Baby und Trinken – wie viel sollte ein Baby trinken und was ist eine Wasservergiftung?

Geht es meinem Baby auch wirklich gut? Bekommt es ausreichend zu trinken? Wieviel ist zu viel? Lies hier die Antworten zu den 10 häufigsten Fragen zum Thema Trinken für Babys.

Woher weiß ich, ob mein Baby genug trinkt?

Es kommt bei Säuglingen nicht darauf an, wie hoch die Trinkmenge pro Mahlzeit ist. Bei Stillbabys ist das schwer zu berechnen und ein Wiegen vor und nach dem Stillen ist für Mutter und Kind nur anstrengend. Bei vollgestillten Babys und bei Säuglingen, die ausschließlich Flaschennahrung bekommen, gibt es Zeichen, die Eltern zeigen, dass das Baby ausreichend versorgt wird:

  • Es sieht rosig und gesund aus
  • Seine Fontanelle ist nicht eingesunken
  • Es hat etwa vier bis sechs nasse Windeln in 24h
  • Es trinkt mindestens sechs bis acht Mahlzeiten am Tag und schluckt hörbar
  • Das Baby nimmt an Gewicht zu

Baby und Trinken – 10 Antworten auf die häufigsten Fragen zum Trinken  ©Thinkstock

Aber gibt es nicht einen groben Richtwert für die Trinkmenge?

Gestillte Babys regulieren ihren Bedarf selbst. Mal trinken sie mehr, mal weniger. Vor allem bei warmen Temperaturen möchten Säuglinge oft nur kurz angelegt werden. Der Grund: sie sind vor allem durstig und kurze Stillmahlzeiten löschen den Durst. Bei langen ausgiebigen Stillen erhält das Kind auch die Muttermilch mit dem höheren Fettgehalt, bei kurzen Mahlzeiten eher die Muttermilch mit dem höheren Wasseranteil. Wichtig ist, dass die Brust bei Hitze häufig angeboten wird.

Nicht gestillten Kinder sollten entsprechend die Flasche mit der Pre-Milch öfter bekommen. Bei Kindern, die spezielle Milchersatznahrung trinken, sollte mit der Hebamme und dem Kinderarzt abgesprochen werden, ab wann Wasser angeboten wird. Anders als Muttermilch ist die Flaschennahrung immer gleich zusammengesetzt. Sie sollte auf keinen Fall auf eigene Faust mit Wasser „gestreckt“ werden, das sonst die ausreichende Versorgung mit Nährstoffen gefährdet sein könnte.

Brauchen Säuglinge zusätzlich Wasser oder Tee?

Nein, Babys die noch keine feste Nahrung bekommen, brauchen keine extra Flüssigkeit. Sie stillen ihren gesamten Flüssigkeitsbedarf über die Muttermilch oder über die Flaschennahrung. Das gilt auch bei Hitze oder bei Fieber. Eine Extrazugabe von Wasser oder Tee kann sogar gefährlich werden.

Zusätzliches Wasser wird erst mit der Beikost nötig ©Thinkstock

Warum ist zusätzliches Wasser gefährlich?

Beim Stillen wird das Prinzip von Angebot und Nachfrage gestört. Weil das Baby weniger Milch trinkt, da der Durst mit Wasser gelöscht wurde, wird weniger Milch produziert. Die Gefahr: das Baby bekommt so nur Vordermilch, weil es nicht lange genug an der Brust bleibt um die sättigende Hintermilch zu erhalten. So entsteht eine Mangelversorgung, die bedrohlich werden kann.

Zu viel Wasser kann bei Säuglingen, die noch keine feste Nahrung bekommen den empfindlichen Natriumhaushalt des kleinen Körpers stören. Dann droht eine Wasservergiftung (Wasserintoxikation). „Wasservergiftung ist, nach Fieber, die zweithäufigste, obwohl absolut vermeidbare Ursache von Krampfanfällen bei Babys“, erklärt die Hebamme und Stillberaterin Regine Gresens. „Dies gilt übrigens auch für Babys, die künstliche Säuglingsnahrung erhalten. Sie sollten daher nie mit gestreckter, also mit extra Wasser verdünnter Säuglingsnahrung gefüttert werden, weder bei heißem Wetter, noch um Nahrungspulver einzusparen.“

Was kann bei einer Wasservergiftung passieren?

Nimmt ein Mensch zu viel Wasser zu sich, wird das Natrium aus dem Blut gespült und das Wasser tritt in das Gewebe über, Hirnzellen werden geschädigt. Säuglinge im ersten Lebenshalbjahr nehmen sehr wenig Natrium über die noch sehr salzarme Nahrung auf. Kinder die noch keine Beikost bekommen, haben grundsätzlich einen sehr niedrigen Natriumspiegel im Blut. Durch eine hohe zusätzliche Wasseraufnahme wird der ohnehin geringe Natriumspiegel von kleinen Kindern und Säuglingen zusätzlich gesenkt.

Der Körper reagiert auf den niedrigen Natriumwert im Blut, in dem der dem Blut die Flüssigkeit entzieht. Hier kommen nun die Nieren in Spiel, die dafür Sorgen, dass das Zuviel an Wasser über die Blase ausgeschieden wird und sich der Elektrolythaushalt wieder stabilisieren kann.

Die Nieren von Kindern im ersten Lebensjahr sind noch nicht ausgereift und können daher eine größere Menge an Flüssigkeit nicht verarbeiten. Weil die Flüssigkeit nicht ausgeschieden werden kann, aber aus dem Blut muss, lagert sie sich in Körperzellen ab und auch in den Gehirnzellen. Das Gehirn kann dann anschwellen und ein lebensbedrohliches Hirnödem bilden. Auch Organe können geschädigt werden.

Woran kann ich eine Wasservergiftung bei einem Baby erkennen?

Kinder die zuviel Flüssigkeit bekommen haben wirken apathisch.“Wenn ein Baby benommen wirkt, eine geringe Körpertemperatur um 36,1 °C oder weniger hat und das Gesicht geschwollen oder ‚aufgedunsen’ wirkt, können dies Anzeichen für eine Wasserintoxikation sein“, warnt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Stillende Mütter sollten selbst auch ausreichend trinken ©Thinkstock

Aber ist denn die Muttermilch wirklich ausreichend?

Ja. Stillende Mütter sollten aber immer – und natürlich insbesondere bei warmem Wetter – auch daran denken selbst ausreichend zu trinken. Wer zuviel trinkt, bildet nicht mehr Milch, sondern scheidet schlichtweg mehr Urin aus. „Als Faustregel gilt 1 Glas oder 1 Tasse zu jedem Stillen und immer dann, wenn Sie durstig sind“, so Hebamme Regine Gresens, Autorin des Buches „Intuitives Stillen“.

Ab wann brauchen Kinder zusätzlich Wasser?

Sobald ein Kind Beikost bekommt, sollte es auch anfangen, sich an Getränke zu gewöhnen. Die Trinkmenge sollte im Schnitt bei 400 ml liegen, das hängt natürlich auch davon ab, ob und wie viel das Kind noch gestillt wird. Wichtig ist, dass Getränke, am besten stilles Wasser, zu den Mahlzeiten aber auch zwischendurch immer wieder im Angebot sind. Meist funktioniert der so genannte Selbstregulierungsmechanismus gut und das Kind steuert selbst sein Trinkverhalten. Das Getränk sollte häufig angeboten, aber nicht aufgedrängt werden.

Und woran erkenne ich, dass mein Kind zu wenig trinkt?

Wie oben beschrieben, hat ein gesundes Baby eine rosige Gesichtsfarbe. Auch die Fontanelle sollte nicht eingefallen sein. Wirkt ein Baby sehr matt und hat trockene Windeln, sollte Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden.

Bei älteren Kinder funktioniert die Selbstregulation meist gut. Trotzdem sollten Eltern vor allem darauf achten, dass gerade in der warmen Jahreszeit immer Getränke zur Verfügung stehen. Es hilft mit gutem Beispiel voran zu gehen und selbst darauf zu achten ausreichend und regelmäßig zu trinken. Das tun wir Erwachsenen nämlich auch nicht immer.  Wir sollten 2,6 l Flüssigkeit zu uns nehmen, das empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). Kinder von eins bis vier Jahren sollten 820 ml Wasser trinken und 350 ml Wasser über die Nahrung zu sich nehmen.

Zu den Mahlzeiten Wasser anbieten – schmeckt gut ©Thinkstock

Was tun, wenn das Kind nicht trinken mag?

Bei Säuglingen und Babys sofort Rücksprache mit dem Kinderarzt halten. Denn dafür kann es viele Gründe geben, das sollte unbedingt abgeklärt werden. Kindern sollten immer wieder Wasser und ungesüßte Getränke angeboten werden. Vielleicht trinkt das Kind lieber kalten Früchtetee? Oder eine dünne Saftschorle? Selbstgemachtes Wassereis aus gefrorenem Saft mit Wasser wird auch gern gelutscht und ist gut für den Flüssigkeitshaushalt. Sollte das Kind aber matt wirken, trockene Lippen haben, trockene Windeln oder (bei älteren Kindern) wenig auf das WC müssen, sollte auch hier Rücksprache mit dem Kinderarzt gehalten werden.

Mehr Tipps zum Thema Trinken  – auch gut für Stillende und Kinder in unserem Artikel: Richtig Trinken in der Schwangerschaft

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