Anschläge: Mit Kindern über Terror reden

Die aktuellen Nachrichten machen sprachlos. Auch Kinder hören sie. Wie können Eltern am besten mit ihren Kindern über Terror und ihre Ängste sprechen?

Und wieder sind die Bilder beängstigend.  Die Berichte über die Anschläge sind im Fernsehen, Radio und im Internet zu sehen. Was uns Erwachsene schon sehr besorgt, wirkt auf Kinder verstörend. Schon bei den Terroranschlägen von Brüssel und Paris haben Eltern ähnliche Erfahrungen machen müssen: auch wenn wir unsere Kinder schützen möchten, können wir nicht vermeiden, dass sie von den schrecklichen Ereignissen, die die Welt bewegen, etwas mitbekommen. Wir können aber verhindern, dass sie selbst sich etwas zusammenreimen und allein mit ihrer Angst gelassen sind.

Ohne Erklärung sind die Ereignisse für Kinder noch schlimmer (c) Thinkstock

Ohne Erklärung sind die Ereignisse für Kinder noch schlimmer (c) Thinkstock

Viele Kinder schnappen Informationen auf und sorgen sich dann

Kinder schnappen Kommentare von Erwachsenen auf, hören die Berichterstattung im Radio mit oder sehen sogar Fernsehbilder. Das wirkt sehr verstörend auf sie und sie sollten mit dem Geschehenen nicht allein gelassen werden, das raten die Experten der Initiative „Schau hin“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. “Viele Kinder sorgen sich, dass solche Attentate auch in Deutschland passieren können, und haben vielleicht nun Angst, Flughäfen und U-Bahnen oder andere Verkehrsmittel zu nutzen.” Gerade jetzt, da in der Ferienzeit viele Reisen geplant sind, sorgen auch die Bilder  für Ängste.

Mit Kindern unter drei Jahren müssen die Attentate nicht thematisiert werden, für sie ist das Geschehen noch zu abstrakt, doch bereits Kindergartenkinder haben oft Fragen und bekommen einiges mit.

Die Bilder der Terroranschläge wirken auf Kinder sehr beängstigend (c) Thinkstock

Die Bilder der Terroranschläge wirken auf Kinder sehr beängstigend (c) Thinkstock

Was bewirken die Bilder bei Kindern?

Jüngeren Kindern – und auch vielen Grundschulkindern – fällt es schwer, die Bilder zu begreifen. Sie sehen das Leid, den Kummer, spüren die Sorge der Erwachsenen. Auch wenn sie scheinbar reglos schauen,versuchen sie, das Gesehene zu begreifen.  Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI)  hat anhand des Irak-Krieges und des Fukushima-Unfalls erforscht hat, wie Kinder mit Katastrophenbildern umgehen erklärt in einem Gespräch mit heute.de:

“Was nach außen kommuniziert wird, ist nicht unbedingt das, wie es innen aussieht.”

Eltern sollten daher, auch wenn sie selbst Nachrichten gucken möchten, den Fernseher nicht einfach laufen lassen. Besser ist es, gemeinsam mit den Kindern zu gucken und bei der Berichterstattung auf altersgerechte Formate zu achten. Kindgerechte Nachrichten gibt es beispielsweise im Kika bei “Logo”.

Kinder nach ihren Ängsten fragen

Haben die Kinder schon etwas gehört? Das ist einer der ersten Gedanken, den Eltern von Kindergarten- und Schulkindern haben. Vielleicht hat schon ein Lehrer etwas erzählt oder Erwachsene haben sich beim Abholen im Kindergarten über die Anschläge unterhalten? Am besten die Kinder direkt fragen. Vielleicht haben es nicht ganz verstanden oder nur ein paar Sätze gehört, die sie verstören.

Kinder versuchen gehörte Nachrichten und Fernsehbilder in ihr Weltbild einzuordnen. Wie sehr sind sie betroffen? Ist Frankreich weit weg? Die Türkei? Oder Belgien? Wenn es dort Freunde  oder Verwandte gibt, scheint das Geschehen vielleicht näher oderwenn Reisen geplant sind, fühlen sich Kinder sehr betroffen.

Eltern sollten versuchen ihren Kindern zu zuhören. Im gemeinsamen Gespräch über die Ereignisse kann nach Sorgen dazu gefragt werden. Sonja Lehnert vom Blog Mama-notes hat mit ihren Kindern (4 und  6 Jahre alt) über die Anschläge von Paris gesprochen. Sie wollte nicht, dass ihre Kinder zuerst von anderen informiert werden und erzählte, dass in der großen Stadt, keine zwei Autofahrstunden entfernt, etwas schreckliches passiert sei.

“Da waren Terroristen. Das sind ganz böse Menschen,” erklärte sie. Sie berichtete von angezündeten Bomben “Es mussten dadurch sehr viele Menschen sterben. Ganz viele Familien vermissen jetzt ihre Verwandten. Ich bin auch ganz traurig deswegen. Ich wollte Euch das erzählen, damit Ihr es von mir gehört habt. Falls Ihr in den nächsten Tagen andere Menschen von etwas schrecklichem sprechen hört, dann wird es das sein, wovon sie reden.“ Ihre Kinder waren erstaunt. Aber nicht verängstigt. Und begannen Fragen zu stellen.

Mit Kindern über Terror reden

Gemeinsames Sprechen tröstet Kinder und schützt vor Ängsten (c) Thinkstock

Die eigenen Ängste müssen vor den Kindern nicht besprochen werden

Die meisten Kinder möchten keine genauen Details. Das ist auch gut so. Es reicht, wenn Eltern erklären, dass sie selbst traurig sind. Vielleicht auch, dass sie selbst nicht genau verstehen, was passiert. Die eigenen Ängste und Sorgen sollten Erwachsene aber nicht mit ihren Kindern teilen.

“Vielleicht will das Kind nur hören, dass es in Sicherheit ist und keine Einzelheiten hören”, sagt Medienexpertin  Maya Götz. Wenn die Frage nach der eigenen Sicherheit kommt, sollten Eltern versuchen altersgerecht ehrlich zu antworten. Im letzten Herbst beeindruckte ein französischer Vater, der seinen Sohn beruhigte. Sein kleiner Sohn sorgte sich vor den Terroristen. “Sie haben Waffen, sie können uns erschießen. Sie sind wirklich wirklich böse, Papa. Sein Vater blieb ruhig und erklärte dem Kind: “Sie haben Waffen, aber wir Blumen.” Das Kind blieb skeptisch. “Aber Blumen machen nichts …” Die Antwort des Vaters: “Natürlich machen Blumen etwas. Jeder legt hier eine Blume hin. Die sind da, um gegen die Waffen zu kämpfen.

Eltern sollten ihren Kindern erklären, dass es etwas gibt, das gegen Terror hilft. Ganz viele Blumen, Zusammenhalt, Freiheit, Freundlichkeit und Empathie. Kinder sollten Trost finden, offen über ihre Ängste reden dürfen und sich vor allem besser fühlen. So wie der kleine Junge im Interview, der zum Schluss des Gespräches auf die Frage, wie er sich nun fühle antwortet: “Ja, ich fühle mich besser.”

French father and son have the most precious conversation in i…A father and son have the most precious conversation during an interview by french media at the scene of the Bataclan attacks. I saw that it hadn’t been subtitled in english yet, so I made a quick edit to show the rest of the world how freakin awesome some of our citizens are. They’re my heros. I feel better too now! #paris #bataclan #parisattacksUPDATE: Full segment has been posted with subtitles by LPJ http://www.dailymotion.com/video/x3e8rah_paris-attacks-november-2015-le-petit-journal-du-16-11_tvImages and interview are a courtesy of Le Petit Journal . Thank you so much to the LPJ team for this interview and a very touching segment yesterday! Also, thank you for letting this video be accessed by all and not putting it down. Thank you to Angel Le (father) and Brandon (son) for brightening up our day. <3 Original Segment: http://bit.ly/1Lix9L2Original Video (without subtitles): https://www.facebook.com/PetitJournalYannBarthes/videos/1013093998733798/

Posted by Jerome Isaac Rousseau on Montag, 16. November 2015

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  • http://www.herzkindmama.de Ella

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Meine älteste ist zwar erst 5 Jahre alt, aber sie hat auch mitbekommen, dass ich mit ihrem Papa über die Bomben gesprochen habe. Gott sei Dank, leben wir auf dem Land und ich habe ihr erklärt, dass hier niemand eine Bombe legen wird. Aber es ist schon schwer, denn man weiß ja wirklich nicht, was in den Köpfen der Kinder vorgeht.

    • Kunigunde

      Meine Meinung ist vielleicht eher konservativ, trotzdem sage ich was dazu: Ich denke, wenn die Kinder fragen, sollte man, altersgemäß, auch eine Antwort geben! Allerdings bin ich dagegen, daß man alles und jedes auch mit den kleinsten Kindern diskutiert. Ein zuviel an Information kann die Angst auch vergrößern. Man kann z. B. sagen, daß die Bomben zwar gefährlich sind, aber weit weg von uns! Auch wenn das nicht ganz korrekt ist, kleine Kinder haben doch keine wirkliche Vorstellung von Entfernungen. Also, zu genaue Informationen wie : Es sind nur zwei Stunden Autofahrt von uns entfernt, finde ich überflüssig!