11 „Energietipps“ im gnadenlosen Mütter-Check

Der Akku ist leer und soll mit einfachen Mitteln rasch wieder aufgeladen werden. Eigentlich eine gute Idee. Aaaaber… die Redakteurinnen der liliput-lounge wissen, woran solche Vorhaben scheitern und verteilen Energiepunkte.

Kinder zur Betreuung bringen, Meeting organisieren, Geschenke einkaufen, rasch noch Brot besorgen, Kinder zu Verabredungen bringen, nebenbei vergessen eine wichtige geschäftliche Mail zu beantworten, und die eigene Mutter hat auch schon drei Nachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlassen. Es gibt Tage, die einfach verdammt viel Energie ziehen.

Das geht nicht nur berufstätigen Müttern so, fast jeder kennt das Problem. Kein Wunder, dass es viele tolle Bücher und noch mehr kluge Artikel dazu gibt, wie es gelingt, die eigenen Kraftquellen rasch wieder zu füllen oder gar Stress in Energie umzuwandeln.

Besonders schön wäre ja eine Woche Wellness-Urlaub, ganz ohne Kinder. Oder vielleicht einfach eine überraschende kleine Erbschaft, die das Konto plötzlich auffüllt. Da aber beides doch leider sehr selten vorkommt, haben wir Tipps gesammelt, die ohne viel Aufwand auch für mehr Energie sorgen sollen. Mit Praxiskommentar von zwei Müttern, die immerhin gemeinsam fünf Kinder haben…

Wir verteilen Energiepunkte auf der Mama-Skala.

1. Singen für mehr Energie

„Wo man singt, da lass dich nieder…“ oder so ähnlich. Viele nervige Sachen (Wanne putzen, Wäsche falten, Staub wischen) gelingen mit Musik besser. Einfach mal laut den eigenen Lieblingssong schmettern. Oder sich alberne Texte zu bekannten Liedern ausdenken. Dem mauligen Kleinkind das Lied von der kleinen Biene Maja vorsingen: „In einem wohlbekannten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit. Wohnte ein Mädchen. Das motzte alle Zeit. Und diese Motzmaus die hieß…. (Name des Kindes einfügen).“ Hebt zumindest die mütterlichen Mundwinkel. Solange der Nachwuchs noch nicht „Mama, nein singen“ sagen kann, sehr hilfreich. Aber nicht unbedingt für den täglichen Gebrauch geeignet, wenn man ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn haben möchte.

Singen macht glücklich (Thinkstock)

Singen macht glücklich (Thinkstock)

0 Energiepunkte auf Silkes Mama-Skala

0 Energiepunkte auf Christines Mama-Skala [Wenn ich singe, schreien die Kinder, ich solle das SOFORT lassen.]

2. Dancing with Tears in my eyes

Musik tut wirklich gut. Jeder hat persönliche Lieblingssongs, die einfach schön sind. Oder gerade zur Stimmung passen. Schön sind auch Playlisten mit den Liedern, die an besondere Abende erinnern oder einfach in die Beine gehen. Eine CD mit Lieblingsliedern einwerfen, aufdrehen und – auch mit den Kindern – dazu einfach mal wieder tanzen. Wann haben Sie das zum letzten Mal gemacht? Zumindest gut für einen kleinen Energiekick. Aber Achtung: Wer gerade in mieser Stimmung ist, sollte auf keinen Fall zu traurigen Liedern oder welchen mit eher nicht so schönen Erinnerungen greifen. Das macht nämlich leider eher traurig.

0 Energiepunkte auf Silkes Mama-Skala

0 Energiepunkte auf Christines Mama-Skala [Würde ich nie machen. Tanzen gehört in die Disco. Andere können gerne überall tanzen. Aber mehr als Mitwippen, wenn irgendwo die Strassenmusik spielt, ist bei mir nicht drin.]

3. Ausruhen und Schlafen

Diese beiden Worte scheinen die Königsdisziplinen des Energietankens zu sein. „Einfach mal neun Stunden im Stück schlafen, und man fühlt sich wie neu geboren.“ So oder so ähnlich ist das oft nachzulesen. Äh. Ja. Vielleicht. Aber zum einen kann sich wohl kaum noch jemand daran erinnern, wie sich Neugeborene fühlen. Zum anderen haben auch Eltern kaum noch eine Vorstellung davon, wie das gehen soll – so richtig lange schlafen. Es ist eben nicht immer möglich, sich dann zur Ruhe zu begeben, wenn dies auch die Kleinen tun. Leider ein Energietipp, der den wenigsten Eltern hilft. Technisch kaum machbar.

0 Energiepunkte auf Silkes Mama-Skala

3 Energiepunkte auf Christines Mama-Skala [Ich hab‘ Glück: 9 Stunden Schlaf bekomme ich fast jede Nacht. Und ich brauche sie auch. Dementsprechend früh gehen wir aber alle ins Bett. Um 21:30 ist Feierabend. Und Ruhe im Karton ist nur, weil die beiden Kleinen bei mir im Bett schlafen. Was durchaus auch Nachteile hat.]

4. Ein Bad genießen

Es gibt so wunderschöne Badezusätze: „Seelentröster“, „Traumschaum“ und „Harmonie“. Gerade an kalten Tagen eine wunderbare Idee, die Badewanne einfach zu füllen, im warmen Wasser bei Kerzenschein herrlich zu relaxen und sich danach in einen flauschigen Bademantel zu hüllen und ein Nickerchen zu machen. Ja. Leider funktioniert dieser Energietipp auch recht schlecht. Oft sind WC und Wanne nicht getrennt. Also selbst wenn der Papa sich um den Nachwuchs kümmert – irgendwer wird sicher hereinplatzen. Und die Kerzen auspusten. Oder „Mama – Popo abputzen“ einfordern.

0 Energiepunkte auf Silkes Mama-Skala

0 Energiepunkte auf Christines Mama-Skala [Genau so ist es. Baden geht nur, wenn keine Kinder im Haus sind. Und dann ist so viel anderes zu tun! Habe ich bisher keine 5 Mal gemacht in 13 Jahren als Mutter.]

5. Mahlzeiten genießen

Gutes Essen in angenehmer Gesellschaft ist eine wahre Energiequelle. Würde sich jeder unterschreiben. Aber als Mutter ist es schwierig, tatsächlich Essen zu genießen. Denn gemeinsame Mahlzeiten mit Babys oder Kleinkindern sind kaum möglich. Genießen erst recht nicht. Natürlich ist der Familientisch wichtig, die meisten werden jedoch darauf etwas servieren, das von der Mehrheit der Familie gegessen wird. Klar, das sollte immer lecker, gesund und ausgewogen sein. Die Kinder schätzen aber wenig Abwechslung und Nudeln. Eltern mit Gourmet-Ansprüchen können kindgerechtes Essen selten schätzen. Sicher, es gibt Tage, an denen gemeinsame Kochen und gemeinsames Essen schön sein kann. Aber als Energiequelle für erschöpfte Mamas? Eher ungeeignet.

O Energiepunkte auf Silkes Mama-Skala

Unterirdische Energiepunkte auf Christines Mama-Skala [Essen mit den Kindern zusammen ist Stress. Und sie mögen Nudeln mit Sauce oder Pizza ohne Gewürze anstatt der Dinge, die mich reizen. Wir essen in Schichten. Die Kinder gegen 19 Uhr, ich um 21 Uhr.]

6. Bücher lesen

Bücher, das sind doch diese Dinger aus Papier? Ohne Ladekabel? Genau. Ein gutes Buch kann eine wunderbare Flucht aus der Welt sein, es ermöglicht in stressigen Zeiten Fantasiereisen und macht auch in traurigen Zeiten Lachen möglich. Lesen ist wirkt entspannender als Fernsehen, macht Spaß und ist auch nicht teuer. Aber wenn die Kinder immer wieder stören? Manche Bücher lassen sich gemeinsam lesen, auch vorlesen macht Freude. Wenn Mama allerdings gern so richtig schmökern möchte, dann hilft manchmal ein Hörbuch (damit fallen auch lästige Hausarbeiten leichter) oder ein Buch mit Kurzgeschichten. Irgendwann werden auch wieder die Zeiten kommen, in denen das Lesen langer Romane möglich ist.

Bücher lesen oder doch lieber schlafen? (Thinkstock)

Bücher lesen oder doch lieber schlafen? (Thinkstock)

0,5 Energiepunkte auf Silkes Mama-Skala

0,5 Energiepunkte auf Christines Mama-Skala [Ja, aber wenn man doch anstatt zu lesen schlafen könnte? Daran scheitert das mit dem Lesen meist bei mir. Hörbücher reizen mich gar nicht. Das ist mir zu langsam. Und ich lese auch nicht gerne vor. Haut mich.]

7. Hoch die Tassen

Sich die Welt schön trinken? Nein, damit ist etwas anderes gemeint. Hier geht es wirklich um das Löschen von Durst. Um richtige Flüssigkeitsaufnahme. Die meisten Menschen trinken nicht ausreichend. Eigentlich ist es gar nicht so schwer, bewusst darauf zu achten, wirklich die benötigten 1, 5 Liter an Getränken zu sich zu nehmen. Aber gerade Eltern denken im Alltagsstress oft zu wenig an sich selbst. Und an die eigenen Grundbedürfnisse. Wie wäre es mal mit so einer „Wasserkur“? An drei Tagen bewusst schon ungesüßten Tee oder Wasser bereitstellen. Hilft tatsächlich! Und ist unkompliziert.

1 Energiepunkt auf Silkes Mama-Skala

0 Energiepunkte auf Christines Mama-Skala [Dann doch lieber einen Piccolo mit einer Freundin zischen.]

8. Energiequelle Sprache

Wir Menschen sind manchmal selbst zu uns gemein. Geben wir es zu, wir sind oft unser härtester Kritiker. Und machen uns auch mit Sprache manchmal das Leben ziemlich schwer. Sätze wie „Ich muss noch…“ Oder „erst wenn ich die Maschine leer geräumt, die Wäsche aufgehängt und alles gebügelt habe, dann…“ erschweren das Leben. Wie klingt das, wenn das „Ich muss“ in ein „ich werde“ gewandelt wird? Statt „Ich muss noch die Brote schmieren“ im Kopf „Ich schmiere noch die Brote“? Auch Worte wie „vielleicht“, „eigentlich“ oder „nur“ können oft ziemliche Fallen sein. Achten Sie doch einmal einen Tag lang darauf, ob sie mit Sprache nicht auch eigene Energie blockieren. Oder eben freisetzen können. Kostet nichts und hilft sogar stressige Situationen mit den Kindern zu hinterfragen.

1 Energiepunkt auf Silkes Mama-Skala

2 Energiepunkte auf Christines Mama-Skala [Sprache beeinflusst das Denken, man kann es nicht abstreiten. Tatsächlich hilft so eine Art „positives Denken Zaubertrank“ durch Therapie oder eigene Kraft ungemein. Wer Gutes sieht, kann auch besser Chancen wahrnehmen und handeln, anstatt nur zu reagieren.]

9. Medien fasten

Einfach mal verzichten. Gar nicht so einfach. Aber tatsächlich mal ein ganzes Wochenende den PC, das Smartphone und den Fernseher auszuschalten bringt viel. Denn auch die ewige Erreichbarkeit, das Checken von Nachrichten auf Facebook oder Mails bringen Stress. So ein „freies“ Wochenende sollte dann aber auch wirklich für alle Familienmitglieder gelten. Macht Spaß, bringt neue Energie und zeigt, dass wir oft zuviel Zeit an bestimmten Geräten verbringen.

1 Energiepunkt auf Silke Mama-Skala

0 Energiepunkte auf Christines Mama-Skala [Um Himmels Willen – da komme ich ganz schlecht drauf. Nööö!]

10. Bewegen in der Natur

„Wer wird denn gleich in die Luft gehen?“ Ältere Semester kennen den Spruch aus der Werbung. Aber er hat etwas. Frische Luft hilft gegen Stress und Anspannung. Sicher, an einem verregneten grauen Tag hat niemand wirklich Lust, die Kinder wasserfest einzupacken und sich vor die Tür zu begeben. Aber auch bei Regenwetter kann toll gespielt werden.

Natur bringt die beste Entspannung (Thinkstock)

Natur bringt die beste Entspannung (Thinkstock)

Und bei Sonnenschein macht ein Spaziergang ob mit oder ohne Kind erst recht viel Spaß. Durch ein kleines Waldstückchen laufen, eine kurze Radtour oder einfach nur einen Kaffee draußen zu trinken, das macht den Kopf frei und ist ein schneller Energiekick, der auch mit Nachwuchs umzusetzen ist.

2 Energiepunkte auf Silkes Mama-Skala

2 Energiepunkte auf Christines Mama-Skala [So banal, so gut. Ja, Bewegung, auch im Hallenbad, ist ein echter Energielieferant!]

11. Glücksmomente sammeln

Bewegung in der Natur bringt Energie (Thinkstock)

Bewegung in der Natur bringt Energie (Thinkstock)

Der Tipp kam von einer befreundeten Mutter. An jedem Tag zwei bis drei Glücksmomente sammeln. Das kann das strahlende Lächeln mit zwei Zähnen sein. Oder die erste selbstgeschriebene Botschaft vom Erstklässler: „FÜÄ MAMI“. Aufschreiben auf kleine Zettel und in einem schönen Glas sammeln. An miesen Tagen darf dann in das Glas gegriffen werden. Die Mundwinkel werden nach oben gehen, wetten? Auch ein Glückstagebuch funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip. An jedem Tag die drei Momente notieren, die glücklich gemacht haben. Interessant ist, dass selbst traurige Tage oft solche Momente bereithalten, denn sie können ja auch ganz klein sein, diese Momente, die uns einfach froh machen. Eine heiße Tasse Schokolade. Ein Anruf von einer lieben Freundin oder eine Hand, die einen liebevoll streichelt.

3 Energiepunkte auf Silkes Mama-Skala

0,5 Energiepunkte auf Christines Mama-Skala [Hm. Sammeln würde ich nicht, aber achtsam sein. Siehe „Sprache“ und „das Gute sehen.“ Das ist die Art von Idee, die mich ein bisschen aufsässig macht – aber ich kann mir vorstellen, dass das für Viele funktioniert.]

Uns machen auch Kommentare glücklich. Wie tanken Sie Energie?

  • Nadine

    ich kann nur sport empfehlen. mit oder ohne kinder. radeln, auf der deryogamatte daheim oder im fitnessstudio mit kinderbetreuung. sich spueren und stolz auf die eigene ausdauer wirken wunder gegen stress. tipp: die meisten babys finden es sehr lustig als hantel benutzt zu werden.