Familienalltag: das kleine Glück genießen

Der ganz normale Alltag mit kleinen Kindern ist kostbar. Was sind diese kleine Momente und wie gelingt es, aus ihnen ganz viel Kraft zu ziehen?

Zu wenig Schlaf. Ich torkle durch den Tag und funktioniere irgendwie. Das Baby stillen, mit dem Kleinkind Bilderbücher lesen, einkaufen, putzen. Meine Welt ist klein, denn es dauert ewig mit Kinderwagen und Laufanfänger unterwegs zu sein. Die Waschmaschine läuft und irgendwer möchte immer etwas von mir. So fühle ich mich damals. Oft. Heute gucke ich die Bilder an und erinnere mich auch an all das andere. An das Gefühl einer runden weichen Babywange an meiner Haut. An diesen besonderen Blick, mit dem mein Sohn mich ansah, wenn er an meiner Brust lag. An den Geruch von frisch gebadeten kleinen Kindern. Die Freude meiner kleinen Tochter an einer duftenden Blume.

Happiness

(© Thinkstock)

Wie ich darauf komme? Vor ein paar Tagen hat mir mir eine liebe Freundin einen Link zu einem Video geschickt.

So völlig normale Familientage – das ist das wahre Glück

Es ist ein Clip, den die amerikanische Autorin Katarina Kensison veröffentlicht hat. Die Mutter zweier Söhne hat auch ein Buch geschrieben, die wichtigsten Gedanken fasst sie in dem Film zusammen. Und zeigt dazu Bilder, die auch dann rühren, wenn man den englischen Text nicht so gut versteht. Denn es geht um die Vergänglichkeit. Darum, wie schnell die Zeit mit kleinen Kinder vorbei geht. Man sieht die Bilder von Katarina Kensions Söhnen, zwei Babys, zwei kleine Jungen mit Pausbacken, die Eis essen, die mit ihrer Mama kuscheln. Man ahnt, dass sich die beiden auch gelegentlich streiten. Und das der Familienalltag durchaus hektisch sein kann (immerhin hat Kensison auch ein Buch geschrieben, dass auf Deutsch erschienen ist. „Mehr Zeit für mich: Wohlfühltipps für Mütter in Eile“).

Doch die Bilder zeigen auch, wie beiden Söhne immer älter werden. Aus Kindergartenkindern werden Schulkinder, Bilder von Sportveranstaltungen und schlaksigen Kerlen sind zu sehen. Abtanzbälle und Verabredungen und irgendwann sind die Kinderzimmer leer. Beide Söhne studieren mittlerweile.

Es hat eine Weile gedauert, aber heute kann ich mit Sicherheit sagen – das wunderbarste Geschenk das ich je bekam, das Geschenk, das ich mehr schätze als alles andere, das ist das Geschenk dieser ganz normalen Tage.


(Katarina Kenison)

Meine Freundin, die mir den Link schickte, hat selbst erwachsene Kinder. Sie schrieb mir: „Deine Kinder sind noch so klein. Genieße jeden Tag. Erst recht die normalen.“ Noch kommen sie zum Kuscheln ins Bett, wenn sie schlecht schlafen. Zeigen mir freudestrahlend selbstgemalte Bilder. Ich kann sie beide noch auf den Arm nehmen, bald werde ich sie nur noch in die Arme schließen können.

Viel zu oft sind wir Eltern in Eile, hetzen zwischen Job und Haushalt hin und her. Versuchen alles zu planen, allem und jedem gerecht zu werden. Sind in Gedanken beim nächsten Tag und bei den Terminen, die für die nächsten Wochen gemacht werden müssen. „Und auf einmal sind die Kinder groß“, sagt mein Freundin.

So völlig normale Familientage sind aber manchmal auch schlimm – was hilft dagegen?

An dieser Stelle musste ich allerdings lachen. Denn irgendwie klingt das doch kitschig. Denn bei aller Liebe sind natürlich nicht alle normalen Tage schön. Natürlich ist es wirklich wichtig, im Hier und Jetzt zu leben.  Mit allem was dazu gehört. Mit Brotboxen, die gefüllt werden wollen, Schätzen, die aus Hosentaschen vor dem Waschen gefischt werden müssen, mit kalten kleinen Füßen, die sich unter die Bettdecke mit kuscheln, dem warmen Geruch von schläfrigen Kindern, dem Lachen über immer wieder die gleiche Stelle im Lieblingsbuch. Dem ersten stolzen Schritt, dem ersten Wort.

Kuscheln

(© Thinkstock)

Zum Hier und Jetzt gehört aber auch die andere Seite. Schlafmangel, unendliche Sorge wenn das Kind krank ist, wahres Mitleid und Hilflosigkeit, wenn die beste Freundin nicht mehr mit der Tochter spielen will. Und auch die Wut. Wenn die Kinder völlig überdreht sind. Sich streiten. Das tun, was Kinder tun: ihre Grenzen austesten. Auch das ist der normale Alltag. Der, den man im Nachhinein eher verdrängt. Der im Augenblick aber eben nicht immer schön ist. Für solche anstrengenden Tage brauchen wir die wunderbaren Momente. Es kann helfen ein Glückstagebuch zu führen. Jeden Tag drei Dinge hineinschreiben, die wirklich glücklich gemacht haben. Und an schlechten Tagen kann dieses Tagebuch richtig viel Energie verleihen.

Sehr hilfreich ist auch manchmal ein wenig „Entschleunigung„. Das hilft manchmal viel mehr als kluge Worte wie: „Ach, genießen Sie die Zeit, in der die Kinder so klein sind“, das ist mit Schlafmangel, Zeitdruck und fiesen Viren nämlich sehr schwierig. Aber wie kann der Dauerstress gebremst werden? Zunächst ist es wichtig, mehr auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Auch Eltern müssen entspannen und für sich selbst sorgen.

Eine andere ist es, Augenblicke aufmerksam wahrzunehmen. Die Autorinnen Heidi Andersen und Anna-Maria Stawreberg haben das Buch „Achtsamkeit für Eltern. Mehr Gelassenheit im Alltag mit Kindern“ geschrieben.  Stress sei durchaus normal, schreiben sie. Die Autorinnen haben Tipps gesammelt, mit denen Ruhe und Achtsamkeit in schwierigen Situationen besser gelingen.

Wenn Sie besonders viel Stress haben, können Sie  folgende Tricks anwenden:

  • Hören Sie Ihrem Kind konzentriert zu, wenn es etwas erzählt. Jedes Mal, wenn Sie merken, dass Ihre Gedanken abschweifen, fangen Sie sie wieder ein und kehren Sie zurück zum Zuhören.
  • Machen Sie es sich zur Gewohnheit, jeden Abend Ihr schlafendes Kind zu beobachten.
  • Beachten Sie, was Sie vor Augen haben: die Augen Ihres Kindes, seine Finger, sein Lächeln. Versinken Sie darin und versuchen Sie jedes einzelne Detail in sich aufzunehmen.
  • Schauen Sie Ihrem Kind beim Spielen zu und beschreiben Sie präzise für Ihr Inneres, was es in eben diesem Augenblick tut.
  • Machen Sie sich klar: Das größte Geschenk, dass Sie Ihrem Kind und sich selbst machen können, ist Ihre Zeit und Ihre Aufmerksamkeit.

Auch Dankbarkeit hilft. Eben die Dankbarkeit für die besonderen Augenblicke, die uns, während wir sie erleben so vollkommen selbstverständlich erscheinen. Und genau diese scheinbaren Alltäglichkeiten hat Katarina Kenison in ihrem Buch und in ihrem Clip festgehalten.

Diesen besonderen Clip teile ich gern mit den liliput-lounge Leserinnen und Lesern. Vielleicht gefällt er Ihnen auch so gut?