Mein Kind muss ins Krankenhaus

Ob Notfall oder geplant: wenn ein Kind in die Klinik muss, ist das für alle Beteiligten eine sehr schwierige Situation. Was gilt es zu organisieren, woran sollte auf jeden Fall gedacht werden und was muss mit? Unsere Checklisten und Tipps helfen, das zu wuppen.

Die Mittelohrentzündung war schmerzhaft – doch auch nach Abklingen der Symptome blieben Probleme. In den Ohren meiner Tochter hatten sich Paukenergüsse gebildet – der Facharzt ordnete eine Operation an. Es war nicht der erste Besuch mit Kind in einem Krankenhaus. Und nicht der letzte.

Fast alle Eltern haben es schon erlebt: Ganz plötzlich steigt das Fieber deutlich über 40° Grad, das Kind zeigt eine beängstigende allergische Reaktion oder krümmt sich vor Schmerzen. Je nach Wohnort kann zwar manchmal erst der ärztliche Notdienst gerufen werden, doch im Zweifelsfall geht es in die Ambulanz des örtlichen Kinderkrankenhauses. Sicherheitshalber sollte bei einem Besuch in der Notaufnahme immer eine kleine Übernachtungstasche dabei sein. Denn die Botschaft: „Wir möchten Ihr Kind zur Beobachtung gern hier behalten“ kommt öfter, als es Eltern lieb ist.

Was tun im Notfall?

Wenn es schnell gehen muss, etwa wenn das Kind bewusstlos ist, blutet oder einen Fieberkrampf hat, sollte nicht lange überlegt werden.  In so einem Fall sollte – je nach Wohnort – ein Rettungswagen gerufen werden, denn ein RTW sorgt für den schnellsten Transport ins Krankenhaus. Über die 112 bekommen besorgte Eltern Hilfe. Die wichtigsten Notrufnummern sollten immer in der Nähe des Telefons liegen oder im Handy eingespeichert sein.

Mein Kind muss ins Krankenhaus (© Thinkstock)

Mein Kind muss ins Krankenhaus (© Thinkstock)

Auch wenn es ganz schnell geht, kann das Lieblingskuscheltier oder das Schnuffeltuch ein wichtiger Begleiter sein. An die Krankenkassenkarte sollte auch gedacht werden. Alles andere kann dann später mitgebracht werden. Meist kann nur ein Elternteil mitfahren, das andere hat allerdings auch nicht immer Zeit, einen kleinen Koffer zu packen, da Geschwister versorgt werden müssen. Im Krisenfall nicht scheuen, Nachbarn und Freunde um Hilfe und Unterstützung zu bitten.

Wenn der Krankenhaus- Aufenthalt geplant ist

Natürlich ist vieles einfacher, wenn Eltern und Kind wissen, dass es an einem bestimmten Tag in die Klinik geht. Für Eltern heißt das allerdings auch, dass sie schon vorher Zeit haben, sich Sorgen zu machen, eventuell zu viel im Internet recherchieren, sich ausmalen, was alles passieren könnte. Wer sich sehr sorgt, sollte in der Klinik anrufen, die meisten Kinderkrankenhäuser haben einen psychologischen Dienst, der mit Rat zur Verfügung steht.

Wer weiß, dass es unvermeidbar ist, dass das Kind stationär behandelt werden muss, hat aber auch die Zeit, sich und den zukünftigen Patienten besser vorzubereiten. Es bleibt ausreichend Vorlauf, alles wichtige einzupacken, zu klären, ob Mama oder Papa als Begleitperson mitkommt, den jeweiligen Arbeitgeber zu informieren, sich darum zu kümmern, wer Geschwisterkinder betreut und sich klug zu machen, wie der Ablauf in der Station des Kinderkrankenhauses aussieht.

Auch dem Kind kann vorher erklärt werden, was es erwartet. Gemeinsam kann man kindgerecht über den nötigen Eingriff sprechen („Du bekommst erst eine Medizin zum Trinken, die müde macht, dann eine Spritze und schläfst ganz tief, in der Zeit kümmern sich die Ärzte um deine Ohren, damit du wieder besser hören kannst“). Auch Spielen mit dem Arztkoffer ist hilfreich. Die Teddys und die Puppen bekommen Spritzen und Verbände. Auch Bilderbücher können helfen, um gemeinsam über den Krankenhausaufenthalt zu sprechen. Vor allem „Conny kommt ins Krankenhaus“ ist schon ein Klassiker. Auch wenn Conny ganz allein auf der Kinderstation ist.

Wichtige Fragen vorher klären

Ist der Aufenthalt geplant, sollte schon möglichst früh mit der Station, in der das Kind aufgenommen wird, gesprochen werden. Je besser Eltern informiert sind, desto sorgfältiger können Sie sich und ihr Kind vorbereiten.

Frageliste für stationären Aufenthalt:

  • Was muss mein Kind mitnehmen?
  • Wie sieht der Alltag in der Station aus?
  • Kann ich mein Kind begleiten?
  • Was wird von Begleitpersonen erwartet?
  • Wer wäscht das Kind, verabreicht Medizin?
  • Werden Windeln gestellt? (Für die ganz Kleinen)
  • Bekommen auch Eltern Essen in der Klinik?
  • Wann sind Besuchszeiten?
  • Welche Reglungen gibt es für Geschwisterkinder?
  • Wann ist Visite?
  • Gibt es ein Spielzimmer?
  • Ist ein Aufenthaltsraum für Eltern da?
  • Welches Spielzeug ist erlaubt?
  • Wie sieht die Versorgung mit Getränken aus?
  • Was muss ich über die Hausordnung wissen?


Eltern als Begleitperson

Wie alt ist Conny eigentlich, als sie sich ein Bein beim Rutschen vom Hochbett bricht? Ist sie schon ein Schulkind? Eigentlich erscheint es Eltern heute Standard zu sein, dass kleine Kinder mit ihren Eltern gemeinsam stationär aufgenommen werden. Doch wer an die eigene Kindheit denkt, weiß eigentlich, dass es vor einigen Jahrzehnten noch anders war.

Obwohl Experten auch vorher schon dringend dazu rieten, wurde erst 1988 die „Charta für Kinder im Krankenhaus“ verabschiedet. Die Forderung war, dass es Grundrecht der Kleinen sei, dass eine Begleitperson mitkomme. Ein zähes Ringen und nicht zuletzt die Diskussion um die Kosten waren die Folge. Doch ganz klar heißt es heute im Sozialgesetzbuch V unter SGB V, § 11, Absatz 3 „Versicherte haben nach folgenden Vorschriften Anspruch auf Leistung (3) Bei stationärer Behandlung umfassen die Leistungen auch die aus medizinischen Gründen notwendige Mitaufnahme einer Begleitperson des Versicherten.“

Diese „medizinische Indikation“ ist für die Kostenträger, die Krankenkasse, durchaus ein strittiger Punkt. Es gilt allerdings in den meisten Kinderkrankenhäusern als Standard, dass die Ärzte so eine Notwendigkeit der Begleitung bis zum 9. Lebensjahr der kleinen Patienten schriftlich bestätigen. Für Kinder bis in das Grundschulalter ist die Nähe zu ihren Eltern in so einer Situation sehr wichtig. In vielen Kliniken wird mittlerweile sogar erwartet, dass die Eltern mit ihren Kindern im Zimmer schlafen. In manchen Krankenhäusern gibt es aus Platzgründen auch „Gästehäuser“ für die begleitenden Eltern.

Eltern als Begleitperson (© Thinkstock)

Eltern als Begleitperson (© Thinkstock)

Ob auch bei älteren Schulkindern ein Elternteil mit im Krankenhaus übernachten darf, ist Auslegungssache. Und sollte unbedingt mit der Klinik vor Ort und der eigenen Krankenkasse besprochen werden. Manchmal sind Kinderstationen auch so überfüllt, das Schulkindereltern geraten wird, das Kind allein zu lassen. Hier sollten sich Eltern auf ihr Bauchgefühl verlassen – sie kennen schließlich die Bedürfnisse ihres eigenen Kindes am besten.

Je nach Kind kann es auch genügen, dass Mama oder Papa nur in ersten oder zweiten Nacht mit übernachten und tagsüber oft zu Besuch kommen. Das ist oft leichter zu organisieren und im Falle von chronischen oder sehr langwierigen Erkrankungen oft auch gar nicht anders zu lösen.

Nicht immer können Mütter und Väter bei ihrem Kind sein

Nicht für alle Eltern ist es möglich, dass sie ihr Kind begleiten, auch wenn die Kosten übernommen würden. Alleinerziehende mit mehreren Kindern haben oft keine Wahl. Hier hilft es, vorher mit der Klinik zu besprechen, was am besten ist. Oft stehen andere Eltern vor ähnlichen Problemen, etwa wenn der Vater gar nicht vor Ort arbeitet und ein Stillbaby zu Hause ist. Dann kann eine Lösung sein, dass mehrere Kinder ein Mehrbettzimmer teilen und die Eltern so viel wie möglich zu Besuch kommen.

Krankenbesuch beim Kind (© Dorling Kindersley /Thinkstock)

Krankenbesuch beim Kind (© Dorling Kindersley /Thinkstock)

Tagsüber gibt es in vielen Kliniken auch für Geschwisterkinder eine Betreuung. Wenn das Kinderkrankenhaus zu weit weg vom Heimatort ist – etwa bei Spezialeingriffen – oder Eltern aus anderen Gründen nicht bei ihrem Kind sein können, bietet der Elternverband „Aktion Kind im Krankenhaus“ in vielen Städten einen Besuchsdienst.

Welche Möglichkeiten gibt es noch?

Gerade wenn ein Kind schon längere Zeit krank ist, sorgen sich Angestellte auch um ihren Arbeitsplatz. Trotzdem gilt: Bei einem Krankenhausaufenthalt des Kindes gilt das Recht, von der Arbeit freigestellt zu werden. Auch Kinderkrankengeld kann bezogen werden. Dafür muss das Personal der Station eine Bescheinigung ausstellen, wie lange das Kind aufgenommen war.

Wer noch weitere Kinder unter zwölf Jahren im Haushalt hat und keine Unterstützung von anderen Angehörigen in Anspruch nehmen kann, bekommt von der Krankenkasse in der Regel bei einer medizinischen notwendigen Mitaufnahme in die Kinderklinik eine Haushaltshilfe – allerdings nur auf Antrag.

Checkliste Klinik-Tasche

Wenn das Kind ungeplant ins Krankenhaus muss, bleibt oft wenig Zeit zum Nachdenken. Wer mag, kann sich diese Liste ausdrucken und zu den Notfallnummern an die Pinnwand hängen. Und natürlich noch nach dem eigenen Bedarf ergänzen. So kann auch in der Krise schneller gepackt werden, ohne dass langes Nachdenken nötig ist!

Packliste Krankenhaus für das Kind (muss natürlich dem Alter angepasst werden)

  • Einweisungs-/Überweisungsschreiben des behandelnden Artztes
  • Krankenkassenkarte
  • U-Untersuchungsheft
  • Allergieausweis (wenn vorhanden)
  • benötigte Medikamente
  • Windeln (wenn bestimmte Marke bevorzugt)
  • Waschlappen, Handtücher, Kulturbeutel
  • Schnuller
  • Schlafanzüge
  • Unterwäsche
  • Bequeme Hose, Langarm-Shirt, T-Shirt
  • Bademantel
  • Hausschuhe
  • Lieblingskuscheltier, Schmusetuch
  • (Bilder-)bücher
  • CD-Player mit CDs
  • Kleine Gesellschaftsspiele


Checkliste: Krankenhaus – was Sie als begleitendes Elternteil einpacken sollten

  • Kleingeld (Münztelefon, Kiosk etc.)
  • Bequeme Kleidung zum Wechsel
  • Nachtwäsche, Unterwäsche
  • Kulturbeutel, Duschzeug
  • Hausschuhe
  • Taschentücher
  • Taschenlampe (um das Kind nicht zu stören)
  • Buch zum Lesen
  • Stift und Heft für Notizen
  • Kleine Snacks (Trockenfrüchte, Nüsse oder andere Nervennahrung)
  • 2 Flaschen Wasser (falls auf der Station nicht in Selbstbedienung vorhanden)
  • Eventuell Teebeutel-/Instantkaffeepulver


Kleine Patienten im Krankenzimmer (© Illustration Dorling Kindersley / Thinkstock)

Kleine Patienten im Krankenzimmer (© Illustration Dorling Kindersley / Thinkstock)

Ausführliche Informationen und kostenlose Broschüren zum Download bietet der Elternverband „Aktion Kind im Krankenhaus e.V.“.

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