Kinder, Schleim und Rotz

Sie tarnen sich als niedliche kleine Knöpfe mit Kulleraugen: Wesen, die ständig schleimige und glibberige Substanzen produzieren – und damit ihre Umwelt ganz fies bedrohen. Das ist kein schlechter Horrorfilm, sondern Mütteralltag. Doch wie kann man sich gegen kleine Schleimmonster wehren?

Was gehört zu einem guten Horrorfilm? Klar, jede Menge klebrige Substanzen. Im Film „Ghostbusters“ droht eine ganze Stadt zu verschleimen. Vielleicht helfen solche Geisterjäger auch verzweifelten Müttern? Denn kleine Menschenwesen sind von Anfang an eine ziemlich schleimige Angelegenheit – sie bedrohen zwar nicht die Menschheit, können aber das elterliche Nervenkostüm reichlich reizen.

Dabei sind sie doch so reizend, unsere Babys. Doch schon ihre Geburt fängt ja oft bezeichnenderweise damit an, dass sich der Schleimpfropf löst. Umgeben von einem schützenden Mantel von Käseschmiere sehen wir unseren Nachwuchs das erste Mal und verlieren sofort unser Herz. Schon in den ersten Minuten zeigt uns das Mini-Baby, was auf uns zukommen wird, doch die Augen von frischverliebten Mamas sehen das fiese Kindspech oft gar nicht. Erst ein paar Tage später wundern wir uns über diese komischen Flecken auf dem Hemd, das wir bei der Geburt anhatten. Die lassen sich nicht rauswaschen. Spuren vom ersten Schiss eben – Pech.

Doch dieses erste Wascherlebnis mit Ausscheidungen des kleinen Wesens ist ja nur der Anfang. Schon in den ersten Wochen mit einem Säugling wundert man sich, was so alles aus einem kleinen Bündelchen Mensch herauskommen kann. Denn obwohl die Milch ja immer die gleiche Farbe hat, sind die Ausscheidungen des Winzlings mal gelb, mal braun, mal grün. Solange sie noch gestillt werden stinkt es zwar nicht ganz so schlimm – aber schleimig und oft schwer aus den kleinen Bodys rauswaschbar ist es auf jeden Fall. Vor allem, wenn das Baby so richtig detoniert und die Windel ausläuft.

Allerdings ist dies erst der Anfang – denn Glibberiges sammeln kleine Kinder auch sehr gern in der Nase. Der erste Schnupfen versetzt die Eltern meist in Panik. Hilfe – wie kann in so einer winzigen Nase soviel drin sein? Und wie bitte soll es rauskommen? Meine Hebamme erklärte es mir: „Nasensauger aus der Apotheke sind nichts für Säuglinge. Sie müssen das mit dem Mund absaugen.“ Alles klar. Ich wollte schon immer mal den Schnodder eines anderen Menschen im Mund haben. Ganz natürlich sei das, meinte die Hebi. Ganz eklig war das, kann ich nur sagen. Aber wer sein Kind liebt, der saugt. Oder wartet, bis es kräftig niest. Wenn Mama Glück hat, landet dann der Rotz auf ihrer Schulter. Meine Babys niesten gerne beim Stillen (das Trinken ist ja auch schwierig mit dichter Nase) – und so landete der Schleim oft vorne an meinem Pulli oder direkt auf der Brust. Lecker.

Je älter Kinder werden, desto mehr belasten sie die elterliche Ekelgrenze. Sobald die Nahrung umfangreicher wird, ist das Wickeln eine Meisterleistung für Erwachsenennasen. Und der erste Babybrei ist – na was wohl? Ziemlich schleimig. Ich sage nur Pastinakenbrei. Der fröhliche Nachwuchs sabbert den Brei oft zunächst auch aus – im Falle von Pastinaken wird auch gerne im hohen Bogen gespuckt. Es dauert eine Weile und viele Putzlappen, bis man den Geschmack des Babys trifft.

Die nächste Sabber-Attacke beginnt mit dem Zahnen. Ist das Zahnfleisch gereizt, läuft das Baby ständig über. Und nicht nur der kindliche Pulli – auch die Kleidung der Eltern wird gern in Mitleidenschaft gezogen.

Alles nur eine Phase, doch die nächste Phase ist auch nicht wirklich besser. Denn wenn Kleinkinder endlich so essen können, dass der Anblick nicht mehr ganz so appetitschädigend ist, dann beginnt häufig das Trocken werden. Schon wieder ein Fall für die Geisterjäger – vollgepieselte Hosen gehen ja noch, aber die anderen Ausscheidungen sind wahrlich nicht schön.

Ist das Kind dann endlich im Kindergartenalter, dann ist es aber noch nicht vorbei mit den glibberigen Attacken auf die Eltern. Sicher, dezente Gegenangriffe sind möglich – aber wie sollen die Aussehen? Ebenfalls die Hose zu verunreinigen wäre ja nun auch nicht so schön. Gemeinsam kleckern, schlabbern und die Wände mit Brei verzieren? Ehrlich gesagt bringt es wenig, sich auf den gleichen Ekel-Level zu begeben.

Es gibt nur wenig Möglichkeiten, den Angriffen der Schleimmonster zu begegnen: z.B. mit Tarnkleidung und Humor. Gegen ausgespuckte Milch und die Reste vom „Bäuerchen“ hilft es, ein Mulltuch auf der Schulter zu tragen. Und in der eigenen Wohnung Pullis, die eben ein paar Breiflecken oder ähnliches vertragen. Es auch ratsam an vielen Stellen – gerade in der Erkältungssaison – Taschentücher zu deponieren. Denn der liebe Nachwuchs leidet in dieser Zeit ja fast immer unter Schnupfen. Kinder ergreifen ohne elterliche Hilfe da meist folgende Maßnahmen: Sie schlabbern den Rotz selbst auf mit der Unterlippe, ziehen alles hoch oder nutzen ihren eigenen oder Mamas Pulli zum Schleimauffangen. Liegen Taschentücher parat, können Eltern zumindest die schlimmsten Attacken verhindern.

Mütterliche Schleimgeist-Jäger bräuchten so eine Art Monster-Schleimsauger – ähnlich wie Laubsauger. Das wäre doch etwas.

Bild:©istock.com

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