Der erste Kinobesuch mit Kind: waswiewo?

Knisterndes Popcorn, eine riesige Leinwand und ein spannender Film – klingt aufregend. Kinder freuen sich meist auf ihren ersten Kino-Besuch. Doch worauf sollten Eltern achten? Die Medienexpertin Verena Weigand gibt im liliput-lounge Interview Tipps.

liliput-lounge: Ab welchem Alter würden Sie zu einem Besuch im Kino raten? Ist das eventuell auch von Kind zu Kind verschieden?

Verena Weigand: Die Atmosphäre im Kinosaal ist etwas ganz anderes als daheim vor dem Fernseher: Es ist dunkel, der Ton ist laut und die Leinwand riesengroß. Es gibt keine Fernbedienung zum Um- oder Ausschalten und einfach weggehen, wenn man nicht mehr weiterschauen möchte, ist auch schwierig. Das alles ist vor dem ersten Kinobesuch zu beachten. Bei Vorschulkindern, die noch wenig „Filmerfahrung“ haben oder schnell erschrecken, kann es vorkommen, dass sie mit der Situation überfordert sind. Wie Sie richtig sagen, reagiert jedes Kind unterschiedlich. Es liegt an den Eltern vorher abzuschätzen, ob der Film und das Kinoerlebnis schon etwas für das eigene Kind ist.

Ein Kinobesuch kann großer Spaß für die ganze Familie sein (© Thinkstock)

Ein Kinobesuch kann großer Spaß für die ganze Familie sein (© Thinkstock)

Wie können Eltern Kinder auf einen Kinobesuch vorbereiten?

Man kann erzählen, wie es im Kinosaal aussieht und warum Kino etwas anderes ist als Fernsehen. Manchmal ist es auch ratsam ein bisschen über den Film zu reden, damit die Kinder schon ungefähr wissen, worum es geht. Oder man schaut sich gemeinsam den Trailer an. Wichtig ist, dass die Kinder Lust auf den Kinobesuch haben und nicht im Vorfeld schon Ängste entstehen. Es soll ja schließlich ein schönes Erlebnis werden. Das Kind sollte auf keinen Fall zum Kinobesuch gedrängt oder überredet werden.

Was trägt dazu bei, dass ein Kinobesuch ein schönes Erlebnis für Kinder wird?

Ein Kinobesuch ist an sich schon beeindruckend und aufregend, vor allem für Vorschulkinder. Ausschlaggebend für ein gelungenes erstes Mal ist meist der Film selbst. Er darf nicht zu lang sein, weil sonst das Stillsitzen schwer fällt. Einfache Geschichten mit geradliniger Handlung, die streckenweise spannend sind und bei denen es viel zu lachen gibt, kommen am besten an.

Was für einen Film sollten Eltern denn auswählen?

Für Kinoanfänger kommen natürlich nur Filme in Frage, die eine Altersfreigabe ab 0 Jahren erhalten haben (FSK 0). Der Film sollte nicht zu lang sein und sich direkt an Kinder richten. Es gibt kleine Helden, für die sich die jungen Zuschauer begeistern können und die spannenden Abenteuer gehen am Ende immer gut aus. Schnelle Schnitte, Spezialeffekte oder rasante Kamerafahrten halten sich in Grenzen, so dass Kinder dem Geschehen gut folgen können und die Gesamthandlung verstehen.

In einigen Städten gibt es spezielle “Babykinos”, was halten Sie davon?

Beim Babykino gibt es gedimmtes Licht im Kinosaal und der Ton ist wesentlich leiser. Manche Babys schlafen, andere sind viel zu aufgeregt: Große flackernde Bilder auf einer Leinwand, andere Babys um sich herum, neue ungewohnte Umgebung – es gibt so viel zu bestaunen. Diese vielen Eindrücke müssen dann erst einmal verarbeitet werden. Es ist also die Frage, ob das Babykino wirklich so eine entspannte willkommene Abwechslung zum Alltag mit Baby ist, oder ob danach das Einschlafen länger dauert und mit mehr Geschrei verbunden ist, weil es einfach zu viel war.

Abgesehen davon empfiehlt FLIMMO immer, dass Kinder unter drei Jahren am besten gar nicht fernsehen sollten. Auch später wäre es gut, wenn zwischen Fernsehkonsum und Zubettgehen noch genügend Zeit ist, um die starken Eindrücke zu verarbeiten.

Sollte der erste Kinobesuch idealerweise eher mit den Eltern sein, oder ist es durchaus in Ordnung, wenn er mit der Schulklasse stattfindet?

Gehen die Eltern mit ins Kino, hat das Kind einen Ansprechpartner und kann Ängste klar äußern. Es ist leichter den Kinosaal zu verlassen, falls das Unbehagen zu groß wird. Andererseits sind Kinder mit Ihresgleichen oft mutiger und unbefangener. Kein besorgter Elternblick ruht auf ihnen, der vermuten lässt, dass gleich irgendetwas Schlimmes passieren wird. Es wird insgesamt weniger Aufhebens darum gemacht: Alle Kinder gehen ins Kino – ist doch völlig normal. Oft wird der Film mit der ganzen Gruppe noch einmal besprochen, nach gespielt oder die Kinder kennen bereits davor das Buch. Ein Kinobesuch in Kindergarten oder Grundschule findet meist nicht ohne Vor- und Nachbereitung statt.

Was wäre Ihr Rat – gibt es auch etwas, was Eltern unbedingt vermeiden sollten?

Man sollte den Kinobesuch nicht dramatisieren. Es ist etwas besonderes, aber nichts Gefährliches. Das Kind sollte Lust darauf haben und nicht überredet oder gedrängt werden. Die jungen Zuschauer sollten ungefähr wissen, was sie erwartet und welchen Film sie sehen werden. Im Kinosaal selbst sind Seitenblicke erlaubt, alle zehn Minuten zu fragen, ob alles noch in Ordnung ist, allerdings nicht. Denn sonst kann man seinen allerersten Kinobesuch ja gar nicht richtig genießen.

Mädchen schauen gruseligen Film im Kino (© Thinkstock)

Mädchen schauen gruseligen Film im Kino (© Thinkstock)

Verena Weigand (c) Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM)

Verena Weigand (c) Bayerische Landeszentrale
für neue Medien (BLM)

Verena Weigand ist Vorsitzende des Vereins Programmberatung für Eltern, der den FLIMMO herausgibt. Sie leitet den Bereich Medienkompetenz und Jugendschutz der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM).

Der FLIMMO ist ein kostenloser Programmratgeber für Eltern, den es als Broschüre, im Internet und als App gibt. Er bespricht das Fernsehprogramm und gibt Tipps zur Fernseherziehung. Neben dem Kinderprogramm werden auch solche Sendungen berücksichtigt, die sich zwar an Erwachsene richten, aber mit denen Kinder zwischen drei und 13 Jahren als Mitseher in Berührung kommen. Bewertet wird, wie Kinder in unterschiedlichem Alter mit bestimmten Fernsehinhalten umgehen und wie sie diese verarbeiten. www.flimmo.tv

Tipps der liliput-lounge-Redaktion zur Vorbereitung:

Im Internet gibt es einige Portale, die Kinderfilme bewerten. Sehr zu empfehlen ist das vom  Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland (KJF) herausgegebene Portal www.kinderfilmwelt.de. Hier werden sehr viele Filme besprochen und nach Alter bewertet. Eine Suchfunktion hilft ein Kino mit Kinderprogramm in der eigenen Region zu finden. Ein Kooperationsprojekt der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) und der Vision Kino gGmbH – Netzwerk für Film- und Medienkompetenz ist www.kinofenster.de, hier liegt der Schwerpunkt eher auf dem pädgogischen Aspekt der Filme. Bei der Vor- und Nachbereitung kann das aber nicht nur für Lehrer und Erzieher, sondern auch für Eltern interessant sein.

Wie lernen die Bilder eigentlich laufen? Neugierigen Kindern macht es sicher Spaß, ein Daumenkino zu basteln. Denn eigentlich ist das Ganze ja nur ein Trick. Zauberei. Da das menschliche Auge nur bis zu 20 einzelne Bilder in der Sekunde wahrnehmen kann, spielt uns unser Auge bei mehren Bildern, die schnell gezeigt werden, einen Streich. Kinder können mit einem kleinen Zeichenblock (Notizblöcke sind besonders geeignet) eine einfache Figur zeichnen, die sich von Bild zu Bild bewegt, etwa den Arm hoch hebt. Schnell durchgeblättert zeigt sich so eine fließende Bewegung – wie im Film.