmöglichkeiten gibt.

„Die Aufsichtspflicht in der Halle liegt nicht beim Personal, sondern bei den Eltern oder den jeweiligen Begleitpersonen“, betont Matthias Lompa. Seine Empfehlung: die Kinder im Auge behalten oder selbst eine Runde mitspielen. Wer zwei Stunden mit dem Nachwuchs klettert, tobt und rutscht kann selbst viel Spaß haben. Und spart auch das Geld für einen Besuch im Fitness-Studio.

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