Willensstarke Kinder – 5 Tipps für den Umgang mit dem selbstbewussten Nachwuchs

Warum Willenstärke und ein „Dickkopf“ bei Kindern ein gutes Zeichen ist und wie du am besten damit umgehst.

„Ich mach‘ mir die Welt – widdewidde wie sie mir gefällt“, trällert Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf fröhlich vor sich her. Ganz zum Leidwesen vieler Eltern, denn willensstarke Kinder rauben so einige Nerven. In ihnen schlummert aber auch ganz viel Potenzial, das beweist eine Studie.

Der Alltag steht Kopf

Es muss einfach nur alles gut organisiert werden, oder? Nicht unbedingt, denn es gibt Kinder, da nützt der beste Tagesplan nichts. „Wir schaffen es in fünf von zehn Fällen nicht, pünktlich in den Kindergarten zu kommen. Warum? Weil sich mein Kind weigert, sich morgens anzuziehen.“ Was bei vielen Mitmenschen auf Unverständnis trifft, ist bei Julia und ihrer Tochter Mia (4) Alltag. Da nützen keine Beschwichtigungen, keine Diskussionen und keine drohenden Süßigkeitenverbote. Aus jeder kleinen Kleinigkeit entsteht eine Diskussion mit dem Nachwuchs. “Mia wollte ständig mit dem Kopf durch die Wand und irgendwann war ich das Streiten leid“, so Julia.

Willensstärke ist eine positive Eigenschaft (© Getty Images)

Willensstärke ist eine positive Eigenschaft

Autonome Kinder werden in der Gesellschaft oft negativ wahrgenommen. Man sagt ihnen nach, dass sie unerzogen sind. Diese unüberlegten Äußerungen belasten Eltern zusätzlich. Tatsächlich ist Willensstärke ein Segen, denn Stärke und Selbstbewusstsein wünschen wir uns doch alle für unseren Nachwuchs. Eine Langzeitstudie nahm sich die sturen Kinder vor, mit einem überraschenden Ergebnis.

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Insgesamt untersuchten Forscher den Werdegang von rund 745 Studienteilnehmern. Im ersten Schritt wurde die Persönlichkeit der Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren betrachtet. Die Wissenschaftler notierten das Verhalten gegenüber der Eltern, den Fleiß in der Schule und ob und wie häufig die Kinder Regeln brachen. Nach 40 Jahren kontaktierten die Forscher die Studienteilnehmer erneut und befragten sie zu ihrem beruflichen Erfolg und ihrem Gehalt.

Im Anschluss versuchten die Forscher dann einen Zusammenhang zwischen den Charaktermerkmalen der Kinder und ihrem Erfolg im Erwachsenenalter festzustellen. Das Ergebnis: Derjenige Nachwuchs, der häufiger die Regeln gebrochen hatte und sich den Eltern widersetzte verdiente im Erwachsenenalter mehr. Kann sich Willensstärke also tatsächlich auszahlen? So pauschal lässt sich das sicherlich nicht beantworten, denn die Forscher fanden auch heraus, dass wohlhabende Eltern und Intelligenz ebenfalls starke Prädiktoren für ein glückliches und erfolgreiches Leben sind. Trotzdem: Stärke ist und bleibt eine gute Eigenschaft!

Stopp! Deeskalation an der Diskussionsfront

Jesper Juul bezeichnet „autonome Kinder“ als extrem unabhängig, kompromisslos selbstbestimmt und nahezu allergisch gegen Erziehungsversuche. Häufiger sind allerdings Mischformen. Dabei sind Kinder für Erziehungsversuche zugänglich, aber gleichzeitig auch sehr diskussionsfreudig. Aber wie genau geht man mit willensstarken Kindern um? Ein Patentrezept gibt es nicht. Sicher ist jedoch, dass man den autonomen Nachwuchs nicht unter die Erziehungsfuchtel stellen kann. Das führt nur dazu, dass Eltern mit ständig neuen Konflikten konfrontiert werden. „Du machst das, was ich will“ funktioniert hier nicht. Viel wichtiger ist es, sich aneinander anzugleichen und ein Kontakt herzustellen, der sich authentisch und klar für das Kind darstellt. Das bedeutet aber auch einige Arbeit für die Eltern und geht nicht über Nacht. Dennoch, wenn das Ziel erreicht ist, lässt sich mit willensstarken Kindern auf einer sehr reifen und produktiven Weise kommunizieren.

5 Tipps für Eltern von willensstarken Kindern

1.    Die Wahl lassen: Willensstarke Kinder zeigen sich überraschend kooperativ, wenn ihnen mehrere Optionen gegeben werden.

2.    Das Kämpferherz anerkennen: Kinder, ob willensstark oder nicht, möchten anerkannt und respektiert werden. Sie kooperieren zumeist aus freiem Willen, wenn sie die Erfahrung machen, dass ihr Anliegen gehört und ernst genommen wurde.

3.    Erfahrungen zulassen: Eltern können mit ihrem Nachwuchs darüber diskutieren, ob er eine Jacke anziehen muss oder nicht. Die andere Variante: Mama nimmt die Jacke unter den Arm. Der Nachwuchs wird schnell merken, dass es draußen einfach zu kalt ist. Durch die Erfahrungen lernt das Kind, wann es sich zu kämpfen lohnt und wann nicht.

4.    Zeit geben: Willensstarke Kinder brauchen Pausen, vor allem zum Nachdenken. Wenn Ihnen Zeit gegeben wird, sich über die Aufforderung oder die Aussage klar werden zu können, wägen sie eigene Lösungswege ab. Vielleicht kommen sie dann auch zu Vorschlägen, die noch besser für alle passen.

5.    Bedürfnisse ausloten: Kinder mit einem starken Willen wissen genau, was sie NICHT wollen. Deshalb ist es wichtig auch zu hinterfragen, was sie genau möchten oder was sie brauchen. Nicht selten entstehen Konflikte, weil Eltern Bedürfnisse nicht erkannt oder den Grund für das ablehnende Verhalten nicht erforscht haben. Die simple Aussage: „Was möchtest du, erklär es mir bitte“, kann Wunder wirken.

Antworten auf

  1. Karl-Heinz 12. Mai 2018 an 09:16 #

    Die Vorschläge finde ich sehr gut. Es braucht aber einige Zeit, um sie erfolgreich anzuwenden, z.B. , wenn man mit dem Kind irgendwo pünktlich ankommen will……

    • Karl-Heinz 12. Mai 2018 an 09:17 #

      Dieser Vorschlag ist der erste von mir!!!!!!!!!

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