"Super-Nanny" verstößt gegen Menschenwürde

Super-Nanny verstößt gegen Menschenwürde

Katharina Saalfrank als Supernanny auf RTL hat eine Rüge von der Kommission für Jugendmedienschutz erhalten, weil ein 5-jähriges Mädchen vor laufender Kamera von seiner Mutter geschlagen wurde. Nun soll RTL Bußgeld zahlen. 

15.000 € soll RTL als Strafe zahlen - der Sender hat aber bereits Einspruch eingelegt, weil er die Beandstandung nicht nachvollziehen kann. Es geht um die Folge vom 5. Mai 2010, die eine überforderte Mutter (Sabrina) im Umgang mit ihren beiden Töchtern Maike (5) und Janina (2) in ihrem von Gewalt geprägten Alltag zeigte.

Die Kinder im Fernsehen der Öffentlichkeit so preiszugeben, sei eine Verletzung der Menschenwürde. Besonders das 5-jährige Mädchen werde in ihrem sozialen Achtungsanspruch verletzt und zum Objekt der Zurschaustellung degradiert, so die Medienwächter.

Es sei nicht tragbar, dass ein Kind angeschrien, bedroht und schließlich geschlagen werde, und keiner der anwesenden Kameraleute eingeschritten sei. Die Sendung, sagen die Jugendschützer, hätte nie ausgestrahlt werden dürfen.

RTL will nun alle zukünftigen Sendungen vor der Ausstrahlung der FSF (Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen) vorab zeigen, um negative Schlagzeilen zu vermeiden.

  

Das meint liliput-lounge Experte Jesper Juul zur Sendung "Die Super-Nanny":

"Ich will gerne ganz klar sagen: Das, was mit den Kindern in diesen Programmen passiert, was man im Fernsehen sieht und auch nachher, ist völlig unethisch...

Ich will auch noch zu den Super-Nannies und was noch alles kommt sagen: Das sind nicht einzelne Fernsehleute, die das machen. Es gibt in Los Angeles zweimal im Jahr eine Konzeptbörse, wo man als Fernsehperson ein Konzept kauft, Geld investiert und zwei, drei Jahre nachher kommt das Konzept. Man soll also von den Produzenten und Privatproduzenten keine Ethik erwarten. Das sind die Marktwerte und nicht die Menschenwerte."

Juul geht sogar so weit, Sendeformate wie "Die Supernanny" mit Pornographie gleichzustellen: "Das ist „Erziehungspop“ oder, wenn ich es etwas ernster sagen will, dann ist es 'Erziehungspornographie'.“  Quelle: familylab.de

 

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Editorial vom 15.4.2011 zu diesem Thema

Foto: (c) RTL / Andreas Friese 

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