Ein kalter Wintertag in München. Patrycja Marek wollte mit ihrer Freundin Magadalena einkaufen. Beide Mütter waren mit ihren Kinderwagen unterwegs. Kakao wollten sie kaufen und eventuell auch kurz im Laden-Café einkehren. Doch dann stutzten sie über einen Aufkleber an der Tür. Kinderwagen verboten. Patrycja Marek sah, dass das Geschäft leer war und bat die Verkäuferin um eine Ausnahme. Doch die blieb hart - die Kinderwagen mitsamt den Babys müssten draußen bleiben. "Aber wer lässt denn seine Kinder unbeaufsichtigt vor der Ladentür?" fragt sich Magdalena in Magazin 'Hallo München'. Ihre fünf Monate alte Tochter schlief und die Mutter wollte die Kleine auch nicht wecken. Die beiden Frauen ärgern sich über das Kinderwagenverbot - und wollen den Laden künftig meiden.
Der Ladeninhaber betont, dass das Schild nötig sei, "weil es immer mehr Kinderwagen geworden sind". Die würden ihm die Regale verstellen, so dass die Kunden nicht mehr vernünftig einkaufen könnten. Außerdem würden sie im kleinen Café Platz wegnehmen. Er verweist auch auf den Brandschutz. Doch dann rückt er mit dem wahrem Grund des Boykotts heraus: "Die Kinderwagen blockieren Sitzplätze von Geschäftsleuten, die deutlich mehr Geld hier lassen als Frauen mit Kindern." Gegen die Kinder habe er nichts, "nur gegen die Mütter." Denn die hätten den lärmenden Nachwuchs meist nicht im Griff und würden sogar mitten im Café wickeln. Furchtbar.
Doch nicht nur in München hängt das Kinderwagen-Verbotschilder gleich unter dem Hundeverbot. Auch aus Hamburg, Augsburg und Zürich berichten Eltern von Lokalen mit klarer Botschaft: Hunde, Kinder und Mütter sind hier nicht erwünscht. Man muss auch verstehen warum: Kinder sind wie Hunde - schlecht erzogen. Manchmal noch schlechter. Sie lachen und glucksen, krümeln und lärmen.
Menschen, die mit Babys oder Kleinkindern unterwegs sind, sollen draußen bleiben. Das Platzproblem ist offensichtlich nur ein Scheinargument. Denn ein Kinderwagen ist mehr als ein Transportmittel. Er erlaubt es, das Leben mit einem Baby oder Kleinkind außerhalb der Wohnung zu managen. Ein Fahrrad kann man vor der Tür abstellen. Ein schlafendes Baby nicht.
Wer Eltern als Gäste haben möchte, aber ein Platzproblem hat, kann ja auch einen gesicherten Unterstand für die Wagen und feste Plätze für schlafende Babys innerhalb des Lokaly anbieten. Und ein Klappwickeltisch im WC würde das Wickeln im Lokal auch vermeiden. Aber es ist anders: Kinderwagenbesitzer sind nicht cool genug, sie sind scheinbar keine interessanten Kunden.
Wer mit Baby ohne Wagen einkehrt, kann schnell herausfinden, dass das Verbotsschild eigentlich den Müttern und Kindern und nicht nur deren Wagen gilt. Ich wurde einst mit dem Baby im Tragetuch so widerwillig bedient, dass ich nie wiederkam. In meinem Lieblingscafé wurde nach dem Besitzerwechsel die Spielecke für Kinder abgebaut. "Die Mütter sitzen zu lange herum und konsumieren zu wenig," erklärte auch hier die Betreiberin. Ihr "Good Food Café" verlor die Stammkundinnen mit Kindern. Wie kurzfristig ist so ein Denken? Irgendwann wird der Nachwuchs ja auch größer?
Das besonders Traurige an den Kinderwagen-Verboten ist aber, das viele Menschen die Idee prima finden. Auf Mallorca soll es jetzt sogar ganze Hotels geben, die erklärterweise Kindern den Zutritt verbieten. Ein sehr bedauerlicher Trend.
Userin Simone berichtet, dass man sie in einem Augsburger Café sofort auf das Kinderwagenverbot hingewiesen habe. ""Nein", hieß es da, "Kinder unter sechs Jahren ham´ wir hier nicht!". Wumms – Türe zu!
"Darf man mit Rollator oder Rollstuhl rein? Gibt es auch eine Alterbegrenzung nach oben?" fragt Simone. Ob vielleicht einfach alle Generationen nur unter sich bleiben sollten, das wäre genauso wie Kinderverbot - eine traurige Entwicklung!