Rabenmutter? Ich mag mit meinen Kindern nicht spielen

Nadja ist stolze Mutter zweier Kindergartenkinder. Doch seit kurzem hat sie das Gefühl, dass sie sich rechtfertigen muss für etwas, was sie normal findet. Sie spielt nicht mit ihren Kindern. Und das ist gut so, meint sie.

Nadja (34)*  ist die Mutter von zwei fröhlichen Kindergartenkindern. Für die liliput-lounge.de Rubrik “Rabeneltern“ berichtet sie, dass ein Streit mit ihrer Schwägerin ihr unter die Haut gegangen ist.

„Ich möchte einfach mal los werden, was mich beschäftigt. Kurz zu mir, ich bin 34 Jahre alt, arbeite halbtags als kaufmännische Angestelle und bin Mutter von Felix (5) und Anne (3). Wir, die Kinder, mein Mann Henrik und ich, wohnen in einer wirklich schönen Altbauwohnung. Gut, die Kinder teilen sich ihr Zimmer, aber das ist bei den Mietpreisen hier in München einfach ganz normal.

Mein Alltag ist randvoll. Oft habe ich das Gefühl, dass ich nur so durch mein Leben hetze. Kinder aufwecken, zum Kindergarten bringen, im Job funktionieren, Kinder abholen, Einkaufen, Wäsche waschen, Kochen, Haushalt organisieren. Da geht es mir wie wahrscheinlich allen anderen Müttern auch. Doch mein Problem ist, dass ich einfach nicht gern mit meinen Kindern spiele. Ich habe sie wahnsinnig lieb und ehrlich gesagt finde ich, dass sich ja nun wirklich fast alles um sie dreht.

„Mit dir stimmt etwas nicht“, sagte meine Schwägerin

Vor ein paar Wochen war meine Schwägerin Jule zu Besuch. Ich war in der Küche, holte den Kuchen aus dem Ofen und hatte Kakao warm gemacht. Denn das lieben Felix und Anne, wir machen es uns immer am Montag, das ist unser gemeinsamer Basteltag, mit Kaffee und Kuchen gemütlich.

Mutter spielt mit Baby vor Stapelbechern

Mutter und Tochter beim Spielen (© Thinkstock)

Nun, meine Kinder tauchten mit ihrer Tante aus dem Kinderzimmer auf. Felix und Anne waren ganz aufgedreht, erzählten von Playmobil und von Feen. Ich gebe zu, ich hörte nicht wirklich zu. Dann verschwanden die beiden fröhlich wieder in ihrem Zimmer. Meine Schwägerin blieb sitzen. Und sah mich mit vorwurfsvollem Gesicht an: „Sag mal, die Kinder erzählen mir echt traurige Sachen. Die haben erzählt, dass du noch nie mit ihnen in ihrem Zimmer gesessen hast und Playmobil mit ihnen gespielt hast. Das stimmt doch nicht, oder?“

Playmobil. Mit Grauen dachte ich an die gut sechs Stunden, die Henrik und ich an diesem furchtbar kitschigem Feen-Palast von Anne gearbeitet hatten. Dieser Aufbau war so nervig. Die winzigen Teile fand ich einfach nur kitschig. Aber mein Töchterchen liebt das Ding. Und ihr Bruder hat eine ganze Armee Playmobil-Ritter. „Die Kinder spielen damit gern. Und wunderbar zusammen oder allein. Stimmt schon, ich habe da noch nie mitgespielt.“ Jule sah mich entsetzt an. „Und mit den Puppen und dem Lego spielst du auch nicht, sagen sie.“ Ich nickte. Und Jule sagte: „Du spielst nicht mit deinen Kindern? Mit dir stimmt doch etwas nicht. Das kann doch nicht normal sein.“ Ehrlich gesagt, ich habe sie gebeten, das Thema zu wechseln und das mir zu überlassen. Ich fand ihren Ton grenzüberschreitend.

Am Abend sprach mich dann mein Mann an. Wollte wissen, warum ihm seine Schwester merkwürdige SMS geschickt hatte. „Sie schreibt, sie wäre entsetzt gewesen, dass du dich gar nicht um die Kinder kümmerst. Ob ich das nicht bemerkt hätte.“ Ich war sprachlos.

Muss ich mich jetzt wirklich rechtfertigen?

Bin ich wirklich ein Monster? Ich gebe es ganz offen zu: ich mag nicht gern mit meinen Kindern spielen. Ich lese ihnen gern vor, ich bastle und mache Ausflüge. Aber auf dem Teppich zu sitzen und mit verstellter Stimme eine Puppe zu spielen? Nicht mein Ding. Ich spiele mit meinen Kindern keine Rollenspiele, kein Playmobil und baue auch kein Lego. Warum auch? Das können die wunderbar ohne mich. Ich finde wirklich, dass Kinder keine Freizeitanimateure brauchen. Wenn ich auf dem Spielplatz sitze, dann lese ich meist ein Buch. Eltern, die die ganze Zeit ihr Kind bespielen, die finde ich furchtbar. Natürlich habe meine beiden im Auge, ich baue auch mal eine Burg. Aber nicht immer.

Mein Mann baut gern Lego. Hat er schon als Kind geliebt. Mit Felix erbaut er nun schon richtige Städte. Anne guckt dabei gern zu. Er tobt auch gern. Mit Opa spielen die beiden gern Piraten und gehen mit ihm auf Kapernfahrt, gern in Verkleidung. Aber ich mache eben nicht mit.

Bisher habe ich damit auch keine Probleme gehabt. Ich finde es gut, dass Anne und Felix von den Erwachsenen verschiedene Dinge lernen. Wenn meine Schwägerin möchte, darf sie ja gern mit den Playmobil-Feen spielen. Ich mag das aber nicht. Ich finde es wichtig und gut, dass die Kinder alleine spielen können. Ich verbringe ja auch gern mit ihnen Zeit – aber natürlich bin ich nun einmal für viele Alltagsdinge zuständig. Aber am Wochenende machen wir Ausflüge und auch auf unseren Basteltag freue ich mich.

Mein Mann zuckt nur die Schultern. Er findet das ganze Thema unwichtig. Ich gebe aber zu, dass es mich wurmt, dass seine Schwester mich nun als Rabenmutter darstellt. Sie hat ernsthaft erklärt, dass ich dringend Unterstützung vom Jugendamt brauche. Gestern rief ich nun eine Freundin an. Die hörte mir lange zu. Und sagte dann ganz trocken: “ Du spielst nicht mit deinen Kindern. Und schämst du dich?“ Nein. Das tue ich nicht. Ich finde es okay. Trotzdem würde ich gern wissen: Bin ich die einzige Mutter, der es so geht? Sind alle anderen eifrige Kinderanimateure, die immer etwas bieten? Oder gibt es noch mehr Eltern, die finden, dass Kinder sich selbst beschäftigen können sollten?“

* Namen von der Redaktion geändert

Dieser Text stammt aus der Rubrik “Rabeneltern”. Mama und Papa können dort anonym bekennen, was sie alles nicht so machen wie im Lehrbuch. Wir freuen uns auch über Ihre auch über Ihre Elternerlebnisse, die gern an redaktion@lilliput-lounge.de eingesendet werden können.

Wer Katjas Meinung teilt oder das Thema ganz anders sieht, kann dies gern in einem Kommentar schreiben!

  • strenesse77

    Vielen vielen Dank für diesen Bericht. Ich spiele auch nicht meinen Kindern, ich mache Ausflüge, lese Bücher vor und koche oder backe mit ihnen – nicht jeden Tag! Vielleicht mache ich noch ein Gesellschaftsspiel, aber das wars. Ich mag es auch nicht. Und meiine Eltern habe es auch nie getan und aus mir ist trotzdem was geworden. Die Schwägerin hätte bei mir zum letzten Mal eine Fuß in meine Altbauwohnung gesetzt.. Schlimm, dass sich Mütter gegenseitig immer so fertig machen müssen. Als hätten wir es nicht auch schon ohne das hart genug.

  • http://www.facebook.com/nicole.feenstaub Nicole Feenstaub

    Guten Morgen :-)
    Ich finde die beschriebene Mutter ist natürlich keine Rabenmutter (wobei Raben ihre jungen sehr liebevoll behandeln im übrigen und in anderen Ländern der Begriff Rabeneltern nicht existiert). Aufmerksamkeit den Kindern schenken kann man auch anders und sie liest ja auch vor und da es zwei Kinder sind können die sehr gut miteinander spielen. Kinder lernen von Erwachsenen meist nicht soviel, wie voneinander. Die Schwägerin hat einfach nicht kapiert, dass die Mutter sehr wohl Präsenz zeigt. Die Kinder sind sich nicht komplett selbst überlassen und es besteht auch keinerlei Kindeswohlgefährdung. Erziehung ist ein weites Thema und jeder lehrt seine Kinder eigene Werte und eigene Überzeugungen. Es erscheinen soviele erziehungsratgeber monatlich mit gegengesetzten Forderungen – allein darasieht man dass masich in Deutschland nicht einig ist wie sie auszusehen hat: die idiale Erziehung. Ich würde der Mutter den rücken stärken wollen und der Schwägerin einen Kurs in: Wie lenke ich meine überschüssigen Energien in sinnvolle Bahnen empfehlen :-) ich Spiele übrigens immer mit meinem Kind auf dem Teppich, mein Kind ist entwicklungsverzögert und braucht deshalb Hilfe.

  • http://twitter.com/thorstendier Thorsten Dier

    Den weitaus größten Teil des Lebens verbringt man mit seinen Kindern, wenn sie erwachsen sind. Da sind mir Eltern lieber, die nicht jedes Spielzeug mit ihren Kindern ausprobieren, ihnen dafür im Erwachsenenalter mit Rat und Tat zur Seite stehen können.

  • Sylvi

    Man ist als berufstätige Mutter schon so genug eingespannt, dass man mMn im Alltag auch gern mal was so machen darf wie man will. Die Beiden scheinen ja nicht unglücklich mit ihrer Situation und ich finde es ist viel wert, wenn sie sich gemeinsam allein beschäftigen können – viele Kinder brauchen heute ja regelrecht einen Alleinunterhalter um zufrieden zu sein und das finde ich sehr schlecht. Lediglich, wenn die Kleinen danach verlangen würden, dass man mit ihnen spielt, dann würde ich wohl ab und an darauf eingehen und ein Spiel meiner Wahl vorschlagen – wenn sie das dann nicht spielen wollen; bitte, dann nicht.

    Außerdem muss man auch bedenken, dass sie im KiTa den ganzen Tag Gelegenheit haben zu spielen.
    Ich hole meinen (erst 14 Monate alten) Sohn auch nach der Krippe ab und dann geh ich mit ihm und unserem Hund raus. Wenn wir wiederkommen ist es dann auch schon meist Zeit für’s Abendessen und somit spielen wir unter der Woche auch eher selten miteinander – aber wir unternehmen ja dennoch etwas (raus gehen, Vorlesen zum Einschlafen).

    Ich denke einfach, dass man sich mit den Kindern natürlich BESCHÄFTIGEN sollte, aber ob das spielen oder kochen, backen, vorlesen, raus gehen, etc etc etc ist, dass sollte man doch bitte noch selbst entscheiden dürfen!

  • Liese

    Mein Kind ist im Alter von fast vier Jahren, ohne vorherige Anzeichen, an einer Herzmuskelentzündung gestorben. Ich bin froh über jede gemeinsam gelebte und gespielte Minute, über jedes Rollenspiel, jedes Gesellschaftsspiel, über unsere Phantasiereisen und die Freude in seinen Augen, wenn wir uns gemeinsam lustige Sachen ausgedacht haben. Das sind für mich die kostbarsten Momente. Denn am Ende zählt nicht, wie sauber die Wohnung war oder dass ich ein Buch lesen konnte, ob ich zu faul war oder mich nicht bemühen wollte. Am Ende bleibt die Erinnerung an die intensiven Momente, an das freudige Kinderlachen. Ich erlebte es als Privileg, so mit meinem Sohn spielen zu dürfen. Ich hatte auch nicht immer Lust oder Geduld, weswegen ich die Mutter verstehen kann. Doch ich habe mir immer überlegt, um wievieles es meinem Kind wichtiger ist. Die Zeit ist begrenzt und Kinder entdecken nun mal spielend die Welt. Ich bin froh, dass ich fast immer auf die Spielaufforderungen meines Sohnes eingegangen bin. Es ist ein Schatz, den ich in mir trage. Ich sehe die Mutter nicht als Rabenmutter. Sie tut mir eigentlich leid, weil sie nicht sieht, was es für ein Geschenk ist, mit seinen Kindern spielen zu dürfen. Sich auf ihre Ebene begeben, mit ihnen einzutauchen und selbst wieder ein bisschen Kind sein. Das merken viele erst, wenn es nicht mehr da ist. Ich selbst hatte eine Mutter, die fast nie mit mir gespielt hat. Wir haben ein gutes Verhältnis, aber ich wusste, dass ich es anders machen werde. Es muss einfach jeder für sich entscheiden.

  • Lnda

    Ich habe eine zweijährige Tochter und spiele mit ihr – puzzeln, Lego, mit ihren Puppen, malen. Ich tue das aber eher passiv und geniesse einfach die gemeinsame Zeit. Zum anderen sehe ich Spielen nicht als reinen Zeitvertreib an, sondern als spielerisches Lernen. Indem ich vorzeige und sie imitiert, lernt sie Punkte, Kreise, Striche malen oder ihre Püppi anzuziehen.

    Bei zwei älteren Kindern gehe ich nun aber davon aus, dass sie miteinander spielen und voneinander lernen. Da müssen Eltern nicht mehr den Spielpartner miemen. Es sei denn die Kinder wünschen es. Sie spielen anders und bilden ihre eigene Fantasie aus. Es sei denn die Kinder wünschen es.

    Ich verurteile Eltern nicht, die nicht mit ihren Kindern spielen. Ich selbst tue es aber gern und glaube, dass es für meine Tochter momentan noch sehr wichtig ist.

  • Anja

    Ich spiele manchmal mit meinen Kindern, an vielen Tagen auch nicht. Mir geht es wie Dir. Ich singe mit ihnen, wir basteln auch, wir machen Ausflüge, wir lesen zusammen, manchmal toben wir, wir kuscheln. Ich helf auch, wenn es beim Lego nicht so richtig klappt, aber ich laufe nicht den ganzen Tag mit imaginären Ritterschwert oder Feuerwehrhelm rum. Das ist schon okay so. Hauptsache ist, dass man etwas hat, was man gerne zusammen macht.

  • Cornflakes

    Man soll natürlich Dinge gemeinsam machen, aber was man mit seinen Kindern macht (Ausflüge, lesen, spielen…) soll jede Mutter selber entscheiden können. Es sollen aber Dinge sein, die Dir Spass machen! Die Kinder haben viel mehr davon wenn es Dir auch Spass macht. Spielen sollen sie mit Menschen denen das spielen Spass macht. Jeder hat andere Interessen und Stärken. Nicht jeder kann alles und mag alles. Die Schwägerin ist ganz daneben. 

  • http://www.facebook.com/profile.php?id=100002450583691 Vera Popp

    und Basteln mit gemütlich machen (Kuchen und Kakao) ist wohl nix? Es gibt auch genug Mütter die basteln nicht mit ihren Kindern, weil sie es nicht können oder mögen….Rabenmutter/Jugendamt wenn ich das schon höre, die Schwägerin sollte vor ihrer eigenen Haustüre kehren!!! Ich mag auch nicht diese Rollenspiele…Bei der Puppenstube, Playmobil und Co bau ich gern mit auf und ein, aber wenns um spielen geht, Vater, Mutter, Kind komm ich mir auch doof vor ist nichts meins. Rumtoben, sollen auch gern andere übernehmen. Dafür singe ich gern mit Kindern oder puzzle, male, bastle….und schau auch gern zu, wenn Kinder spielen und ich liebe Gesellschaftsspiele mit Kindern und Erwachsenen ;) Man muss es echt nicht übertreiben, man solle schon irgendwas gern mit seinen Kindern machen, aber man muss nicht alles wollen und können!

  • http://www.facebook.com/Pia.Zeller Kia Pippilotta

    Du bist Frau, Ehefrau und Mutter. Du schilderst sehr schön wie dein Alltag aussieht und deine Einstellung dazu. Jeder hat Dinge die er gerne mag und Dinge die er nicht gerne mag. Meine Kinder 6/4/2 wissen was ihre Mama mag und was nicht. Ab und an können wir einen Kompromiss machen. Mir ist es jedoch viel wichtiger mit meinen Kindern zu kommunizieren dass ich nicht aus Bösartigartigkeit Rollenspiele und ausdauernde Spiele nicht spiele und sie auch nicht verletzen möchte damit. Aber dass Eltern eben auch Menschen sind. Und es gibt Dinge die sie gerne tun und ich nicht und umgekehrt ist es genauso. Ich verbiege meine Kinder nicht. Jeder hat das Recht so zu sein wie er ist. Und erziehen heisst für mich begleiten….Kinder begleiten auf ihrem Weg zu sich selbst. und das kann ich nur wenn ich mich selber kenne und die Kinder mich kennen. Aber verbalisieren kann muss ich das. Dass meine Kinder wissen, es ist nicht so dass ich wegen ihnen keinen Bock auf Rollenspiele habe, sondern weil ich das grundsätzlich nicht kann. Nicht kann weil ich ungeduldig werde. Nicht kann weil es nicht zu mir passt. Nicht kann und auch nicht können muss, nur um eine perfekte Mutter darzustellen. Das ist nicht meine Baustelle. Meine Kinder können auch unterschiedliche Sachen leiden. Darüber sind wir im Austausch und dann ist es für sie okay. Sie sollen sich von jedem das holen können was sie brauchen und für den Rest selbst sorgen können. Später wird das auch so sein. Darin begleite ich sie…zu ihrem eigenen ich und zu lernen wie man mit dem „ich“ der anderen umgehen kann.

  • Ma Jon

    Hallo Katja! Ich bin genauso, der Text hätte von mir sein können. Ich lese gern vor, ich unterhalte mich viel mit meinem Sohn, wir radeln, erkunden die Natur, hören zusammen CDs, ich erzaehle ihm Geschichten, wir kuscheln und toben, auch Gesellschaftsspiele wie Mau Mau, Mensch-ärger-Dich-nicht, usw mag ich, aber auf dem Boden rum rutschen, etc hasse ich. Oft zwinge ich mich dazu und dann kommt auch gut was zustande, aber es kostet mich Überwindung! Und ehrlich gesagt: ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern mit mir gespielt hätten. Ich hatte dazu Freundinnen oder ich habe eben allein gespielt. Das war sogar sehr nützlich- habe ich doch dadurch gelernt, mich zu beschäftigen.
    Kinder brauchen die Aufmerksamkeit und Nähe ihrer Eltern- so viel steht fest. Aber wie diese sie ihnen geben, kann ganz unterschiedlich sein. Man muss in einer Person nicht alles erfüllen- ich bin als Mutter (oder Vater) nicht allround-entertainer.
    Und zu Liese: jedes Kind ist ein Geschenk, aber zu sagen, dass man das nicht sieht, weil man nicht mit ihm spielt, finde ich gelinde gesagt, etwas überzogen. Jede Mutter wählt ihre Form der Nähe. Und je authentischer sie dabei ist, desto intensiver ist das für ihre Beziehung zu dem Kind.

    • Aurelia

      Zum Glück hat meine Mutter nicht mit mir gespielt. Wenn sie es getan hätte, hätte ich mich von ihr eher überwacht und beobachtet gefühlt. Ich habe mit meinen Freundinnen gespielt, und das war gut so.

      Das Jugendamt würde die Einwände der Schwägerin lächerlich und an den Haaren herbeigezogen finden, und würde ganz sicher nicht einschreiten, sondern wäre eher von den Forderungen der Schwägerin unangenehm berührt. Wenn sie sich dort blamieren will, dann soll sie nur dort hingehen. Die haben genug wirklich gravierende Fälle und Wichtigeres zu tun, als solchen lächerlichen und verrückten Anschuldigungen nachzugehen. Das weiß ich mit Sicherheit, denn ich habe dort gearbeitet.

  • Bribe

    Ich empfinde genau so!
    Mein Tag ist vollgestopft. Kind zur Kita, weiter zur Arbeit, Kind abholen, einkaufen oder nach Hause, Haushalt schmeißen und das jeden Tag. Ich bin viel mit meinem Kind zusammen, binde es in den Alltag mit ein (zusammen kochen oder backen, Blätter fegen, Wäsche machen) und wir freuen uns auf die kleinen Ruhepausen zwischendurch, aber eine leidenschaftliche Barbiespielerin??! Sorry, nein, das bin ich nicht.
    Ich kenne allerdings viele Entertainermütter. Und jedesmal denke ich mir: das brauche ich nicht. Mein Kind ist auch so mit mir zufrieden und liebt mich.

  • Mala

    Ich gebe zu, ich spiele auch nicht besonders gerne mit meinem Sohn, aber ich mache es halt trotzdem. Auch hierbei gibt es Sachen, die ich lieber mache, wie z.B. Türme aus Bauklötzen bauen, also spielen wir halt das. Wenn er unbedingt möchte, dass ich mit irgendwas spiele, dann lasse ich mich aber meistens erweichen und denke zwischenzeitlich an Organisatorisches, um mich abzulenken. Ich lasse ihn aber auch gerne mal alleine spielen, ich bin ja nicht Animatorin im Freizeitclub.

  • Anni

    Ich kann das auch nicht. Mit den kindern Rollenspiele spielen, das ist auch nicht mein ding. Ich bin Mutter von drei mädels (7,5 und 3 monate) und macht sonst viel mit ihnen, nur eben playmobil spielen ( oder so ähnliches) ist nicht mein Ding. Ich seh ihnen gern zu und hör auch was sie über ihre spiel erzählen ( rein und wieder vergessen), das klappt wunderbar ihne mich. Man beschäftigt sich ja mit seinen kindern und liebe, wärme, geborgenheit bekommen sie auch ohne das ich auf dem boden rum krieche und in IHRE fantasiewelt eintauch.

  • Lenina

    Hallo,
    mir geht es auch so: Ich spiele nicht gern mit Playmobil, Lego und Puppen. Ich bastel, male, backe, koche, lese, puzzle, singe und tanze mit meinen drei Kindern. Ich mache Hausaufgaben mit den Großen, unterstütze alle drei wo ich nur kann.
    Das ich nicht immer mit auf dem Boden sitze und lautstark „tatütata“ rufe, wie es meine Tochter macht, macht mich aber nicht zu einer Rabenmutter.
    Schade, dass von der Schwägerin so ein Druck aufgebaut wird. Alles muss schöner, stärker, besser sein. Immer dieser Druck. Es nervt! Mutter sein empfinde ich schwer, nicht wegen der Erziehung der Kinder (ist auch oft schwer: Bockphase, Zahnphase, und derzeit Pubertät), aber andere Mütter die halt anders erziehen, meinen immer sie müssen einen als dumm dastehen lassen. Ihr Kind ist besser, ihre Erziehung ist besser, usw.
    Geht gar nicht!
    Die Hauptsache ist doch, das wir immer für unsere Kinder da sind, auf ihre Gesundheit achten, Aufmerksamkeit, Verständnis und Liebe schenken!
    Wir sind alle tolle Mütter und sollten auch an uns glauben!

  • Martina

    Du bist authentisch und das spüren deine Kinder. Andersherum würden sie merken wenn du nur aus schlechtem Gewissen heraus mit ihnen spielst. Das sie eine Beziehung zu dir haben, dir vertrauen können und wissen, dass du für sie da bist ist viel wichtiger. Ein Kind wird immer wieder mit den unterschiedlichsten Chsrackteren in seiner Umwelt konfrontiert. So lernt es das Leben kennen. Und da gibt es nun mal eine Mama die gern bastelt und Bücher verliest, den Papa der Lego bauen kann und die Tante die gerne Playmobil mitspielen möchte. Aber nicht alle machen und können alles. Das ist ganz normal! Wichtig finden ich, dass du, wenn ihr Zeit miteinander verbringt, bei der Sache bist und ihnen in dieser Zeit volle Aufmerksamkeit schenkst.

  • Daniel

    Warum wohl sprechen viel Erwachsene davon das Weihnachten der schönste Tag im Jahr war als die lieben Kleinen eben noch klein waren? Weil das bei vielen meistens der einzige Tag im Jahr war wo sich intensiv mit dem eigenen Nachwuchs beschöftigt wurde, ja kalr ind er heutigen Leitungsgesellschaft fehlt oft die Zeit, ide Lust und Geduld aber später hört man immer wieder, ach hätte man doch früher mal diese sund jenes getan und sich mehr interessiert und gekümmert etc. aber heute sind sie ja schon groß, bereits ausgezogen etc., man merkt erst was man hatte und hätte haben können wenn es bereits viel zu spät ist.

  • Scherbenkind

    In diesen Rollenspielen sollen die Kinder ausprobieren, nachahmen etc., was sie in der Welt beobachten. Als Erwachsene bevormunde ich sie doch dann! Ich zieh die Barbie an, pfriemel an Frisuren oder helfe beim Aufbau- geschenkt. Gerne lasse ich mir auch erklären, was und wie gespielt wurde, aber dabei mitspielen? Ich kann‘ s nicht mehr (musste selbst Astrid Lindgren feststellen) und Kinder merken, wenn man nicht authentisch ist. Natur entdecken, zusammen schwimmen, kochen, basteln, von meiner Kindheit erzählen, stundenlang vorlesen, Hausaufgabenkontrolle… meine Tochter hat noch nie gefragt, ist nie auf die Idee gekommen, ich sollte mitspielen. Ich glaube, sie braucht ihre Fantasiewelt auch für sich allein und spielt selbst vergessen oder mit andren Kindern. Jugendamt? Die haben bestimmt nichts Wichtigeres zu tun. Übrigens ist in der Waldorfpädagogik das Mitspielen der Erwachsenen gar nicht vorgesehen und bekannterweise werden Kinder unter Anthroposophen überhaut nicht gewertschätzt!

  • Katharina

    Ich fand das klassische Spielen (Häuschen bauen, mit Puppen spielen etc.) schon als Kind langweilig, außer die Abenteuerspiele mit anderen Kindern aufm Hof oder auf der Straße und die Lernspiele im Kindergarten. Ich finde es wahnsinnig langweilig mit meinen Kleinkindern (2,4) alleine zu Hause zu spielen. Wenn wir draußen sind oder andere mit dabei sind (Kinder oder Erwachsene), ist es anders. _Was ich im Artikel erschreckend finde, dass es anscheinend normal sein soll, dass jedes Kind sein eigenes Zimmer hat??? Denn sie entschuldigt sich dafür, dass ihre Kinder in einem Zimmer schlafen. Meine schlafen auch in einem Zimmer und oft schlafe ich sogar bei ihnen mit. (Mein Mann arbeitet bis spät in die Nacht, den stört das nicht.) Traurig finde ich, wenn ein kleineres Kind abends/nachts separiert im eigenen Zimmer quasi abgeschoben wird. Denn gerade im Dunkeln ist es gruselig und daher umso schöner, wenn noch jemand anderes im Zimmer ist.

  • gast1

    Oh ich verstehe das so gut. Mein sohn ist 2 jahre alt und liebt auto spielen. Ich mag es gar nicht. Das macht der papa gern mit ihn. Aber ich und Autos hin und herschieben :/
    Dafür gucke ich gerne Bücher an, rede mit ihn viel und gerne. Ich baue auch lego aber nur bauen. Ich male lieber mit ihn oder knete. Ich versuche halt oft ihn zum malen, puzzlen etc zu animieren

  • heila

    liebe nadja. ich finde es toll, dass du so ehrlich schreibst. ich bin selbst mutter einer dreijährigen und ich langweile mich fürchterlich, wenn ich mit ihr spielen soll. ich selbst finde nichts schlimmes daran, nur meine umwelt scheint das zu stören. meine eigene mutter hat nie mit uns gespielt. sie hat gesungen, gekocht, erzählt, uns geliebt und mit all der wärme, zuneigung und kraft ausgestattet, die wir für ein ganzes leben brauchen. wir sind alle verschieden und sollten uns einfach machen lassen. so lange es sich richtig anfühlt, ist alles in ordnung.

  • Juli

    Meine Mutter hat auch nie mit meiner Schwester und mir gespielt. Sie hat mit uns gebacken, gebastelt, gesungen und war immer für uns da. Mein Vater hat, als meine Schwester noch nicht geboren und später als sie noch Baby war, am Wochenende mit mir mit „Familie Bär“ gespielt, mit Bauklötzen gebaut und „Mutter, Vater, Kind“ gespielt. Als meine Schwester ins „Spielalter“ kam war das vorbei. Dafür ist er mit uns Laternegelaufen, hat Drachen mit uns gebaut und steigen lassen, hat mit uns im Garten gearbeitet oder Dinge aus Holz gebaut. Und: Ich habe nichts vermisst! Ich hatte eine wundervolle, liebevolle Kindheit!

  • Die Rabenmutti

    Hallo liebe Mama,

    ehrlich? Ich spiele auch nicht gern mit meiner Tochter. Irgendwie, macht mir das auch keinen Spaß. Natürlich setzen wir uns ab und zu auf den Boden und versenken Förmchen in den Löchern – es freut sie, dass sie es schafft und mich freut es, dass sie glücklich ist. Gerne mache ich es dennoch nicht. Daher spielen wir auch seltener. Ich kuschele mit ihr, füttere sie, wickele sie. Den Animateur macht die Tagesmutter oder aber auch der Papa. Der Papa kennt nämlich tolle Spiele ;) Die Mama singt dann lieber, denn das kann der Papa nicht. Man ergänzt sich also. Ich hab ein Einzelkind, deswegen fände ich es traurig, wenn sie den ganzen Tag allein spielen müsste. Naürlich setze ich mich dann dazu, irgendwie bekomm ich die Zeit schon rum, denk ich mir. Bin ich eine Rabenmutti? Ich weiß es nicht. Laut Gesellschaft mit perfekten Latte Machiatto Müttern wahrscheinlich schon. Liebt mich mein Kind? Japp, Liebe ich mein Kind? Japp. So falsch kanns also nicht laufen.

    Liebe Grüße
    Die Rabenmutti Yasmin
    (www.dierabenmutti.de)

  • Manu

    Also ich finde es total okay von Nadja, sie tut doch wohl genug für ihre Kinder, vielleicht mehr wie manch andere Eltern, viele Kinder werden heute vor TV und Playstation geparkt, sie liest vor, bastelt mit Ihnen und sorgt dafür das sie ein gemütliches Zuhause haben und geht dabei noch halbtags arbeiten, was den bitte noch? Nur weil man Mutter ist muss man nicht ein komplett ferngesteuerter Zombie sein, davon wird Mama und Kind auch nicht glückllicher….wenn sie nicht mit Puppen und Playmobil spielen will ist das mehr als in Ordnung, warum soll Frau sich dermaßen verstellen? Nur um vor der „lieben“ und ach so besorgten Schwägerin und der restlichen Aussenwelt „gut“ (aber unglücklich) dazustehen ….. Nee danke. Ich würd mir auch weitere Einmischungen strengstens verbeten, was genau bildet sich ihre Schwägerin ein ? Und wenn sie mit dem Jugendamt um die Ecke käme würde ich den Kontakt sofort beenden. Ausserdem sollen Kinder sich auch selbst beschäftigen können und brauchen keinen Daueranimateur in Form ihrer Mutter, sie können das wohl selbst und auch andere Verwante kümmern sich um sie und spielen mit Ihnen….ich sag nochmal; das ist viel mehr als manch anderes Kind hat!

  • Mina

    Es ist überhaupt nicht schlimm. Ich spiele auch ungern und manchmal mit meim Kind. Sie hat Freunde und kann sich auch mal alleine beschäftigen wenn gerade keine da sind. Was haben wir früher gemacht? Wir sind mit Freunden in die Wälder gelaufen und waren Kreativ haben uns selbst Regeln aufgestelt und Grenzen gesetzt. Kinder lernen am besten von Kindern. Heute mischen die Eltern im Spiel viel zu viel mit, kommentieren dies und das, verbessern etc. Kinder brauchen Kinder um zu gedeihen und zu lernen. Also keine Sorge;-) Ihr habt doch euren Basteltag etc. das ist doch super!

  • girl07

    Hallo allerseits
    Ich bin selber keine mutter und bin auch erst 15 jahre alt aber meiner meinung nach ist es wichtig dass kinder sich selber beschäftigen können und nicht immer jemanden zum spielen brauchen
    Ich bin früher stundenlang alleine in meinem zimmer gesessen und habe playmobil oder barby gespielt und ich hätte es eher seltsam gefunden wenn meine mutter auf einmal mitgepielt hätte….
    Ich war aber wirklich überhaupt nicht einsam und hatte auch freunde und hab viel geredet aber ich hab mich auf diese weise zurückgezogwn und hab es auch gemocht
    Ich finde die reaktion der schwägerin ist wirklich übertrieben und sehr unsympathisch…
    Ich glaube wenn ich mutter wäre (obwohl ich mir das logischerweise noch gar nicht vorstellen kann ^^) würde ich sie von meinen kindern fernhalten.. so verklemmt wie die beschrieben wurde
    Es ist doch deutlich beschrieben worden dass die mutter viel zeit mit ihren kindern verbringt sie also nicht vernachlässigt oder so und jeder soll selbst entscheiden wie er die zeit mit seinen kindern verbringt
    Für mich klingt es eher so als möchte sich die schwägerin wichtig machen
    Das ist meine meinung dazu und ich möchte auf keinen fall jemanden verärgern, dieser beitrag hat mich einfach dazu motiviert euch auch meine ansicht zu diesem thema darzulegen :)
    Lg

  • Alexader

    Meine Eltern haben auch nicht mit mir gespielt. Ich konnte mich wunderbar alleine beschäftigen (Lego) und beide waren sehr froh darüber und stolz.
    Wir haben natürlich Ausflüge gemacht, ins Museum, Schwimmbad, Aquarium usw. Meist war mein Papa für die outdoor-unterhaltung zuständig und Mama fürs trösten :) Ich hatte mein Zimmer für mich und konnte bauen was ich wollte, wenns natürlich auch irgendwann wieder aufgeräumt wird.

    Dein Text ist klasse und ich finde, du brauchst dir keine Gedanken machen. Kinder müssen auch alleine spielen können und deine sind zu zweit, also eh nicht allein. Du scheinst dich gut um deine Kinder zu kümmern, da ist es nicht mal ansatzweise schlimm, dass du nicht auf dem Boden rumrutschst und an kitschigen Rollenspielen teilnimmst.

  • Birgit

    Ich finde es auch völlig OK, wenn Erwachsene nicht mit ihren Kindern spielen sondern die Kinder lieber mit gleichaltrigen Freunden oder Geschwistern spielen. Man sollte die Kinder da auch lieber alleine lassen, denn manchmal sind sie so im Spielen vertieft, da würde man nur stören….
    Und: ich bin kein Kind mehr und muss nicht mehr auf dem Boden rumrutschen. Ich zeige meinen Kindern dafür andere Dinge, aber das Spielen sollen sie lieber mit Ihresgleichen machen. Und wer gerne mit seinen Kindern spielt, soll das gerne machen aber dabei im Hinterkopf behalten, dass das Ständig-bespielt-werden gar nicht gut für die Kleinen und ihre Phantasie und Spielfähigkeit ist.

  • Katka

    „Ich lese ihnen gern vor, ich bastle und mache Ausflüge.“ Ich denke, das ist mehr, als viele andere Eltern fuer ihre Kinder tun und voellig ausreichend. Es ist egal wie, hauptsache man verbringt UEBERHAUPT Zeit mit seinen Kindern. Ich habe es als Kind immer gehasst, wenn meine Eltern mit mir in ‚meiner Lego-Welt‘ spielen wollten. Sie hatten nie die Fantasie und Kreativitaet und haben mir meinen eigenen Soapkosmos kaputt gemacht. Ich habe oft nur mit ihnen gespielt, weil ich dachte, ich tue ihnen einen Gefallen. Wenn deine Kinder nicht explizit danach fragen, wuerde ich auch nicht damit anfangen. Sie haetten doch auch keinen Spass, wenn du dabei keinen Spass hast.